(Redfield Records) Wer kann sich noch an die Anfänge von Sleeping With Sirens erinnern? Meine Güte, ich rede davon, als wäre es vor 25 Jahren gewesen, dabei sind gerade einmal gute sechs Jahre vergangen. Wer sich über den vollzogenen Stilwechsel hinwegtrösten möchte, der hat neben Rise Records-Band Alive Like Me nun eine weitere Alternative: BREATHE ATLANTIS. Feiner Post-Hardcore, geradlinige Alternative-Rock-Rhythmen, gepaart mit wenigen Breakdowns hier und da, Dual-Vocals, Melancholie, R&B- und elektronische Elemente. Facettenreichtum wird auf "Futurestories" groß geschrieben. Hat man sich mit all dem nicht eventuell zu viel zugemutet? Auf jeden Fall wird einem beim Durchlauf der gesamten Platte nicht langweilig. Musikalisch stechen neben nicht überkomplexen, aber abwechslungsreichen Rhythmen auch die Leadgitarrenmelodien heraus. Klar kommt es hier und da zu Überlappungen, der komplette Spin ist jedoch sehr erfrischend. Dabei erinnern die Shouts an die im Erdboden versunkene und aus Legenden übermittelte Produktion von Chango Studios und klingen wie auf "They Said a Storm Was Coming" von Jamie’s Elsewhere oder eben "With Eyes to Hear and Ears to See" von Sleeping With Sirens. So weit ist es mit mir schon gekommen, dass das bei mir Nostalgie auslöst, schlimm! Das mag sicher auch an der etwas girlyhaften Stimme des einen Sängers liegen, ist aber auf keinen Fall abwertend gemeint, sondern eher als Markenzeichen zu verstehen. Musikalisch stechen des Weiteren besonders die R&B-Momente und die elektronischen Einlagen heraus. Leider jedoch nicht im positiven Sinne. Die Elektro-Beats können sich in Ihrer Umsetzung leider nicht in das Gesamtkonstrukt integrieren und fühlen sich deplatziert an. Es wird deutlich, dass BREATHE ATLANTIS teilweise noch nicht wissen, wohin der Weg gehen soll.
photo courtesy of Redfield Records

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Lyrisch ist das Ganze jedoch sehr stringent. Neben dem typischen Liebesgesäusel (‚Baby, I would catch a flame for you‘ ('Goddess of My Kingdom')) wird auch auf Missstände in der Welt aufmerksam gemacht (‚Let’s take a ride in this world that knows every feeling except true love‘ ('Goddess of My Kingdom'; geile Bridge übrigens!)) und dass man die richtigen Werte an seine Nachfahren weitergeben sollte (‚Please don’t believe in the wrong, kid!‘ ('Father and Son')). Was hier richtig oder falsch ist, wird als Interpretationsspielraum dem Hörer überlassen und soll zum Nachdenken anregen. Fehlende Liebe auf der Welt scheint aber definitiv das größte Manko zu sein. Dass 'Father and Son' dann auch der stärkste Song ist, ist nur konsequent! Im Endeffekt ist es schwer zu sagen, was ich mir persönlich für die Zukunft von BREATHE ATLANTIS wünschen würde. Auf jeden Fall eins: bitte, bitte verschenkt euer Potential nicht! Vielleicht täte es ihnen gut, dann doch noch etwas mehr aus dem bekannten Spektrum zu entfliehen, sich vielleicht auch auf den cleanen Gesang zu beschränken, den Elektrokram zu verbannen und geradlinigen Alternativ Rock mit Post-Hardcore-Elementen zu spielen. Vielleicht würde dabei auch ein erfahrener Produzent helfen, ein reiferes Werk auf die Beine zu stellen. Ich weiß es nicht; future stories sozusagen… Album-VÖ: 09.09.2016   4-Blitz