Die aufstrebende Indieband KYTES feierte den Startschuß ihrer Headliner-Tour im Hannoveraner Lux. Gestromt war für Euch vor Ort und hat den Tourauftakt in Wort und Bild festgehalten.

Wer sind diese KYTES überhaupt, wird sich der geneigte Gestromt-Leser nun fragen. Und wenn er sich durch die Bildergalerie klickt, wird ihm als Erstes auffallen, dass der Bassist ja ein Anthrax-Shirt trägt. Aber vorsicht, Etiketten-Schwindel! KYTES haben nix mit Trash-Metal am Hut, wissen aber dennoch ganz genau, wie man amtlich eine Live-Bühne rockt. Dabei gelingt es ihnen mit ihrem popgetränkten Indie-Rock auch im Metal, Hip-Hop oder Elektroteich Fische ans Land zu ziehen. Jungs und Mädels, hier habt ihr die Band für einen gemeinsamen Konzertbesuch.

Bevor KYTES jedoch loslegen, steht mit TOM JAMES ein hochinteressanter junger Mann der Singer/Songwriter-Szene auf der Bühne. JAMES gibt einen knapp dreißig Minuten langen Einblick in sein musikalisches Schaffen, welches sich bisher in zwei EP-Veröffentlichungen niedergeschlagen hat. Normalerweise tourt der junge Engländer gemeinsam mit seinem Schlagzeuger Brinley Hall, welcher an diesem Abend allerdings nicht den Weg nach Niedersachsen gefunden hat und durch die Möglichkeiten der Technik ersetzt wird. Apple sei Dank, schafft es JAMES auch solo einen Bandsound zu kreieren. Das er außergewöhnliches Talent an der Gitarre besitzt, zeigt sich vor allem in der besonderen Anschlagtechnik, die er pflegt. JAMES bespielt seine Gitarre mit der Technik des Tappings. Hierbei liegt die Gitarre auf seinem Schoß und er schlägt die Saiten mit seinen Fingern an, während er gleichzeitig einen Rhythmus auf dem Holz trommelt. Dazu eine rauhe Stimme, leicht zurückgenommenes Tempo und Melodien fürs Lagerfeuer am Strand, zack - fertig ist der nächste feuchte Mädchentraum.

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KYTES starteten in ihr Set mit dem bekannten 'Future Kids', welches bereits auf der Vorab-EP als Hit ausgemacht werden konnte und auch in der Liveinterpretation zu begeistern weiß. Bereits nach den ersten Takten wird in den vorderen Reihen ordentlich abgezappelt. Das Set des Abends speist sich aus den dreizehn Tracks des Debüts "Heads and Tales". Eine Ausnahme bildet der EP-Track 'Weekend Man' aber dennoch ist es verdammt erstaunlich, wie viele Hits sich auf "Heads and Tales" in komprimierter Form tummeln.

Verglichen mit den Studioversionen der Songs, entwickeln die Livedarbietungen eine ganze Menge mehr Druck und Tempo. KYTES begehen nämlich nicht den Fehler und spielen ihre Songs einfach eins zu eins auf der Bühne nach, sondern bauen auch mal einen „Rave-Part“ ('Talk') mit ein oder starten akkustisch und gehen über in die verstärkte Version ('Inner Cinema'). Zwischen den Songs sucht Sänger Michael Spieler auch immer wieder den Kontakt mit dem Publikum und erzählt von Tourerlebnissen, Buspannen oder der zeitgleich stattfindenden Münchener Wiesn. Alles auf durchaus sympathische und charismatische Weise. Und auch die Bühnen-Frotzeleien zwischen Bassist Thomas Sedlacek und Sänger Spieler sorgen für unterhaltsame Momente.

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Und auch wenn KYTES diesen Sommer eine stark ausgedehnte Festivaltour gespielt haben, das wirkt hier alles so eingespielt und souverän im Umgang mit dem Publikum und dem Agieren untereinander, dass es sich hier doch unmöglich um eine Band von Grünschnäbeln handeln kann, welche ihr gerade erscheinendes Debütalbum landesweit vorstellen darf. Bei einem Blick in die Vita der Band findet sich dann auch schnell die Erklärung. Vor KYTES spielten die vier Musiker in gleicher Besetzung unter dem Bandnamen Blind Freddy bereits einige Jahre und Konzerte zusammen. Eine Erfahrung, die sich jetzt beim Neustart unter neuem Namen auszahlt.

So gelingt es der Band nicht nur die einzelnen Songs perfekt für die Bühne umzusetzen, sondern auch dem Konzert einen Spannungsbogen zu verpassen, wie man ihn sonst nur bei den erfahrenen Hasen im Showgeschäft findet. So findet das Konzert im Lux seinen vorläufigen Höhepunkt mit dem Werbehit 'On The Run' und dem kollektiven Tanzmob vor der Bühne. Im anschließenden Zugabenteil setzt sich Sänger Michi Spieler dann mit Gitarre ins Publikum und lädt zum Rudelsingen mit 'As We Row'. Als Rausschmeißer gibt es den Track dann nochmal in voller Bandbesetzung und tanzbarer Version von der Bühne aus.

Wer sein Herz den Indie-Gitarren verschrieben hat und in seiner Plattensammlung Werke von Two Door Cinema Club, Phoenix, Foals oder Satellite Stories stehen hat, der macht nichts falsch, wenn er KYTES auf einem Date bei der noch andauernden Tour einen Besuch abstattet.

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Fotos von Mark Haake.