(SO Recordings/ Rough Trade)

DEAF HAVANA. Den Namen samt dazugehöriger melodiöser Rockmusik hörte ich 2008 das erste Mal im Vorprogramm von Jack Johnson auf der Loreley in Rheinland-Pfalz. Die Mischung passte damals gar nicht, dennoch blieb mir diese authentische junge Band im Ohr und Herzen.

Dennoch packte es die 2005 in Norfolk, England, gegründete Band erst 2013 mit ihrem Album "Old Souls" in die oberen Ränge des britischen Rock-Olymp. Top 10-Platzierung inklusive. Doch irgendwas stimmte nicht. Es kam zu finanziellen Problemen und irgendwie sprach man in der Band nicht mehr die selbe Sprache. So stand DEAF HAVANA kurz vor der Auflösung. Sänger Veck-Gilodi hatte zudem mit Depressionen und Alkoholsucht zu kämpfen.

Hört man in das neue Album "All These Countless Nights" rein, realisiert man sofort, dass die Band dann eine große Veränderung durchgemacht hat. Schon die erste Single 'Sing', welche mit einem absolut treibenden Riff eine bisher nicht gekannte Härte bei DEAF HAVANA freisetzt, lässt einen erahnen, dass auf diesem Album nichts zurückgehalten wird.

Die Lyrics auf "All These Countless Nights" sind so schonungslos direkt und ehrlich, man hat das Gefühl, Veck-Gilodi von innen nach außen kennenzulernen. Er lässt nichts aus und lädt den Hörer ein, sich mit ihm zusammen seinem Leben zu stellen. Veck-Gilodi hat aber mittlerweile sowohl seine Ängste, als auch sein Alkoholproblem im Griff und ist überzeugt, dass sich das neue Album auch auf seine Band positiv auswirken wird.

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Deaf Havana Photo courtesy of SO Recordings

Musikalisch erwartet euch ein intimes, erwachsenes, sehr melodiöses Rockalbum, welches seine britischen Wurzeln nicht verneinen kann. Die Einflüsse sind jedoch vielfältig, fußen jedoch allesamt im erdigen Rock. Harmonie und tragende Sounds bestimmten das fokussierte Werk, welches zu keinem Zeitpunkt aus seinem Konzept auszubrechen droht. Endlich mal wieder eine Platte, die man gut durchhören kann. Und dann wieder. Und wieder. Werden DEAF HAVANA irgendwann mal wieder in der Nähe sein - ich werde definitiv zum Konzert gehen.

Wer z.B. We Are The Ocean, Mallory Knox, The Blackout, Don Broco und Lower Than Atlantis mag, dem sei "All These Countless Nights" ans Herz gelegt!

Fazit:
Ein großes Glück, dass DEAF HAVANA die Kurve bekommen haben. Das neue Album nimmt einen mit auf die innige musikalische Reise mit ihrem Sänger, welcher sich seinen Ängsten und Dämonen stellt. Er sagt selbst zu "All These Countless Nights": „Dieses Album muss uns auf ein höheres Level bringen. Nicht unbedingt was Chartspositionen angeht, denn die sind uns eigentlich egal. Ich kann es nur einfach nicht erwarten, bis die Leute das Album endlich hören.”

Recht hat er, hört euch dieses echt gute Stück an!

Schnelleinstieg in das Album: 'Sing', 'Fever' und 'England'.

Album-VÖ: 27.01.2017