(Universal Music) Vor knapp einem Jahr schlug das Debüt "Are You Satisfied" des Londoner Duos (!) SLAVES wie eine Splitterbombe ein und planierte das weite Feld des Indierocks mit einem Schlag. Die Entwicklung des Genres in eine angepasste, verweichlichte und an einer dem Mainstream orientierten Form, wurde mit diesem Album, mit einem guten Schuß Ironie, kontakariert. Hier trafen dissonante Töne auf Geschrei und schufen trotzdem Melodien, die einige veritable Hits abwarfen und den Dancefloor zum Glühen brachten. Nun also das zweite Album (hört auf den Namen "Take Control"). Und da das erste Werk auch über die Landesgrenzen von England Eindruck geschindet hat, wurde der aktuelle Nachfolger von einer wahren Stilikone und lebenden Legende produziert - niemand Geringeres als Mike D (Beastie Boys) nahm hinter den Reglern Platz, um den SLAVES eine energiegeladene Grundlage zu schaffen, ohne den DIY-Charakter zu zerstören. "Take Control" ist authentisch und atmet einen Spirit, der gut in den englischen Punkrock der späten 70er/ Anfang 80er passen würde. Und so schliesst sich der Kreis - denn die Elemente OldSchool-PunkRock, Indierock und die "Do It Yourself"-Attitüde einer Garagenrock-Band, verschmelzen zu einem Vulkan aus 16 Tracks (inkl. zwei Skit-Spielereien), die einen entweder umblasen oder völlig kalt lassen. Wer allerdings SLAVES keine Chance gibt, wird auch an oben genannten Genre-Schubladen kaum Interesse haben. Ob nun der Einsteiger 'Spit It Out', der nachfolgende Track 'Hypnotised', 'Rich Man' oder der Abschlußsong 'Same Again' - Im Grunde klingen SLAVES wie ein Bastard - als ob man Frank Carter & The Rattlesnakes mit Art Brut gekreuzt hätte. Der Titeltrack und 'Fuck The Hi-Hat' erinnern an die Anarcho-HardCorePunks von Cerebral Ballzy - es werden einfach keine Kompromisse gemacht, das Wort Anbiederung ist den SLAVES bisher fremd und gerade diese "Fuck You"-Einstellung macht das Album bis hierhin extrem frisch und spannend. Ab dem Track Nummer 10 ('Gary'), der wiederum nur als Skit fungiert, dreht sich die Stimmung innerhalb des Albums. Die Songs haben mehr Tiefe und Atmosphäre - leider wird dadurch aber auch diese absolut faszinierende Dringlichkeit ausgebremst, die SLAVES in der ersten Hälfte von "Take Control" überragend dargeboten haben. Das Ganze macht leider nur noch bedingt Spass (bis auf den o.g. Rausschmeisser), da auf einer gänzlich anderen Ebene operiert wird - man könnte denken, dass eine alternative Version der SLAVES den Punk komplett ausschliessen will, um den Kritikern des anspruchsvollen Feuilleton zu gefallen. 'Steer Clear' z.B. ist nichts weiter als eine lahme The Wombats-Kopie, 'People That You Meet' hängt sich an den Erfolg von Royal Blood dran und was mir die inspirationslosen Songs 'Cold Hard Floor', 'STD's PHD's' und 'Angelica' mitteilen wollen, bleibt mir verborgen, da meine Enttäuschung ob der geballten Belanglosigkeit, die Auseinandersetzung mit den Kompositionen verweigert.
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Slaves photo courtesy of oktober promotion

Dass "Take Control" ab der Hälfte so einen abrupten U-Turn vollzieht, vermiest mir etwas die Laune und schlägt sich in der Bewertung nieder. 1.Halbzeit volle Punktzahl, 2.Halbzeit bekommt zwei Blitze, die Verlängerung dank dem Song 'Same Again' rettet SLAVES über die 4-Blitze Ziellinie. Album-VÖ:30.09.2016 4-Blitz