(MVKA Records / Radicalis / Rough Trade)

Gestromt-Redakteur Hans meint...

ZEAL & ARDOR ist das Produkt vom Schweiz-Amerikaner Manuel Gagneux. Das Konzept basiert auf dem Gedanken - was wäre wenn die amerikanischen Sklaven seinerzeit, wie die Norweger in den 90er Jahren durch die Gründung des Black Metal, als Auflehnung gegen die Christianisierung, ähnlich rebelliert und sich Gott abgewendet hätten. 
Auf die Idee gebracht wurde der Schweizer mit afro-amerikanischen Wurzeln via 4chan, als er auf der Website die Frage in den Raum stellte, welche ungleichen musikalischen Genres er kombinieren solle. Die recht rassistische Antwort lautete Black Metal mit "nigger music". Die Provokation außen vor lassend entstand so die Verbindung aus schwarzen Sklavengesängen und Black Metal, gepaart mit Gospel und Blues.

Photo by Matthias Willi

Mit "Devil Is Fine" erscheint nun das neun Track umfassende Debüt Album, welches auf der kurzen Spielzeit von gerade einmal 25 Minuten möglichst viel Vielfalt und Genreüberschneidungen bietet. Für mich ist das Erstwerk von ZEAL & ARDOR eher eine, durch chants und Glockenspiel, gestreckte EP geworden, welche jedoch vollends überzeugen kann. Es gibt nur recht wenig gesungenen Text und dieser wiederholt sich häufig stark und ist in keinem Fall tiefgehend, doch durch die permanenten Tempowechsel, screams, Synthie Spielereien und das stets homogen platzierte Kettenrasseln wirkt "Devil Is Fine" zu keiner Zeit monoton und ist überaus unterhaltsam und interessant.

Live soll die ohnehin schon groteske musikalische Darbietung noch durch nie gesehene live Elemente getoppt werden, Gagneux dazu: "Unsere Show soll eine abgefahrene Mischung aus einem Konzert und einem wirklich abgefuckten Theaterstück werden. Nicht nur etwas, das die Leute vorher noch nie gehört, sondern eben auch noch nie gesehen haben. Und es soll sie verängstigen aber gleichzeitig sollen sie es lieben. Das ist, was ich erreichen will."

 

Gestromt-Redakteur Marc meint...

Gerade mal 24 Minuten dauert das Debütalbum von ZEAL&ARDOR, welches der schweiz-amerikanische Musiker Manuel Gagneux im Alleingang aufgenommen hat und bereits 2016 auf eigene Faust veröffentlicht hat. Am 24. Februar erscheint "Devil Is Fine" nun auch in Deutschland. Ich prophezeie einen Siegeszug.

Das schöne am Hobby „Musikrezensionen“ ist doch die Tatsache, dass man immer mal wieder etwas neues entdeckt, was unter geregelten Umständen niemals den Weg auf den eigenen Plattenteller gefunden hätte. Und da finden sich bisweilen einige Perlen, mit denen man nicht ansatzweise gerechnet hätte. Zu diesen seltenen Perlen zählt seit Beginn des Jahres auch die Band ZEAL&ARDOR, welche einen ganz eigenen Sound für ihr Projekt beanspruchen können. Es finden sich Elemente des Black Metal, einige Blues Komponenten, Electro Versatzstücke, Hip Hop Anleihen und bei solch einem wilden Mix unumgänglich: Jazz.

Möchte man ZEAL&ARDOR also einen Stempel aufdrücken, so wird man scheitern. Satanic Soul? Oder eben doch nicht...umso lohnenswerter scheint es, sich einmal eingehender mit "Devil Is Fine" zu beschäftigen. Als Opener gibt es den Titeltrack des Albums, welcher vor einigen Tagen auch für den Schweizer Radiosender Couleur 3 in Lausanne live eingespielt wurde. "Es war unser erster Auftritt als Band überhaupt", sagte Bandchef Gagneux. "Es ist surreal, seine erste Show in einem eleganten Radiostudio zu spielen, aber wir sind super glücklich mit dem Ergebnis."

In 'Devil Is Fine' steckt hörbar mehr, als nur die Idee eines diabolischen Gospelansatzes. Vor allem die Moll tragende Klaviatur im Hintergrund, setzt einen interessanten Contrapart zu den mantraartig vorgetragenen Sklavengesängen. Aber wo steckt der Black Metal? Der lugt dann bei 'In Ashes' zunächst verschämt um die Ecke, um bei 'Come On Down' endlich aus dem Schatten der anderen Musikstile zu treten. Dazwischen gibt es mit 'Sascrilegium – Part I' ein kleines Zwischenspiel, welches man auch bei Enter Shikari aus dem Studio entwendet haben könnte. Allerdings mit Mönchschören.

'Come On Down' gehört definitiv zu den Highlights. Auch wenn es zunächst etwas gemächlich mit einer Prise Soul und Blues eingeleitet wird. Doch spätestens wenn nach dreißig Sekunden die Drums einsetzen und ein galliges Metalriff den Song auf eine andere Ebene hebt, platzen einem die Synapsen vor Freude. Der ganze Track schunkelt im weiteren Verlauf so wild zwischen den Genres hin und her, als ob es eine Nussschale auf dem offenen Ozean in einem Tornado wäre.

'Childrens Summon' lässt einen anschließend auch nur bedingt zu Ruhe kommen. Zunächst ein Glockenspiel, welches an Yann Tiersens Amélie-Soundtrack erinnert, nur in doppelter Geschwindigkeit und nach dreißig Sekunden setzt ein kurzes Core-Gewitter ein, welches direkt von den Mönchsgesängen beendet wird. Der Track ist ein nonstop Ritt durch fünf verschiedene Musikgenres und wirkt dabei sogar recht stimmig. Mit 'Sacrilegium - Part II' folgt erneut ein kleines Zwischenspiel, welches ich für meinen Geschmack an dieser Stelle nicht gebraucht hätte. 'Blood In The River' sorgt anschließend dafür, dass der Grundansatz von Zeal&Ardor wieder ins Bewusstsein gerät. Mit den letzten beiden Tracks des Albums bekommt man dann noch einen Ausflug in den Classic-Rock Bereich und ein weiteres Instrumental spendiert.

UNterm Strich steht hier das mutigste und erfrischendste Album, welches ich dieses Jahr bisher auf die Ohren bekam. Lässt sich dieser Einfallsreichtum auch nur halbwegs live auf die Bühne bringen, so wie es Gagneux vollmundig verspricht, könnte das ganz groß werden.

Album-VÖ: 24.02.2017