(Listenable Records/ Edel)

Die hierzulande eher unbekannte franzözische Rock `n Roll Band STICKY BOYS veröffentlicht dieser Tage ihr mittlerweile drittes Studioalbum. Dieses hört auf den Namen "Calling The Devil". Das Pariser Trio hat sich 2012 gefunden und teilte die Bühne bereits mit Genrekollegen wie Nashville Pussy oder Y & T.

Das im genannten Genre keine Innovationspreise zu gewinnen sind, sollte hinlänglich bekannt sein. Es geht darum, den Hörer an den Eiern zu packen (im übertragenen Sinn) und etwas kurzweiliges zu erschaffen. Es soll Spass machen, es muss laut zu hören sein und die Birne freipusten. Nicht mehr und nicht weniger - das ist Rock `n Roll!

Die überflüssigste Erfindung seit es populäre Musik gibt - das Intro. Ich möchte nicht darauf vorbereitet werden, was mich eventuell erwartet - ich will, dass es ab der ersten Sekunde knallt. Somit ignoriere ich den ersten "Song" und widme mich 'Better Days'. Guter Midtempo-Stomper mit okayem Refrain. Durchschnittware in meinem Augen, aber mit viel Hingabe vorgetragen.

'Good Morning Sunshine' atmet einen angenehmen Punk-Spirit und unterhält ebenfalls gut. 'Tough Machine' legt nochmal `ne Schippe drauf und scheint eine Vorbeugung vor Motörhead und deren Up-Tempo-Songs zu sein.

Es folgt 'The Lonely Tree', der qualitätsmäßig anschliesst und das erste Drittel von "Calling The Devil" zu einer lohnenden Angelegenheit macht. Schön dreckiger Rock, trockene Riffs und crispy Gesang - so darf´s gerne weitergehen.

Ein Bruch folgt mit dem überflüssigen Interlude 'The Vision' und der langatmigen Ballade 'An Afternoon In The Park', der jeglicher Spannungskurve die Dynamik raubt. Auch wenn 'Ready To Go' kurz darauf wieder losballert (erinnert etwas an The Bones), ist die Luft mit einem Schlag raus.

Der Titeltrack und 'Real People' sind ebenfalls fett produzierte Rocker, die sich auf jeder Danko Jones B-Seiten-Compilation wunderbar machen würden. Allerdings scheint es der feste Wille von STICKY BOYS zu sein, null Abwechslung zu generieren - darunter leidet etwas die Aufmerksamkeit des Zuhörers. Und nein, (Balladen-) Experimente wie 'Drifting Away' sind keine Beispiele für Abwechslung, sondern nerven wie die Hölle.

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Sticky Boys Photo by Nicko Guthal

Die STICKY BOYS schaffen es, mich mit "Calling The Devil" zwiegespalten zurückzulassen. Einerseits mag ich den unspektakulären Rock `n Roll-Style der Jungs, andererseits nervt mich die penetrante Wiederholung jeglicher Klischees. Vielleicht ist es Ironie, möglicherweise aber auch der Versuch dem Genre Tribut zu zollen.

Es reicht bei der Bewertung zu etwas mehr als dem Durchschnitt, weil Attitüde und Handwerk stimmen und das Trio aus Paris sympathisch wirkt. Live bestimmt ein schönes Entertainment-Programm.

Album-VÖ: 27.01.2017

3.5-Blitz