(Massacre Records) Überschwängliche Freude: nach zwanzig Jahren Pause melden sich WARPATH zurück, und das zu allem Überfluss auch noch mit Dirk Weiß am Gesang. Denn in der Vergangenheit habe ich eine Sache für mich fest beschlossen: 1. WARPATH ohne „Dicker“ am Gesang geht nicht, und 2. „Dicker“ am Gesang von Richthofen geht auch nicht. Hier bei WARPATH ist er essentiell, unumgänglich, das muss einfach so sein. Zugegeben: sicherlich hat auch hier der Zahn der Zeit ein wenig geknabbert, aber grundsätzlich ist auch 2017 noch megamäßig Druck in der Bude. Lest selbst. Ich habe keinerlei Informationen vorliegen, warum, wieso oder weshalb diese Band sich wiedervereint hat, ich weiß auch nicht, auf wessen Mist das gewachsen ist, aber: ich bin unglaublich dankbar. WARPATH ist eine der Bands, die mich in früher Jugend (wie sagt man so schön?) „abgeholt“ haben. Mit dem Debüt konnte ich retrospektiv nicht ganz so viel anfangen, aber "Massive" und vor allem "Against Everyone" gehörten bzw. gehören auch heute noch zu den Scheiben, die ich rauf und runter und immer wieder hören konnte, und ich bin mir ziemlich sicher, dass irgendwo im Keller noch ein Paar Doc Martens steht, auf deren Sohlen die Worte „Shit“ und „Fuck“ prangen. Dass ich die Scheibe von Anfang bis Ende irgendwann auf der Gitarre mitspielen konnte, sei hier nur eine Randnotiz. Ganz ohne Frage, das muss hier gleich geklärt werden, ist WARPATH keine Band, die ich für ausgefeiltes Songwriting anpreisen würde oder deren filigrane Instrumententechnik ich bewundere. Ich würde aber auch die Güteklasse einer Abrissbirne nicht daran messen, ob die Bruchkanten am Mauerwerk schön gerade und winklig sind. WARPATH sind elementar, aber genau das ist es vielleicht, was die Wucht ausmacht. Selten hat die Aussage „Voll auf die Fresse“ besser gepasst, und damit bewegt sich die Band wieder voll auf Kurs, wie ich es bei "Against Everyone" geliebt habe. Dirk Weiß klingt mittlerweile etwas „gediegener“ und erinnert mich dabei ein wenig an Gorefest's Album "Erase", das ist aber eher Hinweis als wirklicher Kritikpunkt. Etwas seltener als früher fühle ich mich an Carnivore/Type O Negative erinnert (vor allem in 'No One Can Kill Us' sowie dem darauf folgenden 'Crossing'), aber in Bezug auf die Songgeschwindigkeiten bleibt es erfreulich dynamisch zwischen schnellen Thrash-Nummern und stampfenden Midtempo-Songs.
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Photo courtesy of Massacre Records

Für die Produktion zeichnet sich Thomas „Schrödey“ Schröder verantwortlich, der früher selbst in der Band gespielt hat. Eine sehr gute Voraussetzung um zu wissen, worauf es beim Sound ankommt. Was gibt es sonst noch zu vermelden? "Bullets For A Desert Session" kommt im Digipack mit zwei Bonus-Tracks, wobei es sich lediglich um Live-Aufnahmen von Songs handelt, die ansonsten auch auf der Scheibe sind, hier ist wohl eher das Sammlerherz gefragt, als dass man das Gefühl hat, einen wirklichen Mehrwert bei den Songs zu haben. Habe ich rosarote Nostalgie-Ohrwärmer auf, dass ich so von diesem Album schwärme? Keine Ahnung, ich wage zu behaupten, dass das nicht alles sein kann, denn das neue Metallica-Album habe ich ganz klar nicht so gefeiert. WARPATH sind Musik gewordene Misanthropie! Wer Musik braucht, um seine schlechte Laune zu verarbeiten, der wird hier fündig, und wer gute Laune hatte, der kann sich von diesem Album sicherlich auch ganz schnell runterziehen lassen (also, im positiven Sinne! Das klingt paradox, ist es wahrscheinlich auch, egal)! Nicht umsonst bezeichnet die Band ihren Musikstil auch als Hate Metal. Aber entscheidend dabei ist: dieser Haß richtet sich nicht gegen irgendwen spezifisch. Es gilt immer noch: „We are against everyone!“ Apropos: genau diese Stampfparts fehlen mir ein wenig auf "Bullets For A Desert Session", aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Danke für das Comeback, und hoffentlich bleibt das nicht bei nur einem Album! Album-VÖ: 13.01.2017 5-Blitz