(Reprise Records/ Warner) Mit über 50 Millionen verkauften Einheiten weltweit gehören GREEN DAY selbstverständlich zu den Big Playern. Fest im Mainstream verankert sind sie aber weiterhin für Überraschungen gut (auch wenn diese wahrlich rar gesät sind die letzten Jahre). 2016 bedeutet 30-jähriges Jubiläum und mit dem Album "Revolution Radio" haben GREEN DAY sich und ihren verbliebenen Fans ein Geschenk gemacht. Man kann nicht behaupten, dass GREEN DAY sich nie ausprobiert hätten. Ob nun feiner PopPunk ("Kerplunk", "Dookie" und das unterbewertete, aber großartige "Nimrod"-Album), Konzept-PunkRock-Opern ("American Idiot" und das überflüssige "21st Century Breakdown") oder fast nur Akustik ("Warning"). Der Fokus lag auf Weiterentwicklung, Fähigkeiten ausbauen und überraschend sein. Dann kam allerdings im Jahre 2012 die dreifache Bankrotterklärung mit den schlimmen Alben "Uno!", "Dos!" und "Tré!". Pure Langeweile ohne jeglichen Anspruch, die sich demensprechend schlecht verkauften. Der Anfang vom Ende von GREEN DAY, hörte man munkeln. Nun also "Revolution Radio". Die ersten beiden Auskopplungen 'Bang Bang' und der Titeltrack haben die Erwartungen ziemlich hoch geschraubt, weil die Tracks so voller Elan und Frische stecken, dass man einen kompletten Neustart von GREEN DAY vermutete. 'Somewhere Now' startet den 12-Song Reigen mit einem gefälligen Tom Petty-Rocker, der im letzten Viertel etwas ausbricht und zeigt, was möglich gewesen wäre. Ziemlich unspannend, wobei ich zugeben muss, dass Billie Joe Armstrong gesangstechnisch fokussiert und klar klingt. Im Großen und Ganzen wird der Einstieg aber verbockt. Danach folgen die oben erwähnten 'Bang Bang' und 'Revolution Radio', die den Punkrock im Herzen tragen und dem auch textlich wie musikalisch Rechnung tragen. Sehr kurzweilig, spannend und auf den Punkt. Es steigen einem Reminiszenzen an "Dookie" in den Kopf, die aber sofort vom fürcherlichen 'Outlaws' torpediert werden. Klar gibt es Songs, die eindeutig und einigermaßen authentisch GREEN DAY zuzuordnen sind (wie z.B. 'Bouncing Off The Wall' oder 'Too Dumb To Die'), allerdings wären diese bis vor 10,12 Jahren als B-Seite verbraten worden. Wenn (wie bei 'Still Breathing' passiert) die Gedanken auf Wanderschaft gehen, weil man versucht herausfinden, an wen einen der Song erinnert (hier übrigens The Ataris), zeugt das nicht gerade von Vertrauen in die songwriterischen Qualitäten von GREEN DAY. Hört man den Namen GREEN DAY erwartet man nunmal catchy Melodien und Refrains für die Ewigkeit. Und natürlich hat man den Werdegang verfolgt und mitbekommen, dass an einem gewissen Maß an Ernsthaftigkeit gefeilt worden ist. Aber so machen GREEN DAY verdammtnochmal keinen Spass!!!
Photo Credit: Frank Maddocks

Green Day Photo Credit: Frank Maddocks

Was bitte soll der Abschluss 'Ordinary World'? Dieses unerträgliche Balladen-Machwerk ist überflüssiger als jeder von Disturbed gecoverte Song. Und auch wenn der vorletzte Song 'Forever Now' für dreieinhalb Minuten Spass macht, muss man nochmal so lange aushalten, bis er endlich ein Ende gefunden hat. Nee, ich reg` mich hier nur auf - eine knappe Handvoll gute bis okaye Songs machen es noch lange nicht notwendig, dass man "Revolution Radio" abfeiern muss. Schade GREEN DAY - in meinen Augen wurde die Chance komplett ausgelassen sich Credibility zurück zu erobern. Album-VÖ: 07.10.2016 2-Blitz