(Redfield Records)

Neues aus dem Ruhrgebiet: die Gelsenkirchener Jungs von ANY GIVEN DAY veröffentlichen nach unzähligen Konzerten und Festival-Auftritten seit der Erscheinung ihres Debütalbums vor knapp zwei Jahren nun ihr zweites Studio-Album "Everlasting".

Der Opener 'My Doom' beginnt mit einem über einminütigen instrumentalen ruhigen Intro. Da wartet man quasi schon auf den „richtigen Anfang“ und der kann sich mal richtig hören lassen: Mit voller Stimmgewalt kracht Frontman Dennis in den Song und auch die Gitarren lassen experimentierfreudig hören, dass sie richtig Bock haben. Der Verlauf ist im für ANY GIVEN DAY typischen Stil gehalten: Kraftvolle Strophen und melodischer Refrain. Das Sahnehäubchen gibt es in Form eines Gitarrensolos vor dem finalen Refrain. Der Song endet überraschend ziemlich abrupt, trägt somit aber zu dem gewissen Etwas bei.

'Endurance' wurde als erste Single vorab veröffentlicht und dürfte daher schon Vielen bekannt sein. Der Anfang erinnert mich ein wenig an Rammstein, die Strophen sind sehr kraftvoll und rasant. Der Refrain hingegen ist sehr melodisch, wodurch etwas Tempo rausgenommen und der Text somit noch eingängiger wird und dem Song eine Art Hymnencharakter verleiht. Auch die Bridge ist trotz gedämpfter Stimme sehr melodisch und hat dennoch einen super Flow.

Auch 'Levels' wurde bereits vorab als dritter Song anhand eines Lyric-Videos veröffentlicht. Der Song beginnt mit einem kraftvollen instrumentalen Part, die Strophen sind diesmal aber sehr gediegen. Dafür ist der Refrain hier der wesentlich aggressivere Part. Besonders gefällt mir der zweistimmige Gesang des Pre-Chorus und das abrupte Ende.

'Coward King' startet ebenfalls ziemlich aggressiv, wird dann im Pre-Chorus melodischer und Dennis‘ Stimme hört sich vor allem im Refrain ziemlich sanft an, wodurch der Kontrast zu den Strophen hier besonders deutlich wird. Das gefällt mir richtig gut und auch die Gitarren überzeugen mich durchweg mit ihren Riffs, die bei mir vor allem im Refrain aufgrund des Tempos für Begeisterung sorgen.

Der nachfolgende Track 'Mask of Lies' weist vor allem im ersten Teil einige Parallelen zum vorherigen Song auf. Dennoch gibt es wesentliche Unterschiede: der Refrain ist beispielsweise kürzer und dadurch der anschließende Gitarrenpart länger. Auch sticht das Schlagzeug mit seinen Parts wesentlich stärker hervor und hat hier die Rolle der rasanten und energiegeladenen Gitarrenriffs eingenommen. Gegen Ende wird es mit gedämpfter Stimme von Dennis und einer zweistimmigen Passage wieder etwas experimentierfreudiger. Insgesamt ist in der zweiten Songhälfte deutlich mehr Gesang zu hören, wodurch sie sich für mich auch erheblich von 'Coward King' abhebt und mir somit besser gefällt.

'Sinner’s Kingdom' weist stimmlich nicht viel Neues auf. Allerdings hat der zweistimmige Einstieg aus Sprech- und melodischem Gesang definitiv etwas Besonderes. Dieser Song ist aber vor allem musikalisch ziemlich fett und trifft bei mir genau ins Schwarze: Ein perfekter Mix aus Gitarrenriffs, fetzigen Drum-Beats und Breakdowns, wodurch der fehlende stimmliche Kick definitiv ausgeglichen wird. Bisher mein Lieblingssong auf dem Album.

Bei 'Hold Back the Time' gibt es ein mega cooles Gitarren-Riff in der ersten Songhälfte, was für mich einen gewissen ANY GIVEN DAY-Wiedererkennungswert hat, da ein ähnliches Riff auch schon durch 'Arise' bekannt ist, der direkt ins Ohr ging. Die Bridge ist recht schlagzeuglastig aber dennoch auf die melodische Stimme von Dennis ausgelegt. Der Song endet mit einem Gitarrensolo, was definitiv mal was Neues ist und sich auch auf jeden Fall hören lassen kann. Gefällt.

'Masquerade' weist für mich einen gewissen Gothic-Charakter auf, da „Gruftklänge“ zum Einsatz kommen, die mich an die Bowser’s Castle-Strecke bei Mario Kart erinnern... Für meinen Geschmack kommt das Ganze leider etwas zu häufig zum Einsatz, da es mir bei der eingängigen Tonlage sehr schwer fällt, die Konzentration auf etwas anderes aufrecht zu erhalten. Dafür gefällt mir wiederum der Anfang der zweiten Strophe mit seinem Schlachtruf-artigen Gesang total gut. Kraftvoll in diesem Song sind besonders der Anfang und die Bridge. Alles in allem sagt mir dieser Titel aber am wenigsten zu.

Bei 'Ignite the Light' gefällt mir der flotte Übergang zwischen Refrain und Strophe sowie der Gitarrenpart – vor allem ab der zweiten Strophe. Als kurze Verschnaufpause kann der ruhigere Pre-Chorus genutzt werden. Instrumentell ist dieser Song wieder experimenteller, so beginnt beispielsweise die Bridge zunächst mit geflüsterter Stimme und baut sich dann auf, bis der Song wieder zu einem abrupten Ende kommt. Hauptaugenmerk liegt hierbei, denke ich, aber auch auf dem ermutigenden Text.

Photo by Mirko Witzki

Photo by Mirko Witzki

Der Titel 'Farewell' lässt schon vermuten, dass es etwas gediegener zugeht, weshalb mich der Anfang und die wesentlich ruhigeren instrumentellen Parts eher weniger überraschen. Für Konzerte ist der Song wohl eher kein Kandidat, da ANY GIVEN DAY auf der Bühne 110% geben und nur wenig Zeit zum Durchatmen bleibt. Aber so zum Hören ist es eine ziemlich nette Abwechslung, bei der der Fokus ganz klar auf dem Text liegt. Aber auch ein kurzes Bass-Solo gibt es auf die Ohren, was als gelungene Abwechslung ebenfalls sehr willkommen ist. Auch die Gitarre harmoniert super und der Gesang reiht sich 1a in die instrumentelle Gestaltung ein. Gegen Ende wird es dann nochmal etwas flotter. Damit ist dieser Song gesamtheitlich betrachtet wohl am facettenreichsten auf dem Album und stellt dadurch ein Highlight dar. Mein heimlicher Schlusssong des Albums geworden, um das Ganze mit einem ruhigen Ende ausklingen zu lassen. Aber offiziell folgen noch zwei weitere Kracher.

'Arise' ist die zweite Single-Veröffentlichung und der einzige featured Track auf dem Album. Dafür wurde aber niemand geringerer als Matthew K. Heafy von Trivium herangezogen. Das Gitarrenriff ist mega, da es total ins Ohr geht und auch die Strophe erhält durch ihre „Mini-Breakdowns“ einen ziemlich coolen Flow. Leider finde ich Matthew's Part für ein Feature recht überschaubar. Da hätte es für meinen Geschmack ruhig etwas Knackigeres sein können, statt der zwei sich wiederholenden Textzeilen und der Unterstützung beim Refrain. Alles in allem ist der Song aber sehr kraftvoll und entspricht nicht dem Standard-Songschema. Auch hier finde ich das abrupte Ende wieder ziemlich cool, weil es so überraschend kommt. Definitiv einer meiner Favoriten vom Album.

Den Schlusssong 'The Bitter Man' finde ich für einen Song am Albumende sehr kraftvoll – das kennt man sonst ja eher nur von Konzerten, wo man oft den Eindruck bekommt, dass das Motto lautet: „Das Beste kommt zum Schluss“. Zwar gibt es auch einige ruhigere Stellen, wie beispielsweise direkt zu Beginn, aber die übrigen Parts krachen dann dafür umso mehr und stellen nochmal unter Beweis, dass jede Menge Energie in der Musik des Gelsenkirchener Quintetts steckt.

"Everlasting" bekommt von mir 5,5 Blitze, weil ANY GIVEN DAY mit diesem zweiten Album definitiv beweisen, dass sie keine Eintagsfliege sind, sondern ihren hart erarbeiteten Platz mehr als verdient haben und sie somit für mich momentan die beste deutsche Band der härteren Gangart sind.

Album-VÖ: 26.08.2016

5.5-Blitz


Pünktlich zur Album-VÖ gibt es auch noch folgende Release-Shows, bei denen ihr euch auch live von den neuen ANY GIVEN DAY Songs überzeugen lassen könnt:

27.08. Berlin, Privatclub
28.08. Essen, Turock
02.09. München, Backstage Club
04.09. Frankfurt am Main, Nachtleben