(Nuclear Blast Records)

Goldene Zeiten für Thrash Metal aus deutschen Landen. Nachdem Sodom mächtig vorgelegt haben, ist es nun an KREATOR, nachzuziehen. Mit ihrem 14. Studioalbum "Gods of Violence" liefern KREATOR mächtig ab! Der dreijährige Entwicklungsprozess des Albums begann bei Chefdenker Mille Petrozza bei der kritischen Betrachtung der politischen Weltlage. Ganz speziell die Terroranschläge von Paris ließen Mille einen roten Faden im menschlichen Dasein entdecken. Von der Antike an bis hin zur Neuzeit gewinnt das „Böse“ im Menschen stetig die Oberhand.

„Religion hat aktuell wieder eine Bedeutung erlangt, die ich vor 20 Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Da findet eine wahnsinnig gefährliche Polarisierung statt, die dazu führt, dass wir alle einander immer mehr hassen. Darüber wollte ich schreiben.“
Aus dieser Überzeugung hinaus wurden die ersten Songs entwickelt und daraus entstand auch der Titel des Albums: "Gods of Violence".

Die schlechte Nachricht vorweg - das Album enthält zwei durchschnittlich gute KREATOR-Tracks mit 'Army Of Storms' und 'Totalitarian Terror'. Diese klingen typisch für die Band, besitzen aber keinen Suchtfaktor. Jetzt zur guten Nachricht - der Rest dieses Bretts von Thrash-Album ist schlichtweg unfassbar! Unfassbar abwechslungsreich, unfassbar epochal und unfassbar gewaltig prügelt sich KREATOR in den Gehörgang. Beginnend mit dem Opener 'Apocalypticon', der einem Einmarsch der Gladiatoren gleicht und mit Trommeln und Chören der brachialen Welle die Bühne vorbereitet. Im darauffolgenden 'World War Now‘ wird gleich das Titelthema des Albums aufgegriffen. Mille bezeichnet dieses geschilderte Szenario als einen Krieg „in dem die Waffen auf allen Seiten Hass und religiöse Verblendung heißen“. Genau dieser Hass wird in der kraftvollen und zudem abwechslungsreichen musikalischen Gestaltung des Tracks verdeutlicht. Im Folgenden bietet das Album nicht nur die gesamte Bandbreite die KREATOR seit vierzehn Alben an den Tag legen sondern überrascht immer wieder mit spannenden Neuerungen und Gastauftritten.

Unterstützung bekommen die Essener zum Beispiel bei 'Satan is real' von Fleshgod Apocalypse, die mit einem Orchester den Song bereichern. Die italienischer Metaller sorgen bei insgesamt vier Songs für den atmosphärischen Background. Auch das Harvenspiel der erst zwölfjährigen Musikerin Tekla-Li Wadensten bei dem Titeltrack 'Gods of Violence' kommt für Fans wohl auch eher unerwartet. KREATOR zeigen eindrucksvoll, dass in der über 30jährigen Bandgeschichte immer noch Platz für eine sehr gute Mischung aus Bewährtem und Neuem besteht. Und falls irgendwer daran noch zweifeln sollte, haut Mille die ersten deutschen Lyrics ever auf einem KREATOR Album raus. In 'Fallen Brothers' schmettert uns der Frontmann „Wir vergessen nicht, was war“ entgegen. Und auch die Ruhrpottmetaller vergessen nicht, was die Fans all die Jahre lang bei der Stange gehalten hat. Mächtig viel Druck und Energie wie zum Beispiel in 'Hail to the Hordes'. Erwähnenswert ist die fast klassische Gitarrenarbeit von Sami Yli-Sirniö, welche noch nie soviel in Gitarrensoli zur Geltung gekommen ist wie auf "Gods of Violence". Der Anspieltipp und meiner Meinung nach ein echter Hit ist auf dem Album ebenfalls zu finden. 'Side by Side' bietet neben einem Ohrwurmrefrain und Mitgröhltexten eine sehr eingängige fast schon „maidenhafte“ Dynamik und geht direkt durch Mark und Bein. Abgeschlossen wird dieses epochale Werk durch 'Death Becomes My Light', einem 7:27 Minuten lang fast schon progressivem Werk mit einem gesprochenem Gesang, der in einem treibenden Riff dem Album einen würdigen kraftvollen Ausklang bietet.

Kreator2016 by Robert Eikelpoth

Kreator2016 by Robert Eikelpoth

Nach "Phantom Antichrist“ legen Mille Petrozza, Sami Yli-Sirniö, Christian Giesler und Ventor mit "Gods of Violence" einen wirklich starken Nachfolger hin. Zudem kann man sich sicher sein, dass KREATOR mit der folgenden Tour und diversen Festival Headliner-Shows alles zwischen Nord- und Südpol abreißen werden.

KREATOR haben mit diesem Werk definitiv ein Highlight für 2017 gesetzt und verdienen mit 6 von 6 Blitzen die Höchstwertung!

Album-VÖ: 27.01.2017

6-Blitz