Support: Lords of the Lost & Rabia Sorda Bei der ersten Ansicht des Line-Ups stellt sich durchaus die Frage, wer für diese Zusammensetzung verantwortlich ist. Musikalisch liegen dort einige Welten zwischen der Konzertdoppelspitze COMBICHRIST und FILTER, was eher an eine Festival-Order erinnert. Auch die beiden Supportbands passen eigentlich nicht ganz ins Bild. Der Abend lässt sich für mich am besten mit „lange nicht gesehen, trotzdem wiedererkannt“ beschreiben. Dies beginnt direkt beim Opener RABIA SORDA. Die mexikanisch-deutsche Band ist vor allem durch Ihren Frontmann Erik Aicrag bekannt, der sich mit seiner Punk-Industrial Band Hocico bereits einen Namen gemacht hat. Nun ist er auf Solopfaden unterwegs und das Projekt klingt deutlich anders als die Mutterband. Zwar ist der elektronische Anteil immer noch sehr hoch, aber in einigen Parts geht es, vor allem in den Live-Versionen, deutlich rockiger zur Sache. Midtempo-Beats unterstützen die charismatische Stimme des Sängers, die teilweise melodisch und teilweise eskalierend wirkte. Die Halle war zu diesem Zeitpunkt etwa halbgefüllt und das Publikum schien zufrieden mit der Performance. Auch die immer wiederkehrenden Synthies kamen gut an. Als zweite Band des Abends betraten daraufhin LORD OF THE LOST die Bühne. Bis Dato war mir die Hamburger Kapelle nicht über den Weg gelaufen und daher wunderte ich mich etwas, als anstatt der von mir erwarteten industrial-Darbietung ein bunter Mix aus Dark Rock, „Electro Pagan“ , Glam und Industrial-Rock entgegen schmetterte. Im Gegensatz zu dem etwas verhalteneren Publikum hatten die Jungs wirklich Feuer im Arsch und sorgten mit einigen Spezial-Effekten, wie der im dunklen leuchtenden Gitarre und weiteren Blink- und Glitzerelementen für Entertainment. Das Eis wurde dann gegen Ende des Konzerts gebrochen, indem LORD OF THE LOST Ihrer Version des Trash Pop Klassikers 'Everybody (Blackstreet’s Back)' der Backstreet Boys zum Besten gaben. Das Publikum nahm, nach anfänglicher Irritation, dann auch stimmlich an diesem Stück teil. Gut gelaunt verabschiedeten die Zuschauer daraufhin die Band von der Bühne und warteten mit Spannung auf den ersten der zwei Headliner. Als um 20:45 Uhr FILTER die Bühne betraten, war die Spannung in vielen Augen zu sehen. Vielen Zuschauern ging es wie mir. Man kennt die Band FILTER von früher, ja. Man verstand nicht so ganz, wie FILTER in eine Show mit COMBICHRIST passe,n aber man wollte dem Ganzen eine Chance geben. Vielen war die Band natürlich durch Frontmann Richard Patrick bekannt, der vormals, bis 1992, Gitarrist bei den Nine Inch Nails war. Direkt zu Beginn der Show präsentierten FILTER einige neue Songs, in denen deutlich mehr Synthies und generell elektronische Einflüsse zu hören waren, als in den früheren Werken. Vielleicht wollten FILTER dem Zuschauer dadurch den Zugang zu Ihrer Show erleichtern. Im Laufe der etwa 1-stündigen Bühnenpräsenz spielte sich die Band musikalisch wieder mehr in Ihre früheren Gefilde. Dark- und Melodic-Rock mit Industrial-Einflüssen. Die Zuschauer beteiligten sich dann auch mehr und mehr am Geschehen, vor allem die alten Klassiker wie 'Take a Picture', 'Hey Man Nice Shot' oder 'Dose'. Wie auch bereits in den 90ern dreht sich auch heute noch bei FILTER vieles textlich um die Themen Politik, Krieg und Menschen. Diese Meinung zeigt sich auch bei dem Merchandise der Band, bei dem sich zum Beispiel das FILTER-Logo über Donald Trump's Mund wiederfindet. Man konnte jedoch während der FILTER-Show feststellen, dass die Truppe es wohl gewöhnt ist, vor großer Menge als eigener Headliner zu spielen, denn viele sing-a-long,Parts kamen nicht so wie von der Band gewollt rüber. Vielleicht erwartete FILTER da etwas viel von einem maßgeblich für COMBICHRIST anwesenden Publikum. Um 22:00 war es dann soweit. COMBICHRIST betreten die Bühne und zwar mit Druck. Oberkörperfrei pushed Sänger Andy LaPlegua das norwegisch-amerikanische Kollektiv COMBICHRIST nach vorne und das Publikum ist, in der nun zur dreiviertel gefüllten Live Music Hall, von Anfang an Feuer und Flamme. Die Nebelmaschinen unterstützen die schwitzige Atmosphäre, die durch oft dunkelrote Lichteffekte begleitet wird. COMBICHRIST starten zu Beginn mit einem Song aus dem am 03.06.2016 veröffentlichten neuen Album "This is Where Death Begins (Out of Line)". Die Kombination aus Industrial, Aggrotech, gemischt mit Metalcore-Einflüssen fordert die Menge zum Tanzen, Springen und Mitschreien auf. Die Stimmung hatte ihren ersten Höhepunkt, als COMBICHRIST einen Ihrer bekanntesten Songs 'This shit will fuck you up' performten. Es folgten weitere energetische Songs, die teilweise im Chaos zu enden drohten, als die beiden Drummer der Band anfingen, Teile der Drumsets zu demolieren und damit Ihre Bandkollegen zu bewerfen. Die Soundtechniker hatten daraufhin alle Hände voll zu tun, die Show lief jedoch reibungslos weiter. Die letzten drei Songs des Abends ließen dann noch einmal den Schweiß von der Decke tropfen. Unter diesen Tracks waren auch die COMBICHRIST Dancefloor-Zerstörer 'Get your Body Beat' und als krönenden Abschluss 'Maggots At The Party'. Gegen 23.15 war die Show zu Ende und man kann von einem trotz seltsamen Line-Up von einem gelungenen Abend sprechen.