Während das gesamte Rheinland bei eisiger Kälte, schalem Bier und schlechter Musik den Beginn der närrischen Zeit feiert, genießen knapp 500 Musikliebhaber in der wonnigen Wärme des Osnabrücker Rosenhofs, bei eisgekühltem Bier und wunderbarer Musik eines der diesjährigen Konzerthighlights.

Nach ausverkaufter Tour in der ersten Jahreshälfte 2016 und einigen umjubelten Festivalshows, war ein Nachschlag in Sachen NADA SURF Livegigs eigentlich unvermeidlich. Diesem Verlangen kam unter anderem der Osnabrücker Rosenhof nach und buchte die Alternative Rock Band nach vier Jahren Abstinenz mal wieder ins Liveprogramm des Musikklubs.

Den Support-Slot übernahmen an diesem Abend die Schweizer von YOKKO. Die sympathische Band blickt bereits auf zwei Longplayer in der bandeigenen Diskographie zurück und ist sichtlich gewillt, diesen Abend zu nutzen, um sich einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Dafür geben sie vollen Einsatz auf und neben der Bühne. Zunächst spielen sie sich durch ein acht Track starkes Set, welches Pop, Indie und Alternativeelemente mit einander verschmelzen lässt. Im Anschluss folgt der unabdingbare Einsatz am Merchstand, wo man auch die bandeigene „YOKKOlade“ bekommen kann. Und da mit einem zweiten Platz in den Schweizer Charts noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, verteilen die Bandmitglieder in bester Street-Team Manier am Ende des Konzertabends noch Flyer. Auf diesen ist eine Telefonnumer angegeben, welche man per SMS oder whatsapp kontaktieren kann und dann umgehend den aktuellen Longplayer ("To The Fighters. To The Boxers.") als Download erhält. Wer es versuchen möchte: + 41797259775

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Dann ist es circa 21.00 und NADA SURF betreten ohne großes TamTam die Bühne des Rosenhofs. Und das passt auch zu den Handwerkern des Melancholie-Indierocks. Keine Einmarschmusik, keine Ansage, keine großen Gesten. Die drei Musiker grüßen einmal freundlich ins Publikum, schnappen sich ihre Instrumente und starten mit 'Cold To See Clear' in das heutige Best Of Set der Band. Ein Streifzug durch die siebenteilige Studioalbum-Diskographie der Band, in welchem Hits wie 'Weightless', 'Whose Authority', '80 Windows' oder 'Blonde On Blonde' natürlich nicht fehlen dürfen. Dabei wird wieder einmal deutlich, dass es NADA SURF wie kaum eine andere Band schaffen, zielgerichtet die besten Songs ihrer Platten als Singles auszukoppeln. So wie bei 'Rushing', vom letzten Studioalbum oder 'Out Of The Dark', vom soeben veröffentlichtem Livealbum. Sänger Matthew Caws erzählt zwischen den Stücken immer mal wieder kleine Anekdoten. Zum Beispiel vom Gitarrenkauf in einem Osnabrücker Musikladen oder dem Erlebnis einer Kreuzfahrtreise zu Teenager Zeiten, auf der er sich unsterblich in ein Mädchen verliebt hat. Diese Anekdote dient zudem als Einladung zum Engtanz für das Publikum während 'Inside Of Love'. Der obligatorische Donald Trump Diss dient als Ansage für 'The Fox' und das unkaputtbare 'See These Bones' beschließt den ersten Teil der Show.

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Der nun folgende Zugabenteil legt die Latte der Show nochmal einige Zentimeter höher und feuert ein noch dichter gestricktes Hitfeuerwerk ab. 'Hyperspace', 'Popular', 'Always Love' und 'Blankest Year' am Stück sorgen dafür, dass auch dem letzten Niedersachsen der Stock aus dem Arsch gezogen wird. Singen, Tanzen, Pogo – alles ist nun möglich. Allerdings wird vor allem bei diesen Stücken deutlich, dass mit Dogh Gillard ein Teil der Band an diesem Abend nicht mit an Bord ist. Die schnelleren Stücke entfalten ohne die zusätzliche Liedgitarre deutlich weniger Druck und auch das Drumming von Ira Elliot wirkt teilweise recht zurückhaltend. Aber das ist Jammern auf höchstem Niveau. Denn die unmittelbare Entschädigung folgt in Form einer akustischen Zugabe am Merchstand. Sänger Matthew Caws schnappt sich hier nochmals seine Akustische und spielt mit 'Blizzard Of 77' eine vermutlich geplante Zugabe, mit 'Ice On The Wings' und 'I Like What You Say' zwei vermutlich ungeplante.

Photos by Marc Erdbrügger.

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