(Uncle M Music/ Cargo Records)

Punkrock aus Berlin, den haben sich SMILE AND BURN auf die Fahnen geschrieben. Und dieser wird nun zum vierten Mal als Longplayer von den Jungs in Form von "Get Better Get Worse" präsentiert. Schon eine ganze Weile sind SMILE AND BURN keine kleine Nummer mehr, welches nur als Strohfeuer wahrgenommen wird. Durch zahlreiche Live-Gigs, auch im asiatischen Raum, spielten sie sich in die Herzen so mancher Anhänger. Diese Herzensangelegenheit soll mit dem neuen Werk intensiviert werden. Ob ich mich jetzt "better" oder "worse" fühle, erfahrt ihr im Folgenden.

Mit 'Not Happy' schießt das Quintett los und hier wird schnell klar, dass es rockig nach vorne gehen soll. Dabei wird sich die Seele aus dem Leib geschrien, unterstützt von Crew-Vocals. Hier ist anzumerken, dass der Zerr-Effekt über der Stimme stark an die guten alten Beatsteaks erinnert. Berliner Schule halt. Nebenbei geben leicht disharmonische Klänge dem Sound temporär noch eine gewisse Würze.

'Bye Bye Perfect' wartet lyrisch wieder mit regelmäßiger Crew-Unterstützung auf, welche uns noch über weite Strecken von "Get Better Get Worse" begleiten wird. Ansonsten ein recht gradliniger Track. Und wenn mir jemand einen Tipp geben würde, wo ich diese penetrante, jedoch nicht schlechte Melodie des Refrains schon einmal so oder ähnlich hörte, wäre ich ein Stück schlauer. Etwas nachdenklich kommt ein steter Basslauf bei 'Good Enough' daher, welcher mit Singalong-Manier garniert wird und sich einfach gut anfühlt. Ein Song, der wohl noch zehn Minuten so weiter gehen könnte ohne dass es anstrengend werden würde. Im weiteren Verlauf bestimmt die Erwartungshaltung des Hörers über "better" und "worse". Wer nun ein verspätetes Neujahrsraketenfeuerwerk vermutet, wird mit Wunderkerzen abgespeist, denn 'Lie To Me' ist durchaus hörenswert, doch bleibt man hier auf der Bremse anstatt einen Gang hoch zu schalten.

Auch der groovige Bass bei 'Running On Edges' bleibt im Mid-Tempo, während der Gesang weiterhin versucht alles nach vorne zu peitschen. Auch der Gitarrensound bleibt, trotz verspielter Note und Hall-Effekten, eher verhalten. Erst mit 'One Step Forward' geht es wieder einen Schritt vorwärts (jaja, haha), das Tempo wird angezogen, schönes Main-Riff, schöne Bridge, schöner Refrain, schöner Song!

Nach einem kurzen Erwachen zeigt sich in Form von 'All Be Okay' wiederum schleppendes Drumming mit prägender Bassline und, wie man schon erwartet hat, eine Menge Crew-Vocals. Hier wird wieder auf sphärischen Aufbau gesetzt. 'Home' springt hier nicht aus der Reihe, ist jedoch aufgrund eines verdammt guten Chorus ein absoluter Anspieltipp! Und kurz vor dem Ende packen SMILE AND BURN direkt nach dem coolsten Refrain das lässigste Riff aus, denn hier kommt 'Nowhere Near You'. Für mich der überraschende Höhepunkt von "Get Better Get Worse". Ein Song, der so unbeschwert klingt, als würde das Riff beim Jammen angespielt und alle sind sich einig: "Spiel das nochmal, da machen wir jetzt was draus!" Wäre für mich ein guter Rausschmeißer gewesen, aber hierfür steht 'Suitcase' Pate, der schon in den ersten Takten auffallend dazu auffordert, den einleitenden Refrain kräftig mitzusingen. Doch leider zündet dieser nicht wirklich, da ihm die Würze, die wir zu Beginn bekamen, mittlerweile anscheinend abhanden gekommen ist.

Smile_And_Burn_Photo_by_Max_Threlfall

Smile And Burn Photo by Max Threlfall

Am Ende bleibt mit "Get Better Get Worse" ein Album mit viel verschenktem Potential. Viele gute Songs in verhaltener Grundstimmung, denen leider häufig eine Akzentsetzung fehlt, die das Ganze eine Ebene höher getragen hätten. Solide ja, aber für die Champions League reicht es dieses Mal nicht. Da sollen sie sich ja live befinden, um den Studioaufnahmen die richtigen Ecken und Kanten zu verpassen, die sie vielleicht noch bräuchten.

Album-VÖ: 03.02.2017