(Razor & Tie/ Spinefarm Records) "Polyester Zeal" ist das dritte Album der US-Rocker RED SUN RISING und in den Staaten schon seit einigen Monaten erhältlich. Nun also die Expansion nach Europa. Wobei hier der Markt für Alternative-Rock Bands recht übersichtlich ist. In Nordamerika hingegen reisst der Strom von Musikgruppen, die sich dem sogenannten Post-Grunge mit HardRock-Kante verschrieben haben nicht ab. So hat man Schwierigkeiten, sich durch die Flut minderwertiger bzw. langweiliger Veröffentlichungen durchzuwühlen, um evtl. das ein oder andere Highlight zu entdecken. Ich gebe zu, dass ich eine zeitlang 3 Doors Down, Oleander, Bush oder Silverchair ziemlich mochte, dies aber nur eine Phase war. Dann kamen leider solche Auswüchse wie Creed oder Nickelback, die zwar Erfolg hatten, aber die leichte Räudigkeit des Genres so verwässerten, dass ich mich angeekelt abwandte. Nachdem aber in diesem Jahr schon Saint Asonia angenehm überraschten, bin ich gespannt was RED SUN RISING zu bieten haben. Mit 'Push' wird gleich zu Beginn schonmal ein ziemliches Geschoss rausgehauen, welches ziemlich kompakt wirkt, einen einprägsamen Chorus besitzt und ein Maximum (für Alt-Rock-Verhältnisse) an Heavyness produziert. Starker Beginn. Mit 'Amnesia' wird dann leider schon die geringe Erwartungshaltung bedient - ein Song, der (auch gesanglich) an Stone Temple Pilots erinnert, aber von STP vermutlich nur als Japan-Bonussong verbraten worden wäre. Ok, ich gebe zu: Die Melodie bleibt hängen, klingt aber leider auch wie schon 1000x gehört. Es wirkt zu glattgebügelt - es gibt nicht eine Sekunde, an der man sich reiben kann oder die besonders aufhorchen lässt. Als weiteres Positiv-Beispiel kann dagegen 'Emotionless' herangezogen werden. RED SUN RISING schaffen es wieder einen ziemlich guten Spannungsbogen aufzubauen, der wuchtig instrumentiert ist und einen Refrain parat hat, der im Ohr kleben bleibt. So gibt es auf "Polyester Zeal" ein beständiges Auf und Ab. Wenn man keine Geduld hat, sich durch Füllmaterial wie 'My Muse' oder 'Worlds Away' zu kämpfen, kann es passieren, dass man ziemlich gute Songs wie 'Awake' oder 'Imitation' übersieht und niemals zu hören bekommt.
red_sun_rising_photo_by_lindsey_brynes

Red Sun Rising Photo by Lindsey Brynes

Die Jungs beherrschen definitiv ihre Instrumente und Sänger Mike Protich erarbeitet teils feine Nuancen, die einem durchschnittlichen Song das Besondere aufdrücken kann. Dass er mich manchmal an Klaus Meine/ Zoli Tèglàs erinnert, macht es etwas verwirrend, aber es gibt sicherlich schlechtere Vergleiche. 🙂 RED SUN RISING liefern mit "Polyester Zeal" ein perfektes Alternative-Rock Album ab, dessen Perfektion sich mit dem Mangel an Ecken und Kanten duelliert. Wer ein Album braucht, dessen Halbwertzeit in Monaten gerechnet werden kann, ist mit dem aktuellen Output von RED SUN RISING gut bedient. Alle anderen können sich weiter an ihren Originalen/Klassikern festhalten. Album-VÖ: 21.10.2016 3.5-Blitz