(Out Of Line Music) Ich muss zugeben, so richtig intensiv hatte ich mich vorher nicht mit UNZUCHT beschäftigt. Dabei hätte ich das als Hannoveraner vielleicht lieber getan haben? Kurzerhand also mal schnell in die Alben reingehört. Das Debütwerk "Todsünde 8" war mir zu typisch für Musik der schwarzen Szene. Böse Texte und viel Elektronik und damit nicht so ganz mein Fall. Doch bereits mit dem Nachfolger "Rosenkreuzer" schien die Band rockiger zu werden, aber trotzdem konnten mich auch dieses Album und der dritte Output namens "Venus Luzifer" nicht vollkommen überzeugen. Nichtsdestotrotz habe ich mich dann überreden lassen, mich für eine Kritik dem neusten Album namens "Neuntöter" anzunehmen. Und meine Fresse, zum Glück habe ich das getan! 'Der Dunkle See' erklingt sofort sehr melodisch und mit einer gewissen Härte. Die Klavierklänge sorgen für eine sehr schöne Melodie und die Stimme von Der Schulz passt sehr gut ins Gesamtbild. Insgesamt entseht so ein tolles Stück typischer Dark Rock Musik. Bereits mit 'Der Widerstand' kam ich ins Staunen, von der Härte wechseln wir hier ja quasi schon in den Metal-Bereich. Textlich bleibt man natürlich seinen Wurzeln treu und so entsteht fast ein neues Genre für sich. Und es geht kein Stückchen schlechter weiter, denn 'Lava' ist für mich der Ohrwurm schlechthin auf "Neuntöter". Die Mischung aus harten Riffs, Elektronik-Einsatz und Textgut der schwarzen Szene gipfeln in einer Melodie, die ins Ohr geht und sich dort erstmal unaufhaltsam festsetzen wird. Was für ein geiler Song! Da ist man noch voller Euphorie und da startet auf einmal 'Kettenhund' wie ein bretthartes Metal-Knüppel-Inferno. Mir ist jetzt klar, warum dieser Song bereits im März vorabveröffentlicht wurde und zwar weil er Ärsche tritt und das nicht zu knapp. Bei 'Hinter Glas' kann man dann mal wieder runter kommen, ist es doch ein eher ruhiges Lied. Dadurch kann man sich mal wieder sehr gut auf die Stimme von Der Schulz konzentrieren und sich unweigerlich in die von der Band konstruierte Klangwelt ziehen lassen. Ich weiß ja gar nicht, wie die Jungs das geschafft haben, aber hier folgt wirklich Hit auf Hit und so einer ist auch 'Ein Wort fliegt wie ein Stein'. Druckvoll und mit einer Melodie, die man nicht mehr so schnell vergisst, ist es vor allem der Text, der einen aufhorchen lässt. Auch diesen Track musste ich dann erstmal auf Repeat stellen und an die 10 mal hintereinander hören, bevor ich weiterhören konnte. 'Judas' fügt sich wirklich hervorragend in das Album ein und ist eine wunderbare Mischung aus einer schönen Melodie, gepaart mit deftiger Härte. Ein wahres Monster von Lied ist dann das Titelstück 'Neuntöter', welches einen erst in Grund und Boden knüppelt und sich dann hinten raus fast in sowas wie eine gefühlvolle Ballade verwandelt. Ich kann es nicht oft genug erwähnen, wie die Jungs hart und zart verbinden. Das sucht hier wirklich seinesgleichen. Mit 'Schlaf' verhält es sich genau umgekehrt. Zu Anfang ist alles schön ruhig und am Ende kommen doch noch ein paar harte Riffs und Beats dazu. Insgesamt aber tatsächlich das erste Lied, welches mich nicht so ganz erreicht hat. Macht aber nix, denn bei 'Piotrek' bin ich wieder voll dabei und auch das Outro 'Splitter' weiß zu gefallen. Als fieses, düsteres Konstrukt entlässt es einen atemlos wieder in die normale Welt.
Unzucht Neuntöter by Antonio Garamendia

Photo by Antonio Garamendia

Außer man hat sich natürlich die Deluxe Version gekauft, dann gibt es nämlich noch 'ne Wagenladung voll an Musik dazu. 'Parasomnia' ist dabei sehr gefällig, kann aber nicht ganz den außerordentlich hohen Standard des Albums halten. 'Tränenmeer' ist dann wirklich eine reinrassige Ballade, für die Leute, welche sie auf dem regulären Teil des "Neuntöters" vermisst haben. Das 'Lächeln der Gewinner' ist wirklich eine sehr interessante Angelegenheit. Ich glaube hier nämlich ein einfach leicht umgeschriebenes 'Lava' zu erkennen. Vielleicht gefiel den Jungs die Melodie ja so gut, dass man gleich zwei Stücke daraus gemacht hat. Auf jeden Fall würde ich den Fall gerne aufgeklärt haben, also wer das liest und die Antwort kennt (eventuell aus dem Booklet), darf sie hier gerne unter den Artikel in die Kommentare packen. Außergewöhnlich ist auch die Bonus-Version von 'Der Widerstand' bei der Dave Grunewald, seines Zeichens Shouter bei der deutschen Metalcore-Band Annisokay, dem Song in Sachen Härte in noch tiefere Gefilde vordringen lässt. Chris Harms von Lord of the Lost darf dann auch nochmal in einer Extra-Version von 'Ein Wort fliegt wie ein Stein' sein Können mit einbringen. Der Remix von 'Ein Tag wie jeder andere' von Robert Andrew Bowman ist dann sicherlich Geschmackssache und meinen trifft er leider nicht. Wer eine der auf 999 Stück limitierten Boxen erworben hat, kriegt sogar noch eine Bonus-CD mit Live Material, aber das liegt mir hier leider nicht vor. Wow was für ein geiles Album die UNZUCHT uns doch diesmal geliefert hat. Wer sowieso Fan der Band war, braucht das Teil ohnehin, da es in meinen Augen ihr bestes Album bisher ist. Aber auch Leute, die vielleicht eher im Metalgefilde zu Hause sind und denen die bisherigen Outputa bisher nicht so zugesagt haben, sollten die CD in jedem Fall Probe hören. Denn der "Neuntöter" wartet mit nie dagewesener Härte auf und lässt dabei das Markenzeichen der Band in Form von emotionalen Texten und packenden Melodien nie außer Sicht kommen. Und damit haben wir hier eins der stärksten Werke deutschsprachiger Rockmusik der letzten Jahre vor uns liegen. In meinen Augen ein Meisterwerk und ich würde mich echt wundern, wenn sich die Platte am Ende des Jahres nicht in meinen Top 5 wiederfinden wird. Anspieltipps: 'Lava', 'Ein Wort fliegt wie ein Stein', 'Neuntöter' Album-VÖ: 02.09.2016 6-Blitz