(Hassle Records/ Soulfood) Ok, dass FRANK IERO Gitarrist von My Chemical Romance und maßgeblich am Sound der Emo-Könige verantwortlich war - geschenkt. FRANK IERO hat sich aber schon immer anderweitig umgeschaut und ausprobiert. Ob nun ElectroPunk mit den Death Spells oder Hard- bzw. PostCore bei Leathermouth. Seit 2014 ist er nun solo unterwegs - das Debütalbum "Stomachaches" erschien noch unter dem teils gewollt kryptischen Hipsternamen frnkiero andthe cellabration. Jetzt scheint Herr IERO angekommen zu sein, nennt sein Baby FRANK IERO AND THE PATIENCE und hat mit "Parachutes" den nächsten Pfeil im Köcher. 'World Destroyer' macht sich sofort daran, jegliche Befürchtung eines milden Emo-Solo-Ausflugs im Keim zu ersticken. Es wird zwar gelitten und die Emotionen kochen hoch, aber die Attacke wird in einem schmerzvollen Geschrei mit dissonanten Gitarren vollführt, dass Erinnerungen an The Blood Brothers wach werden. 'Veins! Veins! Veins!' schlägt in eine ähnliche Kerbe, hat aber eine einnehmende Melodie in der Hinterhand, die die Mischung aus At The Drive-In-Rhythmik und alten Thursday perfekt in Balance hält. Die Nennung von Referenzen soll nur helfen, die abgelieferte Performance von FRANK IERO einzuordnen - er steht natürlich für sich selbst und ist Kraft seiner Kreativität und der Inspiration des Produzenten-Teams Ross Robinson (u.a. Red Fang, Norma Jean, Cancer Bats) & Steve Evetts (u.a. The Dillinger Escape Plan oder Every Time I Die) in neue Sphären vorgestossen. Er probiert sich aus, scheisst auf Konventionen - ob nun angespannter BluesRock ('I'll Let You Down'), PunkRock mit ChaosCore-Elementen ('I'm A Mess') oder Akustik-Geklimper ('Miss Me'). Jeder Song, jede Note hat ihren Platz auf "Parachutes" verdient und ist hart erarbeitet. Man hört bei FRANK IERO Leidenschaft, eine kaum versteckte Verzweiflung und man kann sich trotzdem des Gefühls nicht erwehren, dass das Album ein Synonym für Befreiung darstellen soll.
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Frank Iero Photo courtesy of Hassle Records

FRANK IERO AND THE PATIENCE ist mit "Parachutes" ein Album gelungen, welches es in dieser Form seit einigen Jahren nicht mehr gegeben hat. Hier entblättert sich ein Künstler und lässt seinen Emotionen freien Lauf. Ich bin dankbar, dass er uns daran teilhaben lässt. Wer einen Abklatsch der erfolgreichen (aufgelösten) Hauptband erwartet, kann sich "Parachutes" schenken. Wer aber Glassjaw, Cave In oder ähnliche Bands kennt und vermisst, kann bei FRANK IERO AND THE PATIENCE auf Entdeckungstour gehen. Album-VÖ: 28.10.2016 4.5-Blitz