(New West/PIAS)

ALL THEM WITCHES haben es sich zwischen Stonerrock, Blues und Psychedelic mal so richtig gemütlich gemacht. Weniger Folk als auf den Vorgänger Alben, dennoch über weite Strecken so entspannt wie selten zuvor.

Neun Tracks beinhaltet das neue Album "Sleeping Through The War", welches zur Hälfte durch diverse Vorab-VÖs und Musikvideos bekannt sein dürfte. Zum Start gibt es das extrem langsam angehende 'Bulls', welches nach knapp fünf Minuten dermaßen durch die Decke geht, dass einem schwindelig wird. Die Jam-Explosion im Schlussteil wirkt dabei dennoch recht überlegt und macht Lust auf mehr. 'Don't Bring Me Coffee' kommt im Anschluss sehr eingängig daher und verwöhnt die Ohren mit einem Kyuss-Gitarren Trademark. Starker Track. Ebenso wie die bereits 2016 veröffentlichte Single 'Bruce Lee'. Der Garagenrocker inklusive Blues&Americana-Einschlag beweist, dass sich die Band aus Nashville auch kurz fassen kann. Gleiches gilt für das ebenfalls bereits vorab bekannt gemachte '3-5-7'. Und an 'Am I Going Up' dürften alle Menschen gefallen finden, die zwischendurch immer mal wieder zu Pink Floyd greifen.

Mit 'Alabaster' beginnt der Teil der Platte, den man sich erarbeiten muss – aber es lohnt. Irgendwo hört man wieder Kyuss raus und dazu gibt es Psychedelic reinster Güte. Eine siebenminütige Achterbahnfahrt im Freizeitpark Stoner Rock. "'Alabaster' handelt davon, eine Kultur hinter sich zu lassen, in der Leute für ihre Fehler niedergemacht werden", kommentiert Sänger und Bassist Michael Parks den Song. "Es geht darum, einen Platz in dieser Welt zu finden, an dem es okay ist, so friedlich wie die Tiere zu leben - ohne etwas zu erschaffen oder zu zerstören. Dort, wo es kein Gut und kein Böse gibt, wo man einfach nur lebt."

'Cowboy Kirk' türmt anschließend immer wieder Gitarrenmelodien so hoch auf, dass man Höhenangst bekommt. Beschlossen wird das Ganze vom Zehnminüter 'Internet', welcher vier Minuten durch einen Mundharmonika-Sumpf-Blues watet und anschließend sechs Minuten die Tür zum Jam-Raum offen stehen lässt.

Auch wenn der Veröffentlichungsrythmus von ALL THEM WITCHES den Verdacht nahe legt, dass es sich bei 'Sleeping Through The War' um einen missglückten Schnellschuss handeln könnte, dem ist bei weitem nicht so. Obwohl das Album in nur sechs Tagen entstand, überzeugt es über die komplette Spieldauer und ist zu keiner Sekunde beliebig.

Album-VÖ: 24.02.2017