(Epitaph Europe/ Indigo) JOYCE MANOR hauen in einem überschaubaren 2-Jahres-Rhythmus neue Alben raus, die sich zwar nicht millionenfach verkaufen, aber innerhalb der IndiePunk-Szene für wahre Begeisterungsstürme sorgt. Und womit? Mit Recht! Denn wer sich (zumindest) eines der vorherigen Werke "Joyce Manor", "Of All Things I Will Soon Grow Tired" oder "Never Hungover Again" zu Gemüte geführt hat, konnte den Spirit des Quartetts quasi einatmen und war ob der jugendlichen "Leck mich am Arsch"-Attitüde schwer begeistert. Hier sind Menschen am Werk, die das Beste aus gitarrenorientierten Kategorien sammeln und neu zusammenbauen. Der britisch-rockige Ansatz scheint schon beim Opener 'Fake I.D.' durch und wird bei 'Angel In The Snow' oder der kurzweiligen Ballade 'Do You Really Want To Not Get Better' aufgegriffen. Plötzlich winken Weezer aufgeregt von weit entfernt und fragen sich, warum JOYCE MANOR das schaffen, was die Jungs um Rivers Cuomo seit etlichen Jahren nicht mehr hinbekommen - mit 'Last You Heard Of Me' wird ein emotionaler Hit geboten, der eine furiose Dynamik entwickelt, weil die einsetzende Gitarrenwand den schönen Refrain perfekt austariert. 'Make Me Dumb' hat mich ab dem ersten Takt gefangen genommen - die Bridge als auch der Chorus verursachen einen durchgehenden Gänsehauteffekt und ich wünschte, der Song würde nie enden - da ist es nur konsequent, dass er ausgefadet wird (was ja heutzutage eher unüblich ist). Wer auf alte Nada Surf abfährt, kann mit JOYCE MANOR glücklich werden. Auch die weiteren Tracks auf "Cody" halten das Niveau und überzeugen mit tollen Hymnen, die Teenage Angst und Befindlichkeiten zum Thema haben, dies aber so positiv verpacken, dass aus Depressionen Glücksgefühle werden können. Für Fans von Moose Blood (v.a. deren Debütalbum), Tigers Jaw oder Modern Baseball ist "Cody" von JOYCE MANOR ein sicherer Sure-Shot - ebenso für Menschen, die Lust haben, etwas zu entdecken und auch Melodien nicht gänzlich abgeneigt sind.
Joyce_Manor_Photo_courtesy_of_Starkult

Joyce Manor Photo courtesy of Starkult

JOYCE MANOR sind trotz der Epitaph-Unterstützung ein gut gehütetes Geheimnis. Allerdings haben es die Jungs aus Torrance/Kalifornien verdient, mehr beachtet zu werden. Ob mehr Aufmerksamkeit schaden könnte und die Spontanität ausbremsen könnte? Ich glaube nicht, da JOYCE MANOR von jeher auf Genregrenzen und Erwartungshaltungen geschissen haben und ihre Musik auf dem Konzept des Idealismus basiert. JOYCE MANOR ziehen auf dem wundervollen "Cody" ihr Ding durch. Die Mischung aus Collegerock, einer Prise Punkrock und feinen Indie-Versatzstücken, zaubert ein Sommerfeeling in die triste Herbst-Melancholie. Album-VÖ: 07.10.2016 5-Blitz