(Gunner Records/ Broken Silence)

Ach Winnipeg, du Brutstätte des kanadischen Punk-Rocks. Von Mosquitos verseuchte Sommer und dunkle, brutale Winter - eine Stadt inmitten Kanadas, die von Gewalt und Rassismus geprägt ist. Glaubt man John K. Samson, Ex-Bassist und Sänger von Propagandhi, der wohl berühmtesten Punk-Band der Stadt, ist Winnipeg ein wirklich deprimierender Ort. So zumindest beschreibt er es in dem Song 'One Great City' seiner Band The Weakerthans, die er nach dem Ausstieg bei Propagandhi im Jahre 1996 gründete:

"Late afternoon another day is nearly done
A darker grey is breaking through a lighter one
A thousand sharpened elbows in the underground
That hollow hurried sound of feet on polished floor
And in the dollar store the clerk is closing up
And counting loonies trying not to say
I hate Winnipeg"

In dieser vermeintlich deprimierenden Umgebung formierten sich in den frühen 80er-Jahren Bands wie Personality Crisis, The Unwanted, The Ruggedy Annes (eine der ersten kanadischen ausschließlich weiblichen Punk-Bands) und ließen Winnipeg zum Zentrum des kanadischen Punk-Rocks werden. Nachdem sich die Bands der ersten Stunde gegen Ende der 80er zum größten Teil aufgelöst hatten und weggezogen waren, wuchs die zweite Generation heran. Chris Hannah z.B., rief zusammen mit Jord Samolesky die oben genannten Propagandhi ins Leben. Gut ein Jahrzehnt später folgten Bands wie Comeback Kid.

Und 2010 formierte sich eine Band namens MOBINA GALORE, um die es hier eigentlich gehen soll. Eine Zwei-Frauen-Punk-Rock-Maschine, bestehend aus Gitarristin/Sängerin Jenna Priestner und Schlagzeugerin Marcia Hanson, die am 7. April ihr neues Album "Feeling Disconnected" via Gunner Records veröffentlicht haben. "Feeling Disconnected" ist eine Art Konzeptalbum, das - wie der Titel vermuten lässt - von Trennungen in jedweder Form handelt, davon, sich alleine und abgeschnitten von der eigenen Heimat zu fühlen und von der Anstrengung, die es kostet, sich in einer immer noch von Männern dominierten Szene behaupten zu müssen. Weiter will ich auf diese Problematik hier gar nicht eingehen, schlimm genug und eigentlich eine Schande, dass das in einer vermeintlich so toleranten Szene überhaupt noch ein Thema ist.

Schon die erste Single 'Going Out Alone', deren Songwriting mich sofort an den alten No Use For A Name-Klassiker 'Soulmate' erinnert hat (auch wenn Priestners Stimme viel rotziger und aggresiver ist als Tony Slys (RIP)), hat es in sich. Jenna Priestner ordnet den Song wie folgt ein:

„Wir freuen uns sehr 'Going Out Alone' als erste Single zu veröffentlichen, da er sich perfekt in das Thema des Albums einbindet, das passender Weise davon handelt, sich isoliert zu fühlen. Es ist eine Art Coming-Of-Age Story, die von unserer Reise durch das Leben handelt, auf der man sich immer wieder nach dem Gefühl geliebt und akzeptiert zu werden sehnt - ein Gefühl, das wir alle im Laufe des Lebens auf die eine oder andere Art schon erfahren haben. Wir haben sehr hart daran gearbeitet, dass "Feeling Disconnected" uns musikalisch und soundtechnisch als Band am besten repräsentiert - auf dem Album sind neben dem Gesang nur Gitarren und Schlagzeug zu hören - und ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen.“

Dem kann man nur zustimmen. Am Sound der beiden Kanadierinnen gibt es absolut nichts zu vermissen. Ganz im Gegenteil. Mit Überhits wie 'Vancouver', '4th of July' oder 'Better Days' machen MOBINA GALORE klar, dass man auf jedwede anderen Instrumente getrost verzichten kann.

Mobina_Galore_Photo_by_Sven_Hoppmann

Mobina Galore Photo by Sven Hoppmann

Über die Einflüsse der beiden Musikerinnen kann ich natürlich nur spekulieren, aber ich fühle mich an frühe Alben von Bands wie Face To Face, schon genannte No Use For A Name und Propagandhi oder auch Bad Religion und SNFU erinnert, die meine musikalische Sozialisation in den 90ern maßgeblich geprägt haben. Und ich meine das im höchst positiven Sinn und will damit auf keinen Fall sagen, dass "Feeling Disconnected" in irgendeiner Weise altbacken klingt. Denn obschon man diese Einflüsse hört, verleiht die Mischung aus Hardcore-Geschrei und zweistimmigem Gesang den Songs auf "Feeling Disconnected" eine Frische und Eigenständigkeit, die ich bei anderen Bands oft vergeblich suche. So sind die 11 Songs (inklusive des Bonus-Tracks '4th Of July') bzw. die 32 Minuten quasi im Nu vorbei.So abgedroschen es klingt: All Killer No Filler! Ich hör die Platte jetzt einfach von vorne.

Album-VÖ: 07.04.2017

P.S.: Ich schau mir die Damen mit Sicherheit auf dem diesjährigen
Groezrock an.
Für alle anderen gilt:

Tour 2017:

13.04.17 - Hamburg - Flora
15.04.17 - Kiel - Just a little bit Dangerous Fest X
17.04.17 - Hannover - Stumpf
18.04.17 - Bremen - Friese
19.04.17 - Siegen - Vortex
20.04.17 - Oberhausen - Druckluft
21.04.17 - Rostock - Peter-Weiss-Haus
22.04.17 - Berlin - Schokoladen
23.04.17 - Halle - VL Ludwigstraße
25.04.17 - Göttingen - Dots
26.04.17 - Wiesbaden - Kreativfabrik
27.04.17 - Augsburg - Ballonfabrik
28.04.17 - Wiener Neustadt - Triebwerk
29.04.17 - Landshut - Poschinger Villa
02.05.17 - Erlangen - JUKUZ
03.05.17 - Potsdam - Archiv
04.05.17 - Dresden - Horst
05.05.17 - Deutzen - Rock am Kuhteich
06.05.17 - Hainsfarth - Zone Open Air
07.05.17 - Ulm - Club Action
08.05.17 - Zürich - Hafenkneipe (CH)
09.05.17 - Freiburg - tba
10.05.17 - Münster - Baracke
11.05.17 - Rotterdam - De Ouwehoer (NL)
12.05.17 - Amiens - English Pub (FR)
13.05.17 - Montaigu - Les Rhinos Féroces #3 (FR)
14.05.17 - Bristol - Stag & Hounds (UK)
16.05.17 - Stafford - The Cellar Bar Stafford (UK)
17.05.17 - Manchester - Retro Bar (UK)
18.05.17 - Canterbury - The Lady Luck (UK)
19.05.17 - Köln - Privat
20.05.17 - Neunkirchen - Stummsche Reithalle