(Rise Records) Neue Alben von DANCE GAVIN DANCE und The Devil Wears Prada am selben Tag? Fuck yeah, das ist eigentlich der geballte Hochgenuss! Dabei servieren die (ich schimpfe es jetzt einfach mal ganz trocken) progressiven Post-Hardcore’ler von DANCE GAVIN DANCE mit "Mothership" ihre bereits siebente vollwertige Platte. Nach "Acceptance Speech" und "Instant Gratification" bedeutet das innerhalb von drei Jahren bereits den dritten Longplayer. Ein schlechtes Zeichen? Keineswegs! Auch damals um "Downtown Battle Mountain", "Dance Gavin Dance" und "Happiness" (2007-2009) funktionierte das tadellos. Und auch auf "Mothership" wird erneut rasch deutlich, dass DANCE GAVIN DANCE einfach kein schlechtes Album veröffentlichen können. Wahrscheinlicher ist es, dass Bernie Sanders noch Präsident der Vereinigten Staaten wird. Oder eben eines der Bandmitglieder… Die fünf Jungens aus Sacramento, um das gegenwärtig wohl am besten harmonierende Gesangsduo in diesem Genre, Jon Mess und Tilian Pearson, hauen mit "Mothership" ihre poplastigste, jedoch auch experimentierfreudigste Platte raus. Während in der Albummitte einige sehr cleangesangsintensive Songs schlummern, generieren 'Flossie Dickey Bounce' und 'Petting Zoo Justice' extraordinäre Hörerlebnisse. Auch wären die fünf Jungs gegenwärtig nicht true, wenn sie wie in 'Chocolate Jackalope' keinen mit Autotune untermauerten Rap-Part einbauen würden. Dazu kommt beispielsweise auch der schlüpfende Roboternachwuchs in 'Young Robot', bei dem ich zuerst dachte, ich höre einen Soundtrack einer Serie auf Kika. Natürlich ist dies aber noch weit von dem entfernt, was ich meinem Kind zum Einschlafen vorsingen würde. Früh wird dabei aber bereits klar, dass Tilian spätestens auf diesem Album keine Randfigur mehr darstellt, sondern mitten im Zentrum interagiert. Sein verstärkter Einsatz verleiht der Band eine neue Würze. Neben offensichtlichem Autotune und Pitch Correction sind es vor allem die rauchigen Vocals, wie zum Beispiel am Ende des Closers 'Man of the Year', und die Screams (z.B. 'Deception' und 'Here Comes the Winner'), die stark an Empire Theory von Tides of Man anlehnen. Während Tilian Pearson damit ein neues Level erreicht und zugleich zu altbekannter Emotionalität zurückkehrt, weint selbiges, mittlerweile instrumentales Quartett bittere Tränen.
photo by Lyndsey Byrnes

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Mit Tilian haben DANCE GAVIN DANCE nun endlich ihren Sänger gefunden, fungiert er im Gesamtkomplex sogar etwas besser als Jonny Craig oder Kurt Travis. Hier scheiden sich jedoch ohnehin jegliche Meinungen und Geister. DANCE GAVIN DANCE sind im Zyklus von "Mothership" somit mehr denn je zur Tilian-Show geworden und ich persönlich kann mich damit bestens arrangieren. Falls diese Aussage altgebackene Fans erschüttert, darf man dies gerne relativieren, indem er zumindest den bestmöglichen Gegenpart zu Jon Mess‘ erschütternd dämlich-kreativen Lyrics stellt. Und wie es in 'Chucky Vs. The Giant Tortoise' heißt: "Perfect melodies are hard to find". Tja, nicht hier! Album-VÖ: 07.10.2016 5.5-Blitz