(Fearless Records/ Caroline) Mit ihrem zweiten Album "The Home Inside My Head" wollen REAL FRIENDS aus Tinley Park, Illinois nahtlos an das überraschend vielfältige "Maybe This Place Is The Same And We're Just Changing" von 2014 anknüpfen. Überraschend deshalb, weil es REAL FRIENDS geschafft haben, mit ihrem Debütalbum in dem aktuell überlaufenen Genre des poppigen PunkRocks ihren Platz zu positionieren und ziemlich überzeugend ein Statement abzugeben. Die fünf Jungs sind sich nämlich nicht zu fein, die Begrifflichkeit des Emo offensiv zu ihren Einflüssen zu zählen und somit eine Basis bzw. das Fundament zu legen für 14 (inkl. zwei Bonussongs) neue Tracks, die es auf "The Home Inside My Head" geschafft haben. 'Stay In One Place' heißt der Opener, der schon zu Anfang aufzeigt, was die Markenzeichen von REAL FRIENDS während der fortlaufenden Spielzeit sein werden. Die angenehme, weil unaufdringliche aber trotzdem immer präsente Stimme von Frontmann Dan Lambton wird flankiert von klug gesetzten Background-Chören. Der im Midtempo angesiedelte Song überzeugt mit feinem Gespür für Melodie und Dynamik. Im Prinzip ist es genau diese Blaupause, die REAL FRIENDS benutzen, um das picke-packevolle Album mit Leben und Emotionen zu füllen. Der Einfluss liegt eindeutig näher bei Jimmy Eat World als bei New Found Glory. Diese angedeutete Zurückgenommenheit, um jedem Song den Platz einzuräumen, den er braucht, um sich zu entfalten, ist nicht jeder Band gegeben und macht REAL FRIENDS schon einmal grundsätzlich sympathisch. Sie bleiben natürlich immer in ihrem 3-Minuten-Kosmos, die perfekt für die Aufmerksamkeitsspanne von CollegeRock-Radiostationen-Hörern geschaffen sind. Ob nun beim straighten 'Empty Picture Frame' oder dem ruhigeren 'Mokena'. "The Home Inside My Head" läuft unspektakulär ohne große Höhepunkte rein. Die Tendenz zum Weiterskippen, weil man gelangweilt einen Schlag in die Fresse brauchen könnte, ist aber auch nicht da. Wenn man es in einem Wort zusammenfassen sollte, was REAL FRIENDS auf ihrem zweiten Studioalbum anbieten, wäre dies: Schön. Und wie kann Schönheit stören?  Man kann sich daran erfreuen, entwickelt positive Gefühle, verliebt sich möglicherweise und möchte diese Momente eigentlich nicht mehr missen. Aber Schönheit ist auch vergänglich - und wenn nicht schon vorher Liebe enstanden ist, wird auch das Interesse verfliegen. Es klingt oberflächlich und traurig - so ist aber das wahre Leben. Nach diesem Diskurs nochmal kurz zurück zum Album: Die Einflüsse liegen eindeutig im EmoRock der Anfang 2000er Jahre, als The Promise Ring oder Hey Mercedes das Maß aller Dinge waren (siehe 'Isolating Everything' oder 'Well, I'm Sorry'). Mit der Einflechtung des modernen top produzierten PopPunks Marke All Time Low und Konsorten entsteht ein entspanntes Album, welches REAL FRIENDS viele wahre Freunde (:-) ) bescheren wird. Störfaktor könnte im Umkehrschluss aber eben diese nette Art sein, die REAL FRIENDS einen perfekten Job machen lässt, allerdings die notwendigen Ecken und Kanten so sehr abrundet, dass nichts hängenbleiben mag.
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Photo courtesy of Oktober Promotion

"The Home Inside My Head" möchte allen gefallen und schafft dieses wahrscheinlich auch im anvisierten Zielpublikum. REAL FRIENDS sind eine Band für die Schönheit des Augenblicks, allerdings werden sie es nicht schaffen, die Liebe meines Lebens zu werden. Tolle Jungs, schönes Album, aber keine bedingungslose Liebe. Freundschaft muss reichen! Album-VÖ: 27.05.2016 4-Blitz