(Cooking Vinyl / Sony)

Unter dem Moniker ME AND THAT MAN lotet Nergal, der Behemoth-Mastermind, gänzlich andere musikalische Gefilde aus. Immer nur Geballer ist ja auf Dauer auch ziemlich anstrengend. Also flux die Akustik-Gitarre rausgeholt, die Mundharmonika entstaubt, den Briten John Porter mit ins Studio gezerrt und 13 Songs eingespielt, die vom Sound der Hauptband nicht viel weiter entfernt sein könnten.

Black Metal gibt es auf "Songs Of Love & Death" also nicht. Statt dessen eine ziemlich gut funktionierende Mischung aus Dark Folk, Country, düsteren Singer-Songwriter Rock und vom Grundfeeling her auch mal ein bisschen Post Punk-Stimmung. Falls es Befürchtungen gab, dass Nergal hier ein halbgares Alibi-Düster-Album abliefert, der sei eines besseren belehrt. Sicher, das Rad wird nicht unbedingt neu erfunden. Aber das muss ja auch nicht immer sein. Das Album ist insgesamt eine mehr als positive Überraschung und zeigt einmal mehr Nergal's herausragende Gespür für Musik mit sinistrem Unterton. Der Opener, das klagende 'My Church is Black' steigt mit einem schleppenden Beat und crunchigen Post Punk Gitarrensound in den Reigen der Songs ein. Auch der Gesang klingt stellenweise durchaus wie Ian Curtis - großartig! Weiter gehts mit 'Nightride', einem Mitreisser à la Personal Jesus (allerdings ist der Beat auch ganz schön nah dran am Depeche Mode-Original). Wenn man zu den eben genannten Einflüssen dann noch viel Nick Cave, Tom Waits und Leonard Cohen dazu addiert, ist das Spannungsfeld, in dem sich die Platte bewegt, gut abgedeckt. Anders als bei den vorgenannten tropft aus Nergal's Songs allerdings eine noch größere Priese Bissigkeit aus seiner tiefschwarzen Seele.

Photo by Oskar Szramka

Bei 'Shaman Blues' beschreibt der Titel auch genau den Sound des Songs. 'Voodoo Queen' klingt stark nach dem Titelsong der Serie True Detective (The Handsome Family - Far From Any Road) - und genau in dieses Setting passt "Songs Of Love & Death": U.S. Südstaatenflair, Sümpfe, Glaube und Aberglaube, Zerfall, Romantik, Sehnsucht, Hoffnung und Tod. Richtig gut ist auch die Gesangsleistung von Nergal. Tief, rauh und eindringlich. Klasse Melodien, genau die richtige Dosis Pathos, aber nie kitschig. "Songs Of Love & Death" sollte auf jeden Fall von allen mal angecheckt werden, die mit den oben genannten Größen etwas anfangen können. Die Platte ist zwar nicht auf ganzer Linie originell und zitiert bisweilen ein wenig zu offensichtlich seine Einflüsse, aber dafür ein äußerst kurzweiliges Vergnügen.

Album-VÖ: 24.03.2017