Die Überraschung des Abends: Aydo Abay trug kein „FCK NZS“-T-Shirt, sondern ein Shirt des Supports HEROSHIMAS. Im Glutofen Lux spielten beide Bands, an einem der heißesten Septembertage seit Beginn der Wetteraufzeichnung, eine energiegeladene Show.

Als Berufsmusiker hat man eigentlich nur drei Feinde, gegen die man anspielen muss: Fußball, der Tatort am Sonntagabend und schönstes Sommerwetter, wenn man zeitgleich im dunklen Club aufspielt. Beim Gig von ABAY im Hannoveraner Lux kamen mit bestem Sommerwetter und Fußball Champions League dann auch gleich zwei Konkurrenz-Alternativen zusammen. Glücklicherweise haben sich an diesem Abend doch noch einige Menschen ihrer Liebe zur Musik erinnert und wurden dafür mit einer feinen Rockshow belohnt.

Der Supportslot an diesem Abend war jedoch ein recht undankbares Unterfangen. Tropische Verhältnisse vor und im Club sorgten dafür, dass HEROSHIMAS seine Songs vor einem fast leeren Saal zum besten geben durfte. Mit E-Gitarre und Loop Maschine spielte der mutmaßliche Franzose HEROSHIMAS seinen düsteren Avantgarde-Rock. Frisur und Liedschatten inspired by Robert Smith, wobei The Cure im Vergleich zu HEROSHIMAS Melancholie dann fast schon wie eine Karnevalskapelle wirken. Viele Besucher entschieden sich dann doch eher für das Feierabend Bier in der Abendsonne vorm Club, anstelle der Tristesse.

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Als die ersten Töne von ABAY erklangen, bahnte sich die Trinkerkarawane den Weg zurück vor die Bühne, blieb jedoch zunächst vornehm auf Abstand. ABAY begannen ihr Set mit 'The Queen Is Dead' ein, welches mit seiner Pianomelodie wunderbar einleitet, um dann nach einer Minute ordentliche Arschtritte zu verteilen. Aydo Abay besticht dabei immer noch mit einer eindrucksvollen und klaren Stimme, so dass man jedes gesungene Wort versteht. Selbst wenn man die Lieder allesamt noch nicht so drauf hat. Bereits jetzt ein kleiner Hit und an vierter Stelle platziert kommt der Fernsehgarten-Kracher '1997', welcher auch das Publikum im Lux weiter anheizt; eigentlich gar nicht nötig bei diesen Temperaturen, welche auch Sänger Aydo zu schaffen machen: „Kann man die Spots für die Bühne eigentlich ausschalten?“. Obwohl die eigentlich kleine Bitte ungehört bleibt, gibt Aydo bei jedem Song vollen Einsatz. Insgesamt wirkt die Band ABAY sehr gut aufeinander abgestimmt und haut die Tracks in schneller Folge und immer auf den Punkt, dem Publikum um die Ohren.

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Man sieht der Truppe reichlich Bühnenerfahrung aus anderen Musikprojekten förmlich an und merkt zudem, dass das einfach ein paar geile Zocker sind, die Bock auf die neuen Songs haben. Man ist sich dann auch nicht zu stolz, mit 'Same Sane' einen Blackmail-Klassiker ins Set zu packen, was zu vielen freudigen Reaktionen im Publikum führt. Dieser Erregungszustand wird dann sogar nochmals getoppt, als der Zugabenteil mit einem Scooter-Hitmedley eingeleitet wird. Nach einer Stunde Spielzeit ist dann leider bereits Schluss. Aydo Abay verabschiedet sich schnapstrinkend Richtung Merch, während die Band noch ein kleines Soundinferno zum Besten gibt. Es bleibt zu hoffen, dass die Band ABAY nicht nur eine Momentaufnahme bleibt.

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Fotos by Mark Haake