(Victory Records) Hätte ich nicht erst im Laufe des letzten Jahres das Debüt der Jungs von ISLANDER in die Finger bekommen, sie wären wohl im Erscheinungsjahr 2014 wie eine Bombe in meine Top 20 eingeschlagen. Der frisch wirkende Mix aus Rage Against The Machine und den Deftones hinterließ bei mir mächtig Eindruck und so schmiss ich "Violence & Destruction" zwischen meinen 2015er Highlights immer mal wieder in den Player. Die Jungs von ISLANDER stammen aus Greenville, South Carolina und formierten sich im Jahre 2011. Zu ihren großen Fans zählen unter anderem Sonny Sandoval von P.O.D. und auch H.R. von den Bad Brains. Erstgenannter durfte sich bereits auf dem Debüt, Zweitgenannter sogar auf der 2013 erschienenen EP "Pains", sowie dem neusten Output "Power Under Control" verewigen. Die erste EP "Effects Of Youth" wurde 2012 veröffentlicht, ist aber nur als Import verfügbar. Auch in der Besetzung hat sich das Karussell fleissig gedreht, so sitzt nun Ex-Avenged Sevenfold und damaliger Mike Portnoy-Nachfolger Arin Ilejay fest hinter den Fellen. Dazu gesellen sich noch mit Zeke Vasquez (Ex-Forever At Last) am Bass, sowie Jungspund, Ziehkind von Korns Brian "Head" Welsh und voriger Love And Death-Gitarrist JR Bareis. Einzige Konstante bisher an den Vocals ist Mikey Carvajal. Nun aber genug der Key Facts und Anekdoten, springen wir auf den entscheidenden Zug des Musizierens auf und widmen uns ganz dem Vergnügen rund um "Power Under Control". Es wabert, es pumpt und sofort ist man beim Opener 'Darkness' gewillt sich dem Groove voll und ganz hinzugeben. Stilvoller Nu Metal modern und in Reinkultur zelebriert. 'Bad Guy' hingegen startet zart und melodisch, um im Verlauf förmlich emotional zu explodieren, ohne allerdings im Soundchaos zu versinken. Wohlbedachte Strukturen im Arrangement werden hier groß geschrieben und doppelt unterstrichen. Wer es schnell, rough und punkig mag, wird an 'Green Slime Man' seine helle Freude haben, eine kurze Songdauer inklusive. Nachdenklicher und seichter kommt im Anschluss die Nummer 'Better Day' daher, welche sich stark sozialkritisch engagiert zeigt. Ganz starke Nummer. Back to the Nu Metal Roots heißt es bei 'All We Need', denn hier werden erneut alle wichtigen Parameter in Sachen Groove, Hooks und Beats zelebriert, inklusive eines kreativen „Radio Zappings“ gegen Ende. Hoch die Tassen und Partylaune ausloben beim folgenden 'Devil Red'. Dieses Geschoss wird mit ziemlicher Sicherheit zur Livegranate und würde auch in jeder Karaoke-Bar eine gute Figur machen, denn hier könnte man sich gesanglich in jeder Facette richtig fordern. Einen kurzen Abspritzer gibt es beim Quickie 'A Boat Going By', denn bevor das besagte Boot angelegt hat, ist die rein instrumentale Hose auch schon wieder oben (eventuell muss man dieses ganz eigene Zitat zum Verständnis auch zweimal lesen). Eine amtliche Spielzeit von etwas mehr als fünf Minuten bekommen wir dann wieder bei 'Beelzebub'. Eine sehr zarte Schmusenummer in der man aber jederzeit befürchten muss, dass sich Frontsau Mikey Carvajal jeden moment den Drillbit durchs Ohr schieben könnte, neigt er doch hin und wieder zu Überreaktionen, die dann im Verlauf auch nicht auf sich warten lassen. 'Think It Over' ist dann der eingangs erwähnte Auftritt von Bad Brains Vorzeigeschwiegersohn H.R.. Viel zu tun hat er nicht, aber er steht halt im Titel dieser Raise Your Fistigen-Nummer. Will man am Ende einer Nu Metal-Scheibe nochmal schmusen? Nur bedingt, denn Härtepausen gab es nun mittlerweile schon einige. Glücklicherweise haut uns dann 'Casket' wieder aus dem Wachkoma, sodass die Sohlen unserer Sambaschuhe Marke Adidas noch einmal voll strapaziert werden dürfen. Wer jetzt meint gehen zu können, der wird passend mit 'Wait For It' zurück gepfiffen, denn hinter dem Schlussakkord versteckt sich abermals eine sehr emotionale und hochgradig verspielte Nummer. Und dann ist nach 12 Songs auch schon Ende im Gelände.
Photo courtesy of Victory Records

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Im Laufe der Spielzeit von "Power Under Control" hat man sich in Sachen Härte deutlich reduziert. Eine gewisse Anzahl radiofreundlicher Nummern sollten bei dieser Stilrichtung zwar vorhanden sein und sind auch, wenn gut gemacht, eine vielseitige Bereicherung, allerdings haben ISLANDER höchst selbst mit ihrem vor zwei Jahren erschienenen Debüt "Violence & Destruction" gezeigt, wie das Verhältnis hart und zart besser ausbalanciert werden kann. Aus handwerklicher Sicht trotzdem eine sehr gute Scheibe. Album-VÖ: 05.08.2016 4.5-Blitz