(Stuck Mojo Records) Wer heute noch glaubt, Rage Against The Machine, Limp Bizkit oder gar Linkin Park waren die Anfänge des Crossover/New Metal, der liegt weit daneben. Zwar sind in der Summe die Jungs von STUCK MOJO der breiten Masse nie ein geläufiger Begriff gewesen, so sind sie es aber letztendlich gewesen, die 1989 gegründet, zu der absoluten Pionierband auserkoren werden müssen. Nicht nur, dass sich Metal und Rap perfekt verschmelzen ließen, nein, hier war mit Bonz sogar ein farbiger Frontmann am Start. Die Debütsingle 'Not Promised Tomorrow’ aus der ersten Langrille "Snappin’ Necks“ lief seinerzeit auf MTV rauf und runter, verhalf der Band trotz dessen leider nie zum Milliarden-Ruhm. Auf erstgenanntes Album folgten später noch die Kracher "Pigwalk“, "Rising“ und "Declaration Of A Headhunter“ als Full Length-Outputs, bevor dann kurz nach der Jahrtausendwende nach vielen Gigs und gespielten Festivals, wie z.B. dem legendären Dynamo Open Air in Holland, erst einmal die Lichter ausgingen. Neu formiert mit frischen Ideen kamen STUCK MOJO dann überraschenderweise 2008 zurück in den Markt. Mastermind Rich "The Duke“ Ward wollte es noch einmal wissen und scharte neue Member um sich, reichte dem Tausendsassa die Arbeit mit seiner in der Zwischenzeit neu gegründeten Band Fozzy um WWE-Star Chris Jericho und zahlreichen Nebenprojekten nicht mehr aus. "Southern Born Killers“ hieß das neue Machwerk, welches zuerst als freier Download im Netz erschien, bis sich doch noch eine Plattenfirma in Europa fand, die es publizieren wollte. Qualitativ zuerst wenig erwartet, toppte diese Scheibe dann alle Erwartungen aufs Äusserste. In Europa waren die Jungs aus Atlanta von jeher erfolgreicher als in den heimischen Staaten und so gab es ab 2008 noch einige Touren quer durch unsere Lande, sowie großartige Festivalauftritte, bei denen ich die Jungs höchst selbst begleitete und mir einige Male mit Frontmann Lord Nelson das Mikro teilen durfte. Nachdem dann 2009 noch das eher mässige "The Great Revival“ auf den Markt kam, widmete sich The Duke erst einmal wieder den Jungs von Fozzy. Da man bei STUCK MOJO aber nie genau weiß, ob es noch einmal ein Comeback geben wird, wurde jedes Lebenszeichen in den sozialen Netzwerken mit Begeisterung aufgenommen. Und als die Posts auf der Fanseite immer häufiger wurden und sich die Vermutungen verdichteten, es könne ein neues Monster kommen, war nur noch die Mitteilung über den Zeitpunkt entscheidend und wer sich im Line-Up befinden würde. Im letzten Jahr fand zu Weihnachten ein Reunion-Konzert in Atlanta statt, auf dem sich für Die Hard-Fans die einzig bedeutende Formation mit Ward, Bonz, Lowery und Fontsere die Bühnenbretter teilte und so schürte man die Hoffnung, es könne sich um die Besetzung für den kommenden Burner "Here Come The Infidels“ handeln. Schnell wurde dann aber deutlich, dass gerade die Probleme mit Frontsau Bonz, nach Rich Wards Aussage, nach wie vor die selben sind, die vor Jahren den Split bedeuteten. Ebenfalls nicht in der Neubesetzung am Start ist Bassist Corey Lowery. Aber warum trauern, wenn neue Dinge so viel Spannendes zu bieten haben und so wurden eben mit Robby J. am Mikro und Len Sonnier am Bass zwei neue Mitstreiter gefunden. Und gerade erstgenannter lies mir das erste Mal die Gesichtszüge entgleisen, als ich seine Stimme hörte und kurz danach das Bandfoto vor mir hatte. Dort zu sehen ein Metal „Jüngelchen“ mit langen Haaren und so gar nicht nach Rap-Monster wie Bonz und Lord Nelson (Frontmann und mein Bro ab/seit 2008) aussehend. Was aber aus dem „Bengel“ rauskommt, war nach den ersten Hörproben mehr als deutlich und so können sich sie die MOJO-Fans zumindest akustisch schonmal auf eine großartige Gesangsleistung/ Rapkunst einstellen. Los geht es auf "Here Come The Infidels“ mit dem Titeltrack als Opener und hier wird gleich deutlich, dass STUCK MOJO absolut keine Kompromisse eingehen werden. Wie zu besten Zeiten geht es mit Power und großem Mitsingfaktor zur Sache. Auch 'Rape Whistle’ wichst uns ordentlich ins Gesicht und zeigt, dass die Mannen aus Atlanta ihren unnachahmlichen Stil authentisch ins Jahr 2016 portieren konnten. Was bei uns Chuck Norris an Kultstatus genießt, ist für die MOJO 80er Jahre Prügelotto 'Charles Bronson’, gibt es hier doch ihm zu Ehren tatsächlich eine ganze Nummer gewidmet. Und ich wette, die ganz Harten kurbeln im anstehenden Sommer ihre Autoscheiben bis zum Anschlag und brüllen den Chorus „I aaam Charles Bronson“ in die Welt hinaus. Auch bei 'Business Of Hate’ kann man die Scheibe gleich unten lassen und weiter brüllen. Viel Speed, viel STUCK MOJO und noch mehr an geilem Comeback-Stuff. Der erste hörbare Song zu "Here Come The Infidels“ war 'Verbal Comat’. Dort konnte man sich den ersten Eindruck zu Robby J.’s Rapkünsten machen und das lies mir, ähnlich oben erwähnt, ein Ei aus der Hose rollen. Mit Piano und reinen Hip Hop Beats geht es bei 'Destroyer’ los, bevor ein nasal intonierter Gesangspart den Mitsingfaktor wieder herstellt. Insgesamt eine, anders als bei diesem Tracknamen erwartet, ruhige und überlegte Nummer. Mit etwas mehr aber nicht übermässig Saft, geht es mit 'Worst Person On Earth’ weiter. Nicht unerwähnt, aber bereits vom Leser vermutet, bringt sich auch Rich „The Duke“ Ward gesanglich immer wieder gewohnt gekonnt ein und führt so die Einzigartigkeit des STUCK MOJO-Sounds weiter fort. Auch 'Fire Out’ groovt wie Sau und könnte auch live eine echte Stagegranate sein. Wie mir Rich übrigens mitteilte, kann es gegen Ende Jahres zu Konzertaktivitäten in unseren Graden kommen. Wir sind feucht, erregt und gespannt zugleich. 'I Am Legion’ holt uns die 666 an den Start und auch hier werden live die Pommesgriffel gen Decke gereckt werden. Bang your head for some 'Tamborine’. Diese Nummer groovt im Midtempo um die Ecke und lässt uns dem Ende entgegen schreiten. Hier gibt es dann letztmalig mit 'Blasphemy’ auf die Fresse und wer es jetzt immer noch nicht wahrhaben will, dass STUCK MOJO back sind, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Photo courtesy of Stuck Mojo Records

Photo courtesy of Stuck Mojo Records

Es ist ein mehr als beeindruckendes Stück Langrille, welches uns ein Urgestein hier abgeliefert hat. Wer mit Crossover noch nie etwas anfangen konnte, kann dies natürlich auch jetzt nicht, wird aber auch bis zu diesem Fazit nicht mehr mitgelesen haben. Ebenfalls aufhören zu jammern sollen alle Die Hards, die meinen, dass es ohne Bonz kein STUCK MOJO gibt. Bullshit! Die abermals teils sehr patriotischen Texte der Mannen aus Atlanta lassen viel Raum für Diskussionen, bereits 2008 gab es auf "Southern Born Killers“ mit 'Open Season’ harte politische Ansichten zu hören und auch auf "Here Come The Infidels“ wird es teilweise deutlich zelebriert. Wer aber so wie ich in der Musik die pure Unterhaltung sucht, bekommt hier die absolute Full House Bedienung. Album-Vö: 01.07.2016 6-Blitz