(Rise Records/ BMG Rights Management/ Warner)

DAVE HAUSE zeigt uns mit "Bury Me In Philly" seine erwachsene Seite, nachdem er dem Spaßmobil The All-Brights seine Stimme geliehen und einige Liveshows mit seiner legendären Punktruppe The Loved Ones absolviert hat.

Aber nach "Resolutions" und "Devour" war es ihm ein Bedürfnis, wieder seine Klampfe herauszuholen und uns seine Interpretation von Billy Bragg & Bruce Springsteen-infizierten Americana-Roots-Rock aufzudrängen.

Es ist ja nicht so, als wenn das eine exclusive Idee wäre - wer schon einmal Chuck Ragan, Brian Fallon, Jon Snodgrass oder Rob Lynch gehört hat, kann sicher auch den Namen DAVE HAUSE fehlerfrei buchstabieren. Eines ist den Jungs gemein: Punkrocker im Herzen, das Lagerfeuer vor Augen und Befindlichkeiten akustisch untermalen.

Da Mr. HAUSE seine Backingband The Mermaids nicht nur auf Tour mitbringt (s.u.), sondern diese auch komplette Unterstützung bei den Aufnahmen zu "Bury Me In Philly" geleistet haben, klingt ein gewisses Band-Feeling durch, was den Soloanspruch etwas konterkariert. Aber sei´s drum - der Einstieg mit 'With You' ist super gelungen und der Midtempo-Rocker macht Lust auf mehr.

Produziert wurde "Bury Me In Philly" von Eric Bazilian (The Hooters) - und transportiert diesen sehr auf Americana getrimmten Sound, der für mitteleuropäische Ohren sehr laid-back und unspektakulär klingt. 'My Mistake' kommt einfach nicht aus der Hüfte und könnte auch eine B-Seite einer Tom Petty Single sein. Durch die angenehm warme Stimme von DAVE HAUSE bleibt die Aufmerksamkeit bestehen, allerdings ist das Radio21-Frühstücks-Musik.

Die Punkrock-Roots schimmern bei 'Shaky Jesus' minimal durch und schaffen es mit einem emotional gesungenen Refrain zu punkten. Vorher gab es mit 'The Mermaid' eine Blaupause zum Thema Blues-Rocker 2.0, welcher dank tollem Backing-Gesang und strukturell spannenden Songaufbau überzeugen konnte. Völlig unerwartet, deswegen umso überraschender.

'Dirty Fucker' ist, wie bei dem Titel nicht anders zu erwarten, der musikalisch und textlich wütendste Song und trägt eine Dringlichkeit in sich, die den politischen Anspruch von DAVE HAUSE präsentiert (schliesslich ist er auch einen Tag nach der Inauguration des Vollidioten Trump beim "Women´s March" in Washington mitgelaufen, um seine politische Position deutlich zu machen). Wichtiger Song zum rechten (sic!) Zeitpunkt.

Bei 'The Ride' habe ich Cowboys vor Augen, 'Helluva Home' ist ein lupenreines "The Boss"-Vehikel (oder meinetwegen ein The Hold Steady-Verschnitt) und 'Wild Love' langweilt mich mit seinem ziellosen Rumgeklimper zu Tode. Wenn es der Titeltrack mit seinem schwungvollem Wesen nicht noch am Ende rausgerissen hätte, wäre pure Enttäuschung übrig geblieben.

Klar werden auch Punkrocker erwachsener/ nachdenklicher - aber kann Altersmilde nicht etwas zupackender klingen?

Dave_Hause_Photo_courtesy_of_Rise_Records

Dave Hause Photo courtesy of Rise Records

Vermutlich ist das einzige Problem, dass sich meine persönliche Erwartungshaltung einfach nicht erfüllt hat. Songwriterisch ist das alles im oberen Mittelfeld anzusiedeln und durch seine verdiente Reputation ist DAVE HAUSE auch definitiv ein Erfolg zu gönnen.

Allerdings lässt mich "Bury Me In Philly" erstaunlich emotionslos zurück - vielleicht ein Album, welches mehrere Anläufe braucht (hat bei mir bloß nicht funktioniert)? Live bestimmt ein Ticken rockiger und spannender.

DAVE HAUSE & THE MERMAID - live 2017:
 
mit: Dead Heavens und Robyn G Shiels
 
01.03. DE - Köln - Gloria
02.03. DE - Hannover - Faust
03.03. DE - Berlin - Gretchen
04.03. DE - Münster - Skaters Palace
05.03. DE - Wiesbaden - Schlachthof
06.03. AT - Wien - Arena
07.03. DE - München - Strom
08.03. CH - Zurich - Dynamo
09.03. DE - Stuttgart - Universum
10.03. NL - Rotterdam - Roton
11.03. BE - Hasselt - MOB
 

Album-VÖ: 03.02.2017