(Relapse/ Rough Trade) RED FANG haben sich in den 11 Jahren ihres Bestehens kontinuierlich neue Fans erarbeitet. Spätestens der Wechsel zu Relapse Records und die Veröffentlichung des zweiten Albums "Murder The Mountains" machte das Quartett aus Portland, Oregon auch international bekannt. Für interessierte Menschen, die neue Impulse im Genre des Sludge- und/oder StonerMetal suchten, waren RED FANG eine Offenbarung, da hier exquisite musikalische Fähigkeiten mit einer gesunden Portion Selbstironie verbunden worden sind und die dröge Ernsthaftigkeit des Musikstils mit dem Faktor Spaß kombiniert wurde. Wieviel Kreativität haben RED FANG in das neue Werk "Only Ghosts" investiert? Geben sich wieder brachiale Aggressivität, zupackende Arrangements und spannende Songstrukturen die Klinke in die Hand? Man muss mit einem lauten Jubelschrei antworten, wenn man sich die beiden Songs 'Flies' und 'Cut It Short' angehört hat. Dieser Doppelschlag eröffnet "Only Ghosts" und macht definitiv Bock auf den Rest. 'Flies' startet wie ein progressiver Foo Fighters-Song, um ab der Hälfte in strukturiertes Chaos zu stürzen und dabei nicht den Anspruch auf Wiedererkennung vergisst. 'Cut It Short' ist der beste Queens Of The Stone Age-Track der letzten Dekade. Wenn nicht noch weitere Stücke folgen würden, wäre das Drücken der Repeat-Taste jetzt angesagt. Stark. Das merkwürdige Soundexperiment 'Flames' lasse ich mal als Intro für den nachfolgenden Song stehen, weil es sonst keinerlei Berechtigung oder Sinn hätte. Bei 'No Air' erwartet uns Schwermütigkeit, verpackt in einen Sludge-Strudel, der dich beim ersten Hören erschreckt, beim zweiten Mal abholt und bei weiteren Durchgängen so bei den Eiern hat, dass du dich dem Sog nicht mehr entziehen kannst. RED FANG können auch spaßbefreit und ernsthaft - und das steht ihnen gut zu Gesicht. Da wirkt 'Shadows' fast schon als PowerPop. Der Fokus liegt auf Eingängikeit, wobei das Songwriting etwas schlicht daher kommt, da ein Riff stetig wiederholt wird und drumherum auch nicht sonderlich viele Ecken und Kanten ausgemacht werden können. Das bisher schwächste Stück auf "Old Ghosts", welches wie eine Proberaum-Fingerübung klingt. 'The Smell Of The Sound' ist wieder so ein Ungetüm, welches erst nach mehrmaligen und intensiven Hören zündet. RED FANG sind tief in den Fußstapfen ihrer Genrekollegen wie Mastodon oder Baroness unterwegs, um plötzlich den eingeschlagenen Pfad zu verlassen, damit sich neue Strukturen entfalten können. Solche Kompositionen ( auch der Abschlusstrack 'Living In Lye' gehört dazu - der wiederum bei einer Laufzeit von sechseinhalb Minuten ca. drei Zeilen Text hat. Ansonsten wird rein instrumental gnadenlos Spannung aufgebaut) machen "Old Ghosts" natürlich für Hörer interessant, die Musik nicht als reinen Konsum definieren, sondern den künstlerischen Aspekt auf sich wirken lassen wollen.
Red_Fang_Photo_by_James_Rexroad

Red Fang Photo by James Rexroad

Und selbst unspektakulär wirkende Songs wie 'Not For You' oder 'The Deep' haben soviel Anspruch inne, dass es eine wahre Freude ist, das neueste Werk "Old Ghosts" von RED FANG zu entdecken. Wenn dann die Einzigartigkeit der Stücke entblößt wird, kann man sich ein Grinsen nicht verkneifen und beglückwünscht sich selbst, diesem Album sein Vertrauen geschenkt zu haben. Album-VÖ: 14.10.2016 4.5-Blitz