(Gunner Records/ Broken Silence) Eine Entschuldigung vorneweg: Die Rezension zum neuen Album von MY LIFE IN BLACK AND WHITE kommt erst einen Monat nach Veröffentlichung auf diesem Kanal, weil ich es leider, ob meiner Begeisterung, vergessen habe, darüber zu schreiben. Wird natürlich nachgeholt und sollte eigentlich gar nicht erst passieren - v.a., weil "Columbia" ein Album geworden ist, welches verschiedene Zielgruppen anspricht, ohne sich anzubiedern. Sondern einen Sound entwickelt, der es einem schwer macht sich zu entziehen. Heartfelt-PunkRock mit Boston-Touch oder straight forward PunkRock mit Folk und Rock 'n Roll-Elementen. Egal wie man es schimpfen mag oder in Schubladen einordnen möchte - über allem steht das Trademark "PunkRock mit Herzblut". Wer in seinem Booklet zum Album als letzten Satz nach den Danksagungen Folgendes anmerkt, kann per se kein schlechter Mensch sein: "Please copy this album for your friends, and then bring them to a show". MY LIFE IN BLACK AND WHITE bedeutet ihre Musik alles! Und sie wollen möglichst viele begeistern. So wie mich. 🙂 Beeindruckend: Seit 2005 in der immer gleichen Besetzung am Start. "Columbia" ist das mittlerweile vierte Album, allerdings das Erste, welches problemlos in Europa zu haben ist, da sich zum Glück das DIY-Label Gunner Records den Jungs aus Portland angenommen hat. 14 Songs warten darauf, entdeckt zu werden. Und obwohl die Genreeinordnung auf dem Papier nicht nach Innovation klingt (was auch nicht geboten wird) und aufgrund der Unbekannheit in unseren Breitengraden trotz langer Bandgeschichte auch nicht besonders neugierig macht, kann ich allen Fans von alten Against Me! oder The Blacklist Royals oder Banquets diese Band ans Herz legen. 'The Last Of The Young Guns' hat schonmal alle Trademarks - eine fantastische Gitarrenarbeit die mit schön gesetzten Solo-Einlagen unterhält, eine treibende Rhythmusfraktion, smarte Background-Chöre und den immer anwesenden Ohrwurmcharakter. Dann wird mit 'Hell Or High Water' das Tempo nochmals angezogen, das Schlagzeug galoppiert voraus, die Refrains (wieder diese Chöre!) sitzen. Ich möchte in Besprechungen eigentlich vermeiden, zuviele Referenzen zu nennen, damit nicht der Eindruck entsteht, das sich eine Band mit ihrem neuesten Output nur bei Anderen bedient hätte. Aber die Einflüsse sind manchmal so eindeutig und mit dem größsten Respekt verarbeitet worden, dass man schon einige Erwähnungen tätigen sollte, um den geneigten Fan die grobe Marschrichtung anzuzeigen. Wenn es bei MY LIFE IN BLACK AND WHITE die 'Final Hour' schlägt, ist ein gewisser Boston-Groove zu vernehmen, der auch The Ducky Boys gut zu Gesicht steht. Die Bouncing Souls ('Marching Orders') lugen desöfteren um die Ecke, um mit The Menzingers ('Radio') eine Flasche Whiskey auf MY LIFE IN BLACK AND WHITE zu leeren. Prost! Was soll ich sagen? Kein Ausfall, nur Hits - und das Ganze auch noch als Album in sich geschlossen konzipiert. Ob nun 'Broken Wings', '(Hold Fast) San Francisco' oder der Kracher 'Dead At 21' - alles perfekte Tunes für die nächste PunkRock-Party. Mit 'I'll Sleep When I'm Dead' gibt es einen kurzen HardCore-Smasher. 'Too Close To Home' beginnt als schönes Akustikstück, welches sich im weiteren Verlauf zu einem melancholischen Downtempo-Track mausert.
My_Life_in_Black_And-White_Photo_courtesy_of_Gunner_Records

Photo courtesy of Gunner Records

Einen bekannten Song wird auch noch Tribut gezollt und zwar 'My Brain Is Hanging Upside Down (Bonzo Goes To Bitburg)'. Und wer soviel Liebe in eine Coverversion eines Ramones-Stückes steckt, ist ein feiner Mensch. MY LIFE IN BLACK AND WHITE sind mit ihrem Album "Columbia" meine bisherige Entdeckung des Jahres und haben außer der Höchstwertung eure vollste Aufmerksamkeit verdient. Ganz starkes PunkRock-Highlight! Album-VÖ: 29.04.2016 6-Blitz