Sie hatte sich zwischenzeitlich rar gemacht, SCHROTTGRENZE, die Band, deren Name so viel mehr nach Hardcore klingt als ihrer Songs. Von 2010 bis 2015 war sogar komplett Funkstille und auch die ersten Lebenszeichen in 2015 beschränkten sich gerade einmal auf drei exklusive Gigs und ein paar Festival-Auftritte. In Bielefeld musste man noch viel länger auf eine Rückkehr der vier Hamburger warten. Immerhin liegt das letzte Stelldichein nunmehr schon fast elf Jahre zurück. Im Frühjahr 2006 waren SCHROTTGRENZE zusammen mit Junges Glück und Muff Potter zu Gast bei einer der damals noch regelmäßig im Forum stattfindenden Visions Partys und hinterließen einen bleibend guten Eindruck. Heute melden sich die Herren um Frontmann* Alex Tsitsigias im Bielefelder Indie-Wohnzimmer Nummer zu Platz zurück. Im Gepäck haben sie ihr im Januar erschienenes Album "Glitzer Auf Beton" und eine Message.

Den Auftakt machen heute aber erst einmal MODERN SAINTS. Während ihres rund 30-minütigen Sets geben die drei Bielefelder Lokalmatadore einen Querschnitt durch ihr bisheriges Schaffen. Musikalisch sind sie eindeutig auf der melodischen Seite des Punk, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Emo, unterwegs. Die Mischung kommt beim Publikum sehr gut an und es gibt definitiv schlechtere Möglichkeiten als den MODERN SAINTS zu lauschen, um die Zeit bis zum Hauptact zu überbrücken. Schade nur, dass viele Bielefelder an diesem Abend wohl etwas vermeintlich Besseres vorhaben, als den sympathischen Club gleich unter der Stadtautobahn zu besuchen. Wir hätten den beiden Bands des heutigen Abends ein größeres Publikum als die im Nummer zu Platz versammelte Schar gewünscht.

Gegen 22 Uhr ist es dann soweit und das lange Warten – weniger an diesem Abend sondern vielmehr seit bereits erwähnter Visions Party vor mehr als einem Jahrzehnt – hat ein Ende, als SCHROTTGRENZE die Bühne betreten. Los geht es mit 'Mann am Punkt' vom 2006er Opus Magnus "Château Schrottgrenze".

Es folgen mit 'Glitzer auf Beton', 'Januar Boy*’ und 'Sterne’ drei Tracks vom neuen Album. Thematisch dreht sich "Glitzer Auf Beton" um Geschlechter, Geschlechtergrenzen und ihre Überwindung – eben so, wie auch die Grenzen zwischen Alex Tsitsigias und seinem Alter Ego Saskia Lavaux fließend sind.

Das übrige Set ist ein ebenso bunter Mix aus Songs der Alben seit "Vaganten und Renegaten". Auch einige Raritäten wie 'Jörg Heiss’ neues Auto' von Tsitsigias’ Solo-Album finden ihren Weg auf die Setlist und so geht heute kaum jemand unzufrieden nach Hause, auch wenn der Wunsch nach 'Alaska' unerfüllt bleibt.

Wir freuen uns jedenfalls auf ein Wiedersehen mit SCHROTTGRENZE und hoffen, dass es nicht wieder über zehn Jahre dauert, bis sie sich wieder in Bielefeld blicken lassen.

Text by Mark Haake / Photos by Britta Flachmeier.