(Rise Records/ BMG/ ADA Warner) Nach 16 Jahren und 6 Studioalben (vorliegendes "Crises" inkludiert) ist das Kapitel A LOSS FOR WORDS Geschichte. Die Pop-Punk-Welt verliert eine Band, die es geschafft hat, süß-klebrige Melodien so zu verpacken, dass man keinen Zuckerschock bekommen hat. Nachdem im vergangenen Jahr das letzte Konzert gespielt wurde, hat es allen Beteiligten trotzdem nochmal in den Fingern gejuckt, so dass "Crises" als Abschiedsgeschenk für die Genre-Fans herausgekommen ist. Mit gesanglicher Unterstützung von u.a. Mitgliedern der Bands Comeback Kid, Acceptance oder The State Champs erwarten uns 10 PopPunk-Stücke, die nochmal aufzeigen wollen, warum es schade ist, dass A LOSS FOR WORDS das Handtuch geschmissen haben. 'Existential Crises At The Cask `N Flagon' wurde als erste Single ausgekoppelt und darf "Crises" auch einläuten. Leider fehlt etwas der nötige Punch, auch wenn es ein typischer PopPunk-Klopper ist, mit Sonne im Herzen und den Emotionen auf der Zunge. Für nichts anderes stehen A LOSS FOR WORDS auch und präsentieren im Grunde Variationen zu einem durchgekauten Thema. Aber es gibt immer diese besonderen Momente, wenn neue Bands wie Trash Boat oder Woes die Bestandteile des Genres so perfekt zusammenbauen können, dass man den Eindruck gewinnt, man hat doch noch nicht alle Facetten gehört. Auf diese magischen Augenblicke muss man bei A LOSS FOR WORDS enttäuschenderweise verzichten. A LOSS FOR WORDS haben nie den ganz großen Durchbruch geschafft und die Champions League war immer weit entfernt - aber die Gefahr des Abstiegs in die zweite Liga bestand genauso wenig. Immer schön im Mittelfeld, nur nicht auffallen, aber für die ein oder andere Überraschung gut. Im Prinzip ist damit der strukturelle Aufbau von "Crises" hinreichend erklärt. 'I Feel An Army In My Fist' versucht einen aggressiveren Grundtenor als üblich herauf zu beschwören und schafft dies auch durch die gesangliche Unterstützung von Andrew Neufeld (CK). Das nachfolgende 'Lucida' hat schöne Gitarren, erinnert aber fatal an den Collegerock der End-90er (like Third Eye Blind). Altmodisch und leider ohne Charme.
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A Loss For Words Photo by Jeff Dean

Dafür, dass "Crises" ein Vermächtnis sein soll, kommen A LOSS FOR WORDS erstaunlich wenig aus der Hüfte. Songs wie die Akustikballade 'In Your Company' funktionieren heutzutage nicht mal mehr bei der heranwachsenden, weiblichen Zielgruppe. 'Georg Cantor' wiederum überzeugt in der Strophe, um dann einen mega-langweiligen Chorus einzubauen. Durch dieses qualitative Auf und Ab und der Nichterfüllung von Erwartungen und Vorfreude, ist "Crises" im Großen und Ganzen leider eine Enttäuschung geworden. Die einzige Hoffnung auf Besserung könnte der Zeitfaktor sein, der "Crises" wachsen lassen könnte. Allerdings wird der Markt aktuell so sehr geflutet, dass A LOSS FOR WORDS vermutlich bald vergessen sind. Album-VÖ: 27.12.2017 2.5-Blitz