(Grand Hotel Van Cleef / Indigo)

Achtung, Singer-Songwriter Alarm auf Gestromt. Entweder man klickt jetzt schnell weg oder man weiß bereits, dass es in diesem Genre ein Paralleluniversum geben muss. Zum einen sind da die Tim Bendzkos, Max Giesingers und Andreas Bouranis, welche einem tierisch auf die Nerven gehen können, da sie einem einfach überall über den Weg laufen - TV, Radio, Stadtfeste oder sei es einfach die musikalische Untermalung einer Familienfeier in der Dorfkneipe. Und dann sind da so großartige Typen wie Niels Frevert, Gisbert zu Knyphausen oder Franceso Wilking, die wirklich tolle Musik machen, aber in der Kneipe am Eck mit Sicherheit niemand kennt. Zur zweiten Personengruppe kann man auch PATRICK RICHARDT zählen, welcher 2013 mit seinem Debütalbum "So Wie Nach Kriegen" bereits aufhorchen ließ.

Verglichen mit dem Debüt, transportiert "Soll Die Zeit Doch Vergehen" eine deutlich positivere Stimmung. Gleich der Opener 'Euphorie' scheint von einer solchen beseelt zu sein. Gut gelaunte Backgroundchöre schmettern ein „Woohohoho“, welchem man sich nicht entziehen kann. Bevor man sich versieht, fängt man an mit dem Fuß zu wippen und schon hat einen das Album gefangen. Mit 'Rotterdam' geht es ähnlich gut gelaunt weiter. Eine kleine Ode an die niederländische Metropole, welche auch aus der Feder von Marcus Wiebusch stammen könnte. Auch die Instrumentierung erinnert schon sehr an einen Kettcar Track - aber das muss ja nichts schlechtes bedeuten. Es folgt der gerade mal zwei Minuten lange Titeltrack, welcher sehr schön die Stärken von PATRICK RICHARDT in den Vordergrund rückt. PATRICK RICHARDT ist nämlich vor allem auch eine Band. Verantwortlich dafür: Produzent Benjamin Kronski, welcher auch als Gitarrist in der PATRICK RICHARDT-Band spielt. An dieser Stelle bietet sich ein Klick auf das Live-Video des Tracks an, um sich ein besseres Bild über das Leistungsvermögen der Band machen zu können:

Noch besser klingt RICHARDT dann sogar noch in der klug gewählten Vorabsingle 'I.D.E.A.L.'. Tomte-Gitarren, eine melancholische Melodie und ein schlauer Text machen das Stück zu einem Fixpunkt der Platte. An Highlights mangelt es dieser Platte aber auch wahrlich nicht. Da ist die wunderbare Liebeserklärung 'Alte Dame, Weite Welt', welche das Gefühl des Fernweh in ein wunderschönes Lied überträgt, ohne dabei pathetisch oder peinlich zu sein. 'Panikherz' begeistert mit ausufernden E-Gitarren und auch „die Scheu vor eingängigem Pop“ (offizielle Presseinfo) legt RICHARDT in Stücken wie 'Sag Mir Bescheid' ab. Ich bezweifle allerdings, dass dieses Scheu jemals bestand. Jeder der 'Wir Segeln' schon mal gehört hat, wird mir da sicherlich zustimmen.

PATRICK RICHARDT macht es sich mit "Soll Die Zeit Doch Vergehen" jetzt richtig im Grand Hotel Van Cleef gemütlich. Tür an Tür mit den Ureinwohnern Tomte und Kettcar scheinen Nachbarschaftsstreitigkeiten quasi ausgeschlossen. Manchmal findet eben doch zusammen was zusammen gehört.

Album-VÖ: 03.03.2017