(Epitaph Europe/ Indigo)

THE MENZINGERS, die Band, die es seit mittlerweile knapp über einer Dekade schafft, famose PunkRock-Sing-A-Longs hinzuzaubern, ohne ihren eigenen Anspruch zu verraten. Das hohe Maß an Eigenständigkeit, Eingängigkeit und Authentizität führt dazu, dass sich der Vierer aus Scranton, Pennsylvania einen einzigartigen Wiedererkennungswert erarbeitet hat. Kein Fan von amerikanisch-geprägten Midtempo-Punkrock (soll heissen: perfekt produziert, Melodien die hängenbleiben und kleine Ecken, an denen man sich reiben kann) wird jemals behaupten, dass THE MENZINGERS eine schlechte Band sind.

"After The Party" heißt das fünfte Studioalbum und versucht mit 13 Tracks dem Hangover entgegenzuwirken. Soweit also die Fakten - aber lasst uns nun in den einzigartigen Kosmos der MENZINGERS eintauchen und uns eine Dreiviertelstunde ablenken, gefangennehmen und feiern.

Wer so einen Starter wie '20´s (Telling Lies)' im Repertoire vorweisen kann, hat die Herzen und gereckten Fäuste direkt auf seiner Seite und kann im Folgenden eigentlich nichts mehr falsch machen. Die Wohnung ist nach dem ersten euphorischen und unkontrollierten Tanzversuchen eh zerstört, also kann man bei 'Thick As Thieves' gleich weiterschunkeln.

Dann kommt der im letzten Jahr veröffentlichte Teaser 'Lookers' zum Zuge, der von manchen als einer der "Songs des Jahres" tituliert wurde. Nicht ganz zu unrecht, wie ich anmerken möchte, da hier alles passt - oberes Mid-Tempo, eine Melodie zum niederknien und grandios gesungen. Gelungener kann Punkrock nicht klingen.

'Midwestern States' fällt in Folge etwas ab, was aber dem unkreativen Chorus geschuldet ist, der die Strophen nicht zum notwendigen Höhepunkt führen kann. 'Charlie´s Army' (wegen der Inbrunst) und 'House On Fire' (die flirrenden Gitarren) rücken den überaus positiven Gesamteindruck aber wieder zurecht.

Das wunderbar zurückgenommene 'Black Mass' wird mit viel Gefühl vorgetragen - es passiert im Grunde nicht viel, es bleibt aber hängen und wirkt nach. Es ist ein langsames Stück ohne als Ballade deklariert zu werden, welches zum richtigen Zeitpunkt auf der Platte platziert ist. Nach dem Enthusiasmus folgt ein Moment der Besinnung. Man kann durchatmen, um die zweite Hälfte von "After The Party" in Angriff zu nehmen.

Denn 'Cobra Boy Blue' transportiert wieder dieses einzigartige THE MENZINGERS-Gefühl. Fette Riffs, druckvolles Drumming und der Hang zu Melodien, die gefeiert werden wollen. Mehr geht nicht - der Frühling darf kommen!

Und als ob das nicht schon mehr ist, als man von anderen Bands im Genre teilweise geliefert bekommt, schalten THE MENZINGERS einfach noch einen Gang höher und präsentieren mit 'Bad Catholic' und 'Wings (Your Wild Years)' die nächsten designierten Live-Knaller.

'Bars' und der nachgeschobene Titeltrack verbinden wütende Elemente mit dem traumwandlerisch sicheren Gespür für emotionale Momente und packen den Fan treffsicher am Schlawittchen - keine Chance sich dem MENZINGERS-Sound zu entziehen. Und das ist auch gut so.

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The Menzingers Photo by Charles Wrzesniewski

Der Rausschmeisser 'Livin` Ain`t Easy' kommt unprätentiös um die Ecke und beschliesst "After The Party" unspektakulär.

THE MENZINGERS gelingt mit "After The Party" das erste richtige Punkrock-Highlight in diesem noch jungen Jahr. Durch das wirklich exzellente Songwriting wirkt die Platte vermutlich lange nach und bleibt ein Kandidat für die unvermeidlichen Bestenlisten.

Album-VÖ: 03.02.2017