(Long Branch Records / SPV)

Wow, ich hatte gar nicht mehr in Erinnerung wie stressig Musik sein kann. Mit dem neuen Release von WITHIN THE RUINS habe ich mir ein richtiges Ei gelegt, denn irgendwie hatte ich die Band noch als "Jawollo, da geht was" im Hinterkopf, muss aber bereits beim ersten Ansatz die neue Scheibe zu hören, schon nach wenigen Minuten eine Pause machen. Nachdem ich mir dann erst einmal
die Rezension des 2 1/2 Jahre zurückliegenden Releases anschaue, wird mir klar: Ja, die Ansätze zum Stressen waren auch da schon latent vorhanden, wurden aber scheinbar nicht so dermaßen ausgereizt wie auf dieser Scheibe.

Was zum Geier denken sich manche Bands eigentlich bei ihrem Songwriting, bzw. denken sie überhaupt dabei? Metalcore trifft auf Kirmesmusik trifft auf Commodore-64-Gedudel.
Die Produktion der Scheibe lässt keine Zweifel offen, dass hier mehr oder minder brutal geschnitten und editiert wurde (auch wenn die Presseinformation einem genau das Gegenteil suggerieren will und von "weniger klinisch, homogen" spricht). Irgendwie sicherlich auch kräftig mit Wumms hinterlegt, aber absolut nicht homogen, nicht lebendig. Mit jedem Taktende muss irgendwie zwangsläufig noch ein Sahnehäubchen auf die ansonsten wirren, konfusen Gitarrenriffs gepackt werden, wodurch schon nach etwa zwei Minuten der Punkt erreicht ist, wo man gar nicht mehr erst versucht, etwas Eingängiges in den Songs zu finden.

Technisch zeigt sich vor allem in den Solo-Parts, was die Jungs technisch auf der Pfanne haben, denn hier werden mal mehr als drei Töne am Stück eingespielt, ohne geschnitten zu werden. Wie war das in dem Mozart-Film so schön? Salieri bezichtigt Mozarts Musik mit dem Urteil "zu viele Noten".

Within_The_Ruins_Photo_courtesy_of_Long_Branch_Records

Within The Ruins Photo courtesy of Long Branch Records


Und spätestens bei "Halfway Human" verstehe ich, was gemeint ist. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass das solide Gebrüll gelegentlich von melodiösen Gesangspassagen abgewechselt wird. Den Innovationspreis gewinnt man mit diesem Einsatz wie aus dem Lehrbuch bestimmt nicht, aber man macht auch nichts weiter kaputt.

"Halfway Human" zu hören ist ein bisschen so, wie einen Bienenschwarm zu beobachten: Einen Augenblick lang ist das ganz cool, aber sobald man versucht, alles ganzheitlich zu betrachten, wird man wirr im Kopf. Ich habe keine Ahnung, was ich als Anspieltipp nennen sollte, da mich dieses Album einfach komplett überfordert. Leider ist hier alles zu viel des Guten und völlig überfrachtet, sonst hätte man sicherlich deutlich mehr Punkte machen können.

ALBUM-VÖ: 03.03.2017