(Anti/ Indigo)

Wenn eine lebende PunkRock-Legende wie GREG GRAFFIN (Sänger bei Bad Religion) ein neues Album ankündigt, darf man ruhig mal aufhorchen. Mit "Millport" ist der promovierte Evolutionsbiologe zum dritten Mal abseits seines Hauptarbeitgebers unterwegs.

Wenn man so eine prägnante Stimme wie GREG GRAFFIN besitzt, wird natürlich der Vergleich zu Bad Religion zwangsläufig gezogen. Obwohl er der beste Punkrock-Sänger aller Zeiten ist (okay, subjektive Meinung 🙂 ), entfernt er sich musikalisch recht offensiv von diesem Genre und zeigt auf "Millport" seine ruhige Seite. Country, Americana-Roots und Bluegrass ist das Mittel zum Zweck.

Zur Seite stehen ihm die Social Distortion-Instrumentalisten Johnny Two Bags, Brent Harding und David Hidalgo Jr., produziert hat Epitaph-Chef und Bad Religion-Kompagnon Brett Gurewitz. Soviel zu den personellen Eckdaten.

Im Grunde kann man an "Millport" kaum etwas kritisieren, da einem vor dem Kauf des Albums klar sein sollte, was zu erwarten ist. Herausstechende Gesangslinien, die mit warmer und erdiger musikalischer Untermalung ein wohliges Gefühl hinterlassen. Genau das Richtige, um bei witterungsbedingter (und emotionaler gesellschaftlicher) Kälte Trost zu finden. Zuhause die Beine hochlegen, Mr. GREG GRAFFIN lauschen und "Millport" geniessen - dazu einen Irish Coffee oder eine Tasse Earl Grey Tee und der Tag ist gerettet.

"Millport" ist sehr stimmungsabhängig, aber das Angenehme an dem Soloausflug von GREG GRAFFIN, ist der Ansatz, kreativ die Ideen in ein anderes Genre zu transportieren ohne seine Herkunft verleugnen zu wollen. Wo andere Punkrocker scheitern (nämlich "nur" die Akustikversion ihrer Band zu sein), versucht Herr GRAFFIN neue Wege zu gehen.

Da ihm natürlich die ihm eigene und typische Intonation nicht zu nehmen ist (zum Glück), stellt man sich automatisch vor, wie der jeweilige Song in einer Punkrock-Version klingen würde. Und wenn das angekündigte Bad Religion-Album nur annähernd diese Qualität aufweist, die man sich imaginär ausmalt, kommt da was Großes auf uns zu.

Greg_Graffin_Photo_by_Anthony_St_James

Greg Graffin Photo by Anthony St.James

Bis dahin dürfen uns Songs wie 'Lincoln's Funeral Train', 'Too Many Virtues' oder 'Time Of Need' begleiten. Durch die überraschend hoch empfundende Halbwertzeit, wird "Millport" von GREG GRAFFIN eines dieser Alben, die bei jeder Gelegenheit aufgelegt werden können und es schaffen den inneren Stressfaktor massiv zu entschleunigen.

Album-VÖ: 10.03.2017