(Arising Empire)

Mit "The Sick, Dumb And Happy" erscheint das zweite Studioalbum der niederländischen Metalformation um Frontsängerin Caroline Westendorp. Beachtlich, welchen Sprung die Band seit dem letzten Album gemacht hat. Hier präsentieren sie sich als Hitmaschine.

Man würde einen großen Fehler begehen, wenn man THE CHARM THE FURY auf ihre Frontfrau und deren Gesanges- bzw. Screamokünste beschränkt. Im Zusammenspiel mit den beiden Gitarristen
Mathijs Parent und Rolf Perdok, dem Bassisten Lucas Arnoldussen sowie dem Schlagzeuger Mathijs Tieken liefert das Metalcore-Quintett ein Album in nahezu handwerklicher Perfektion. Klar, das ist ihnen auch schon mit "A Shade Of My Former Self" gelungen, wie ihnen von vielen Seiten bestätigt wurde. Das neue Werk geht aber so dermaßen auf die Zwölf, dass damit zum Angriff geblasen werden darf.

'Down On The Ropes' ist bereits ein guter Einsteig, wirkt aber im Vergleich zu den anderen Tracks des Albums, fast schon zurückhaltend. Mit 'Echoes' wird diese Schüternheit dann abgelegt. Treibend, eingängig und ein durchaus poppiger Refrain bilden einen wunderbaren Gegenpol zu den Screamoelementen und dem beklemmendem Thema. Überzeugt Euch selbst:

"We wrote this song as a response to the aftermath of the attacks on Charlie Hebdo in Paris back in 2015. At the time, there was an emerging debate whether or not we should be able to offend others -religious beliefs in particular- and whether free speech can go too far. In our opinion, being able to express criticism freely is the only thing that stands between us, and a total degradation of civilized society as we know it. At the end of the day, offense is something that is taken, not given."
THE CHARM THE FURY über 'Echoes'

'Weaponized' überträgt sein düsteres Thema problemlos in den Sound und auch 'No End In Sight' wirkt ähnlich beklemmend. Mit 'Blood And Salt' findet sich der nächste Fixpunkt auf der Platte. Der größetenteils sehr cleane Gesang in diesem Track sorgt dafür, dass einem bei dem Tempo, welches die Band bis hierhin angeschlagen hat, nicht schwindelig wird. Auch wenn das hier schon fast baladeske Züge trägt, funktioniert auch dieser Track erstaunlich gut.

Mit 'Corner Office Maniacs' bildet ein verzichtbares Intro das Bindeglied zwischen den beiden Albumhälften. In Vinyl-Comeback Zeiten möglich, in Zeiten von Musikdownloads aber auch nicht unbedingt notwendig. 'The Future Need Us Not' leitet somit als erster richtiger Track die B-Seite ein, kommt aber leider sehr einfallslos daher. Und auch die animierenden „Hey-Heys“ in der zweiten Songhälfte können den Track nicht über Durchschnittsware heben. Mit 'Silent War' kann sich die Band dann sogar zu einer waschechten Ballade durchringen. Das klappt an dieser Stelle erstaunlich gut und die Band kann somit einen weiteren Beweis ihrer erstaunlichen Vielfalt erbringen. Der abschließende Song-Dreier ('The Hell In Me', 'Songs Of Obscenity' und 'Break And Dominate') zieht dann wieder ordentlich an im Tempo. Gepaart mit einigen Oldschool Elementen kreuzt die Band hier die Welten von Bands wie Underoath oder Everytime I Die mit Pantera und Slipknot.
Insgesamt liefern THE CHARM THE FURY mit ihrem Zweitling ein mehr als solides Werk ab. Die meisten Tracks sind klar über Durchschnitt, nur wenige wirken wie Standardware. Handwerklich gibt es jedenfalls überhaupt nichts zu meckern. Und das sich die Band erstaunlich vielseitig zeigt, ist natürlich auch positiv anzumerken. Live dürften die neuen Tracks vermutlich sehr gut funktionieren, will man also 2017 mal wieder gepflegt headbangen, dann dürfte der Besuch bei einer Show der Niederländer keine schlechte Wahl sein.

Anspieltipps: Echoes, Silent War, Songs Of Obscenity

ALBUM-VÖ: 17.03.2017