(Century Media Records/ Sony Music) Relativ unspektakulär und schlicht "V" genannt - das fünfte Studioalbum der schwedischen TRUCKFIGHTERS. Das die Nordlichter eher Südstaaten-Stoner-Rock mit 70's-Elementen zocken, zeigt ein selbstironisches Selbstverständnis, was sich auch in den Spitznamen der Musiker niederschlägt (Ozo, Dango und El Danno). Sowas ist von grundauf sympathisch und wird im Gegenzug mit der Ernsthaftigkeit des musikalischen Vortrags auf eine neue Stufe der Authentizität gehoben. 'Calm Before The Storm' eröffnet den Reigen von 7 Songs. Und schon hier wird deutlich, dass weniger auf die nächste Hookline gesetzt wird, sondern die Komposition mit einem dynamischen Spannungsaufbau im Vordergrund steht. Der Eröffnungstrack von "V" lässt die TRUCKFIGHTERS schuften und selten verschnaufen - über acht MInuten zieht sich das Stück und schraubt sich sukzessiv einer wahren Wall-of-Sound entgegen. Das Trio macht es sich und dem geneigten Hörer nicht einfach - allerdings ist man plötzlich eingetaucht in die Materie und wundert sich über den Bruch, wenn der zweite Song 'Hawkshaw' über einen hereinbricht. Hier werden massive Riffs mit einem feinen Gitarrensound verwoben und durch den energiegeladenen Gesang nach vorne getrieben. Gleichzeitig klingt ein melancholischer Unterton durch, der 'Hawkshaw' einen interessanten Akzent verpasst. Der fast schon grundsätzliche Verzicht auf Refrains lässt Songs wie 'Gehenna' oder 'The Contract' wie Jam-Sessions wirken, die im Studio einfach mitgeschnitten worden sind. Allerdings ist das präzise Spiel teilweise so faszinierend, dass man dieses Album über Kopfhörer hören sollte, um sämtliche Nuancen mitzubekommen. "V" lädt nicht zum konsumieren ein, sondern fordert den Zuhörer auf, sich die Welt der TRUCKFIGHTERS zu erarbeiten. Die Songs sind ausufernd, haben aber trotzdem ein festes Ziel - Musik mit allen Sinnen erlebbar machen. Durch die Schnelllebigkeit unserer Zeit, wird das vermutlich nicht überall auf Gegenliebe stoßen - aber wer sich darauf einlassen kann, wird mit einer ganzen Ladung hingebungsvoller Songs belohnt, die lange nachwirken.
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Truckfighters Photo courtesy of Century Media

Wer den TRUCKFIGHTERS eine dreiviertel Stunde seiner Zeit schenkt, wird mit einem Werk belohnt, welches sich zu Recht Album nennen darf - es geht nicht um die EINE Single, die den Verkauf einkurbeln soll. Es geht um das Erlebnis Musik zu entdecken, sich darauf einzulassen, der Oberflächlichkeit zu entfliehen und einfach mal locker zu lassen. Man muss für dieses Album in der richtigen, aufgeschlossenen Stimmung sein, das gebe ich zu. Dennoch: Für mich persönlich schaffen TRUCKFIGHTERS mit "V" etwas ziemlich Außergewöhnliches - obwohl ich kein Fan des Genres bin, finde ich mich zwischen energetischen Soundwänden wieder, die teils elegisch aber meist kraftvoll zupacken und mich nicht so schnell loslassen. Album-VÖ: 30.09.2016 4.5-Blitz Kleine Bemerkung warum die Rezension erst einige Zeit nach Veröffentlichung von "V" erscheint: Es ist schlicht unmöglich, sich mit einem Album zu beschäftigen und eine faire Rezension zu schreiben, wenn man erst einige Stunden vor dem offiziellen Verkaufsstart bemustert wird.