(Rodeostar / Soulfood)

NAVARONE haben mit ihren zwei bisherigen Studioalben "A Darker Shade Of White" (2012) und "Vim & Vigor" (2014) sowohl Presse als auch Fans begeistern können. Zudem hat die niederländische Formation um Ausnahmesänger Merijn van Haren bei zahllosen Clubshows und wichtigen Festivalauftritten in ganz Europa der Szene ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Mit "Oscillation" steht nun das dritte Album bevor.

Gott hilf, das schwierige dritte Album! Doch keine Bange, wir können Entwarnung vermelden. Wo es bei vielen Bands eigentlich bereits nach dem Demotape nur noch bergab geht, haben NAVARONE es geschafft, eine andere Richtung einzuschlagen und sich somit zu einer der stärksten und gleichzeitig unterschätztesten Rockband Europas zu entwickeln.

So hat man bei "Oscillation" wieder einige Stellschrauben verändert und ein wunderbar vielseitiges Rockalbum eingespielt, welches vor Kraft, Ideen und Dynamik nur so strotzt.

„Wir haben monatelang an Ideen gebastelt und bereits im Vorfeld der Studioaufnahmen unseren Produzenten Joost van den Broek in den Entstehungsprozess einbezogen“, blickt Schlagzeuger Robin Assen auf eine überaus effektive Kreativphase zurück. „Allein für die Vorproduktion nahmen wir uns sechs Wochen Zeit, die eigentlichen Aufnahmen dauerten dann sogar volle zwei Monate. Sehr aufwändig also, aber wir betrachten es als lohnende Investition in unsere Zukunft.“
Diesen scheinbar sehr aufwendigen Entstehungsprozess hört man "Oscillation" zwar an, es klingt aber zu keiner Sekunde anstrengend oder verkopft. Den Start ins Album markiert mit 'Snake' ein solider Stampfer der Marke Wolfmother. Und wo anderen Bands nach drei Minuten die Ideen ausgehen, setzen NAVARONE noch einen verdammt guten Instrumentalpart hinten dran. 'Lonely Nights' kommt anschließend noch etwas zackiger daher, nervt aber mit einer Gitarre die sich wie ein Zahnarztbohrer anhört. Also schnell ein Hit hinterher, was mit dem zwei Minuten Arsch-Tritt 'Showtime' dann auch gelingt. 'Free Together' fährt dann ganz dick auf. Percussion-Instrumente, analoge Synthesizer und ein richtiges Orchester mit Streichern und Bläsern erhalten Einzug. Stark, definitiv ein Highlight der Platte.
'Soon I'll Be Home' ist als erste Single des Albums auserkoren, kann aber eigentlich nicht als stellvertretend für den Sound der Band angesehen werden. Viel zu catchy, viel zu aufgedreht. Aber scheinbar kann NAVARONE auch diese Seite bedienen.

Mit 'Shadow' kann ein erfolgreicher Kontrast gesetzt werden und man muss tatsächlich nochmal nachschauen, ob da inzwischen nicht eine andere Band am werken ist. Ist es aber nicht. 'Step By Step' ist dann sogar leicht metalmäßig angehaucht.'Chrome' und 'Unmastakably Everything' bieten vor allem der beeindruckenden Stimme von Ausnahmesänger Merijn van Haren ausreichend Platz sich zu entfalten, sind aber insgesamt eher ruhig angelegt. Das große Orchester gibt es dann nochmal bei 'Days Of Yore', welches auch unter den Highlights von "Oscillation" verbucht werden kann und einen perfekten Schlussstrich unter dem Album gezogen hätte. Es folgt jedoch noch der verzichtbare Schmachtfetzen 'Don't Belong'. Verschmerzbar, denn NAVARONE machen auf dem gesamten Album doch eine ganze Menge Sachen richtig.

Album-VÖ: 20.01.2017