(Rise Records/ Ada Warner)

Nach einigen erfolgreichen Jahren bei Fat Wreck haben THE FLATLINERS für ihr fünftes Studioalbum namens "Inviting Light" das Label gewechselt und sind nun bei Rise Records untergekommen. Die Kanadier sind mittlerweile im 15. Jahr ihrer Karriere und mit ihrer Musik gewachsen und reifer geworden. Was früher mit Ska-Elementen aufgepeppt wurde, hat aktuell einen sehr erwachsenen Charakter - die Musik wurde in den letzten Jahren greifbarer. Die Songs wirken nicht mehr wie aus der Hüfte geschossen, sondern sind in einem Prozess entstanden, der die Halbwertzeit der Kompositionen massiv erhöht hat.

Nun also "Inviting Light". 12 Songs, die den momentanen Status Quo von THE FLATLINERS abbilden. Ziemliches Alleinstellungsmerkmal ist natürlich der außergewöhnliche Gesang von Frontmann Chris Cresswell, der sich wohltuend von der vorherrschenden Phalanx der glattgebügelten PopPunk-Sänger abhebt. Und gerade von den Variationen im Gesang partizipiert die gesamte Band und kann den noch viel zu kleinen Kreis der THE FLATLINERS-Verehrer begeistern.

'Mammals' als Einsteiger beginnt gemächlich und steigert dann die Dynamik - der Zuhörer soll sich erstmal sammeln, um sich kurz darauf in einem wunderbar-kraftvollen PunkRock-Song wiederzufinden, der erwachsen und gleichzeitig "frisch von der Leber weg" klingt. Erinnert sich noch jemand an die Band The Lonely Kings? In diese Richtung tendiert das hier.

Auch 'Hang My Head' im direkten Anschluss stellt den Song in das Zentrum der Aufmerksamkeit - billige Catchyness-Phrasen haben keine Chance - trotzdem bleibt der Song hängen, weil man die Energie und den Enthusiasmus geradezu einatmet und miterlebt.

'Nicotine Lips' zieht das Tempo etwas an und unterstreicht die Kurzweiligkeit, die THE FLATLINERS transportieren. Was dann 'Indoors' mit seinem entspannten Heartfelt-Sound perfekt weiterführt - der Fokus liegt auf ausgestalteten Kompositionen, was Kapellen, die sich strikt auf Punkrock konzentrieren, meistens komplett abgeht.

THE FLATLINERS sind mit "Inviting Light" nicht unbedingt die Lieferanten für Tanzbodenfüller, aber das heimische Genießen von ungewöhnlichen Songperlen wie 'Unconditional Love', 'Burn Out Again' oder 'Chamaleon Skin' ist genauso verlockend und wirkt länger nach. Das neue Album ist definitiv nichts für Menschen, die Musik einfach wegkonsumieren - hier gibt es Songs zu entdecken, die wachsen wollen.

Natürlich haben THE FLATLINERS aber immer noch genug Liedgut in der Hinterhand, welches auch live funktionieren wird und zum Tanzen und Feiern anregt (z.B. 'Human Party Trick' oder 'Infinite Wisdom').

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The Flatliners Photo courtesy of Rise Records

Mich haben die Jungs im richtigen Moment erwischt. "Inviting Light" gelingt es, die perfekte Schnittmenge aus Euphorie, Melancholie, Anspruch und Ekstase zu finden.THE FLATLINERS sind bei sich angekommen und nehmen alle Fans mit, die sich darauf einlassen wollen. Es lohnt auf jeden Fall, sich mit "Inviting Light" zu beschäftigen - das Herzblut und die Liebe sind spürbar und ist vertont in ziemlich großartige Songs. Chapeau!

Album-VÖ: 07.04.2017