(Bad Kingdom Music/ Soulfood Records) CHERRIES ON A BLACKLIST existieren seit 2008 und haben in ihrem bisherigen Schaffen viel DIY-mäßig agiert, was nun schlussendlich damit belohnt worden ist, dass der Vertrieb ihres neuesten Outputs "Glorious Days" über Soulfood eine größere Reichweite generieren kann. "Glorious Days" ist das zweite Studioalbum und wurde von Produzent Viper (Caliban, Emil Bulls) perfekt in Form gegossen. Im Mittelpunkt steht aber die musikalische Umsetzung der tiefergehenden Texte, die sich laut Info mit Suizidgedanken, deren Hintergründen und der seelischen Verarbeitung ebensolcher beschäftigen. Ein düsteres und ernstes sowie immens wichtiges Thema, was schon allein deswegen Grund genug bietet, sich mit mit den aus Hamburg stammenden CHERRIES ON A BLACKLIST näher auseinander zu setzen. Dass das Album quasi live aufgenommen wurde, hört man jeder Sekunde an, da es eine einzigartige Atmosphäre atmet, die die klinische Studiotechnik komplett subtrahiert und den Hörer das Gefühl gibt mit den Musikern im Proberaum zu sein, als diese ihre fertigen Kompositionen zum ersten Mal komplett durchzocken. Hochkonzentriert und fokussiert. Sollte ich Referenzen nennen, fallen mir beim Hören der Platte alte Beatsteaks, die Frühphase von Biffy Clyro, manchmal Smoke Blow oder Schwedenrock jeglicher Couleur ein. Es sind ja meist die negativen Dinge, die einem sofort ins Auge fallen (bzw. den Hörgang verkleben) und leider im Gedächtnis haften bleiben, wenn man eine Platte reflektiert. Noch schwerer wiegen solche (subjektiv empfundenen) Ausfälle, wenn es kein offenkundiges Gegenwicht gibt, bzw. die Highlights zu rar gesät sind, als das man Interesse vortäuschen könnte. Das Ende von "Glorious Days" macht leider alles zunichte, was vorher mühevoll und mit viel Herzblut aufgebaut wurde. Bevor ich die letzten drei Tracks 'Beauty Is A Lie' (fängt als düstere Nick Cave-Pianoballade an und schafft es nicht, Dynamik aufzubauen), 'Sex & Via' (schlimmster Crossover vom Korn-Resthof) und den Rausschmeisser 'The Road' (Belanglosigkeit hat hiermit ein neues Synonym) gehört habe, wurde "Glorious Days" von mir als nicht überraschend, aber irgendwie okay eingestuft. Aufgrund des verbockten Endes, musste ich das Album nochmals bewerten und komme zu dem Schluss, dass es auch einige gelungene Tracks ('Barrel Of A Gun', 'Storm' und 'People' mit Namen) nicht herumreissen können.
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Photo courtesy of Oktober Promotion

Die Jungs sind Vollblutmusiker und wollen viele Ideen in ihre Songs unterbringen, was mitunter aber zu überfrachtet und gewollt klingt. Es stellt sich kein Flow ein, um das Album auf sich wirken zu lassen, da bisweilen der Wiedererkennungswert mit durchschnittlichen Phasen torpediert wird. Schade, weil ich den Eindruck gewonnen habe, dass Musik im Leben von CHERRIES ON A BLACKLIST eine größere Rolle spielt und sowas wie ein Rettungsanker zu sein scheint. Aber nur weil ich zur Musik keinen Zugang finde und die Platte nicht allzu gut bewerten werde, ist das Leben ja nicht gleich vorbei. 🙂 Album-VÖ: 29.07.2016 2-Blitz