(Epitaph Europe/ Indigo) Wenn eine lebende Legende (in diesem Fall: aktive Legenden!) neues Material ankündigt, mischen sich derbe Vorfreude und der leise Stachel eines Zweifels. Als sich herausstellte, dass es wirklich darauf hinausläuft, dass sich die DESCENDENTS im Studio eingeschlossen haben, waren die Zweifel allerdings von vornherein wie weggewischt, denn....haben die kalifornischen PunkRock-Helden jemals ein schlechtes Album herausgebracht? Und selbst wenn man kein Fanboy ist (und dieser Tage scheint jeder Genreliebhaber einer zu sein) muss man konstatieren, das bisher sämtliche DESCENDENTS-Releases Spaß gemacht haben. Nach "Cool To Be You" folgt nun also nach 12 Jahren Entbehrung der aktuelle Streich "Hypercaffium Spazzinate". 16 Tracks im typischen DESCENDENTS-Modus runtergeschrubbt. Hier könnte im Prinzip meine Auseinandersetzung (=Rezension) mit dem vorliegenden Werk enden, denn wer das bisherige Schaffen der Band kennt (selbst rudimentär reicht), weiß, was man erwarten kann. Die einzige Überraschung ist, dass es immer noch verdammt frisch und teilweise enthusiastisch klingt, was die Herren Alvarez, Egerton, Stevenson und Aukerman da abliefern. 'Feel This' startet furios aggressiv und hat nach wenigen Takten die Herzen im Sturm erobert - aufgrund der langen Wartezeit von neuen DESCENDENTS-Großtaten, ist die Endorphinausschüttung quasi am Siedepunkt, obwohl der Opener mit 1:15 Minuten schnell vorbeigeht. Aber keine Atempause, der nächste Ohrgasmus ( 🙂 ) lässt nicht lange auf sich warten. Das schon ausgekoppelte 'Victim Of Me' zeigt die DESCENDENTS in Bestform und macht einem klar, was einem als PunkRock-Fan, der auch Melodien nicht abgeneigt ist, über die vergangene Dekade gefehlt hat. Die typischen Kurz-Smasher mit minimalem HardCore-Hauch ('No Fat Burger', 'We Got Defeat') fehlen genauso wenig wie Beispiele für die Definition von hymnenhafter Catchyness ('Without Love', 'Spineless And Scarlet Red' oder 'Smile'). Dazu die lesenswerten Texte, verbunden mit teils obskuren Humor - fertig ist das PunkRock-Album 2016 (zumindest bisher). Was bei den ersten Hördurchläufen auffällt: Die Stimme von Frontmann Milo hat sich entwickelt. Natürlich ist er eindeutig indentifizierbar, aber es klingt in meinen Ohren etwas rauher und erwachsener (falls das mit Mitte 50 überhaupt geht). Das tut meiner Begeisterung aber keinen Abbruch, eher im Gegenteil - es ist spannend zu beobachten, wie es selbst nach knapp 40 Jahren (!!) Bandgeschichte immer noch gelingt, Nuancen zu verändern, um das "Produkt" spannend zu halten.
Descendents_Photo_by_Kevin_Scanlon

Photo by Kevin Scanlon

Das Fazit fasse ich mal folgendermaßen zusammen: DESCENDENTS waren DESCENDENTS sind DESCENDENTS bleiben DESCENDENTS! Album-VÖ: 29.07.2016 6-Blitz