(AFM Records/ Soulfood)

Okay, über 20 Jahre sind es mittlerweile auch schon bei den Kanadiern von DANKO JONES (1996 gegründet). Was damals brüllend mit "Born A Lion" (2002) begonnen hat, ist mitnichten leiser geworden - eher gemäßigter, überraschungsärmer - auch wenn einige Hits in den letzten Jahren herausgesprungen sind und mit "We Sweat Blood" und dem 2015er Album "Fire Music" bemerkenswerte Alben den Fan erfreut haben, ist der große Effekt weg. DANKO JONES funktioniert live immer, während es bei Studioaufnahmen teilweise sehr eintönig klingt.

Aber ich lasse mich von "Wild Cat" gerne eines Besseren belehren.

Um erst gar kein Klischee umschiffen zu müssen, geht es direkt mit 'I Gotta Rock' los - und selbst mir, dem Texte nicht allzu viel bedeuten, läuft ein eisiger Schauer der Fremdscham über den Rücken, wenn ich hier genauer zuhöre. Ansonsten ist das ein dick produzierter Rock-Arschtritt. Schon beim ersten Hören weiß man prinzipiell wohin die Reise geht - man erahnt das nächste Break und Solo, bevor es dann auch wirklich um die Ecke kommt.

'My Little RnR' packt die Kuhglocke aus, hat einen feinen Rock 'n Roll (wer hätts gedacht?)-Swing und verzückt mit einem schicken Sing-a-Long-Refrain. Der arrogant-überzeugende Gesangsstil von DANKO JONES passt hier komplett. Meist wirkt diese lässig-cool Attitüde ja zu aufgesetzt.

Während 'Going Out Tonight' nicht mehr als eine lockere Fingerübung ist, kann 'You Are My Woman' wenn schon nicht lyrisch, aber gesanglich überraschen. DANKO JONES probiert hier einen ziemlich warmen Vibe, der an 70er-Jahre erinnert und schön auf die Riffs, die ihn umtosen, abgestimmt ist.

Der Busta Rhymes-Gedächtnis-Pokal geht hiermit an 'Let's Start Dancing'. Herr JONES ist in den Strophen so dermaßen brutal schnell, dass man sich nur wundern kann, dass er sich nicht die Zunge gebrochen hat. Der Rest ist halt Rock 'n Roll.

So sehr ich eine gute Rock-Scheibe zu schätzen weiß, so sehr bin ich aber auch genervt, wenn ich mich mit Unkreativität abgespeist fühle. DANKO JONES kriegen zwischendrin immer mal wieder die Kurve, die mich dann doch hängenbleiben lässt, aber mehr als die Hälfte der Songs sind purer Durchschnitt und taugen gerade mal zur Hintergrundbeschallung bei Hausarbeiten.

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DANKO JONES Photo by Dustin Rabin

DANKO JONES können Rock. Gerne auch mal Hard-Rock, allerdings klingt "Wild Cat" in meinen Ohren zu 08/15, als das es ein Highlight in der Diskographie des Trios werden könnte. Schade drum, hatte mich sehr darauf gefreut - allerdings bedeutet ein neues Album auch eine neue Tour - somit hat "Wild Cat" seine Berechtigung, denn DANKO JONES leben für die Bühne.

Album-VÖ: 03.03.2017