(Washington Square / Rough Trade)

In lauschigen Sommernächten stellt der Mann von Welt auch sein Bier beiseite und greift dann ganz gerne mal zum Cocktail. Neben den richtigen Zutaten ist für den Cocktailmixer auch sein Rüstzeug von ganz entscheidender Bedeutung. Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist eine langjährige Erfahrung, welche auch aus angebrochenen Flaschen und Zutaten noch was Annehmbares zaubert. MY JERUSALEM liefern mit "A Little Death" nun einen wunderbaren Klangcocktail aus Post-Punk, Alternative und Rock'n'Roll. Mit Frontmann Jeff Klein verfügen sie zudem über den Mann hinterm Tresen, welcher die bereits angesprochenen und benötigten Eigenschaften eines guten Barkeepers mitbringt. Zuvor musizierte Jeff unter dem Bandnamen im Kollektiv mit verschiedenen befreundeten Musikern, mit welchen er bereits bei Projekten wie den The Gutter Twins und bei The Twilight Singers kollaborierte. Nach einigen Personalwechseln steht mit Grant Van Amburgh (Schlagzeug), Kyle Robarge (Bass) und Jon Merz (Gitarre, Keyboards, Fanfare) nun ein solides MY JERUSALEM-Line-Up bereit um die Alternative-World zu erobern.

Dass diesem Unterfangen durchaus gewisse Erfolgsaussichten anhaften, dürfte jedem klar werden, der sich mal in "A Little Death" hineinhört. Das zwölf Track starke Album klingt wie eine Homage an Genregrößen wie Nick Cave and the Bad Seeds und Echo and the Bunnymen. Und das "A Little Death" dann auch über die komplette Albumlänge keine Ausfälle zu verzeichnen hat, ist ebenso erfreulich. Da braucht es die prominente Schützenhilfe durch Jeff Kleins Freundin Elle King ('Ex's & Oh's') im Opener 'Young Leather' eigentlich gar nicht. Aber wenn man schon die Möglichkeit hat, eine qualitativ so hochwertige Stimme als Backgroundsängerin zu verpflichten, warum eigentlich nicht?

MY JERUSALEM by Steve Gullick

MY JERUSALEM by Steve Gullick

Die Vorabsingle 'Rabbit, Rabbit' ist an zweiter Stelle des Albums platziert und hört sich wirklich verdammt nach Hit an. Etwas gemächlicher kommt im Anschluss 'It's Torture' daher, ein kleiner feiner, cooler Track, welchen man sich künftig gut auf den Soundtrackcompilations von kleinen Indiefilmen vorstellen kann.'No One Gonna Give You Love' ist ein musikalisches Kleinod und 'Done And Dusted' kann einen über die Wartezeit bis zum nächsten The National-Album hinweghelfen. 'Flashes' kommt sehr reduziert daher und bleibt eigentlich nicht weiter im Gedächtnis, 'Dominoes' hingegen leitet die zweite Albumhälfte mit ordentlich Schwung ein, wobei mit 'Young And Worthless', 'Candy Lions' und 'Chrysalis' die ruhigsten Tracks des Albums eher hinten eingeordnet wurden. Zu den Lyrics auf "A Little Death" äußert sich Jeff Klein folgendermaßen: "Es geht auch um Dinge die jeden Menschen bewegen - Schicksal, Glück, Sehnsucht, die Konsequenz unseres Handelns. Und auch darum, dass wir als Menschen mehr Verantwortung übernehmen müssen."

Insgesamt gefällt mir "A Little Death" ganz wunderbar. Das Album ist teils düster, teils fröhlich. Mal schnell, mal langsam, mal leise, mal laut. Unfassbar abwechslunsgreich und qualtativ durchgehend hoch. Mein neuer musikalischer Lieblingscocktail.

6-Blitz

Album-VÖ: 24.06.2016