(Atlantic / Warner)

Die Email mit der Anfrage zur Rezension von KALEO drehte sich im Redaktionsverteiler bereits im Kreis. Scheinbar konnte niemand mit dem Namen KALEO etwas anfangen oder hatte überhaupt schon einmal von diesen musizierenden Isländern gehört. Der Blick in die musikalische Kristallkugel ergibt, dass sich das bald ändern dürfte...

Dabei kann man bei KALEO noch nicht einmal mehr von einem Geheimtipp sprechen. Auch wenn "A/B" das Debütalbum der Band darstellt, in ihrer Heimat Island sind KALEO längst ein großer Name. Die Band kann Spotify-Klickzahlen im zweistelligen Millionenbereich und diverse Top 10-Platzierungen in sämtlichen Rock- und Alternative-Chartsvarianten des nordamerikanischen Kontinents vorweisen. Somit sorgt es umso mehr für Verwunderung, dass die hiesige Musikpresse, vom Musikexpress bis zur Visions, diese Band bisher erfolgreich und konsequent ignoriert hat. Dabei bietet die von KALEO gespielte Mixtur aus Folk, Blues, Country und Rock ausreichend Potential, Hörer sämtlicher Genres für diese Band zu interessieren.

Mit "A/B" veröffentlichen KALEO nun ihr zehn Track starkes Debütalbum via Warner und dürften damit ihren internationalen Durchbruch weiter anschieben. Das Album bietet eine enorme Vielfalt und einen unglaublichen Ideenreichtum. Und das das Debüt bereits erstaunlich reif klingt, dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass Jacquire King (Kings of Leon, James Bay) auf dem Produzentenstuhl Platz genommen hat.

KALEO by Alexandra Valenti

KALEO by Alexandra Valenti

Den Start ins Album markiert 'No Good', ein kleiner feiner Stampfer, der bereits in den ersten zwanzig Sekunden zwei mal das Tempo wechselt und den Freunden des Classic Rock der Marke Rival Sons oder Black Keyes ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürfte. In eine völlig andere Kerbe sticht anschließend 'Way Down We Go'. Der etwas ruhigere Track schaffte es bereits in die Tracklist des EA Konsolen-Hits FIFA 16 und überzeugt in der ersten Hälfte vor allem durch die raue und packende Stimme des Frontmanns JJ Juliusson. Spätestens mit Einsetzen des Refrains, weiß man, das hier ist ein Hit. Die Gitarre weckt Erinnerungen an Mark Knopfler und der nicht aufdringliche Backgroundchor lässt bereits den Ersthörer gut gelaunt mitsummen, bevor einen zum Ende das Klavier zur Tür hinaus begleitet. Stark!

Darf es nun etwas Blues sein? Kein Problem, auch hier verrennen sich KALEO nicht und schieben 'Broken Bones' hinterher. 'Glass House' weckt Assoziationen zu Mando Diao, bevor diese von Aliens ersetzt wurden und 'Hot Blood' kreuzt die Eingängigkeit eines AC/DC-Riffs mit der Coolness von Queens of The Stone Age. 'All The Pretty Girls' hingegen schlägt völlig andere Töne an und erinnert vom Songwriting stark an den Stil eines Justin Vernon (Bon Iver, Volcano Choir). Und wer jetzt immer noch nicht überzeugt ist, der sollte spätestens jetzt mal einen Blick auf das stimmungsvolle Video von 'All The Pretty Girls' werfen.

'Automobile' besitzt einen deutlichen Country-Einschlag und mit der traditionellen isländischen Ballade 'Vor í vaglaskógi', zollen KALEO ihrer Heimat musikalischen Tribut. 'Save Yourself' setzt den Reigen an musikalischen Höhepunkten nahtlos fort und steigert sich zum Ende in feinsten Folk/Rock zum Mitmachen. Wer es weniger aufdringlich mag, wird mit 'I Can't Go On Without You' äußerst charmant verabschiedet.

KALEO gelingt ein erstaunlich abgewixxtes Debüt. Extrem abwechslungsreich und gänzlich ohne Ausfälle. Es zahlt sich scheinbar aus, dass man sich ausgesprochen viel Zeit genommen hat, das Erstlingswerk einzuspielen. Von mir gibt es somit das volle Gewitter spendiert – sechs Blitze!

Album-VÖ: 10.06.2016

6-Blitz