(International Death Cult/ Kobalt Label Services/ Rough Trade)

FRANK CARTER, 32 Jahre: Tattookünstler und Musikgenie. Wenn man dem Genre des Hardcore und/oder Punkrock zugetan ist, wird man zwangsläufig über den Namen gestolpert sein. Seine Vita liest sich nach einer Dekade Musikschaffens ziemlich beeindruckend: Angefangen bei den wütenden Gallows über Pure Love (und deren Neudefinition von gitarrenorientierter Popmusik) und der aktuellen Destination FRANK CARTER & THE RATTLESNAKES - immer auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern, unruhig und ein Kreativitätsvulkan - das alles macht FRANK CARTER aus.

Nun scheint er angekommen zu sein, denn FRANK und seine RATTLESNAKES veröffentlichen nach dem Hassbrocken "Blossom" von vor zwei Jahren, das Album "Modern Ruin". 12 neue Kompositionen, die wieder eine gänzlich andere Facette des Briten zeigen. Was kann nach dem vertonten Wutanfall "Blossom" kommen?

Nach dem Intro 'Bluebelle' geht es mit 'Lullaby' richtig los. Im Grunde macht es keinen großen Sinn, jeden Song einzeln zu sezieren, da "Modern Ruin" als Album funktioniert. Die Wut, die FRANK CARTER bei der Produktion des Vorgängeralbums in sich getragen hat, wurde nach der Geburt seiner Tochter Mercy weniger. So entsteht der Eindruck, dass "Modern Ruin" zwar nicht milde geworden ist, aber ein paar Gramm Positivität abbekommen hat.

Wenn man sich Songs wie 'Snake Eyes' oder die grandiosen 'God Is My Friend' und 'Wild Flowers' anhört, spürt man die Intensität, die Herrn Carter antreibt. Durch das geschickte Setzen von Melodien, die im ersten Moment gar nicht spektakulär wirken, aber sich unterbewusst ins Stammhirn fräsen, wird eine Langzeitwirkung generiert, die "Modern Ruin" auch nach etlichen Wochen intensiven Hörens spannend macht.

Das zweite Album von FRANK CARTER & THE RATTLESNAKES liegt näher beim Projekt Pure Love, als es vielleicht geplant war. Aber es gibt auf "Modern Ruin" auch Momente, die Aggressivität transportieren - ob nun der knapp einminütige PunkRocker 'Jackals', der Titeltrack, der sich gut auf "Blossom" gemacht hätte oder der abschließende Song 'Neon Rust', der sich vom langsamen Neo-Grunge in ein atmosphärisch-dichtes Crescendo entwickelt.

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Frank Carter Photo By Bella Howard

"Modern Ruin" strotzt vor Ideen und überraschenden Arrangements. Die Erwartungshaltung war eine gänzlich andere, deswegen ist die Überraschung um so mehr gelungen. Ein Album, welches nicht sofort zündet, sich aber auf lange Sicht durchsetzen wird.

Album-VÖ: 20.01.2016

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