(LaLaSchallplatten/Kapitän Platte)

Die "Split-EP" der beiden Leipziger Bands LINGUA NADA und PAAN drohte schon fast in der Masse an täglichen Newslettern, Rezianfragen und Tourdaten, welche in der Redaktion im Laufe der Zeit so anlaufen zu versinken. Zum Glück ist sie es nicht, denn diesen „weird“ Mix aus Garage, Mathrock, Shoegaze, Post-Hardcore und Pop muss man hören.

Vor wenigen Wochen haben wir Euch bereits die ziemlich außergewöhnliche Metal/Soul/Mixtur von Zeal&Ardor ans Herz gelegt. Dieser kleine Bastardmix kam so erfrischend daher, dass man eigentlich lange warten muss, um nur etwas ansatzweise vergleichbares zu finden. Das nun bereits wenige Wochen später mit der "SPLIT-EP" von LINGUA NADA und PAAN, erneut ein solch wilder Stilmix den Weg in den GESTROMT-Kosmos findet, lässt hoffen für die Zukunft des Indie.

Die "SPLIT-EP" besteht aus acht Tracks, allerdings nicht brüderlich geteilt. Die ersten fünf Stücke werden einem von den vier LINGUA NADA-Boys um die Ohren gehauen, bei den letzten drei ziehen einem PAAN die Ohren lang.

Für LINGUA NADA bedeutet die EP so viel wie eine kleine Momentaufnahme. Bereits 2015 veröffentlichte die Band via LaLa Schallplatten ihre EP "Shapeshift" welche bereits einen ersten Eindruck des kreativen Potenzials, welches die Band inne hat, andeutete. Auf "Split" geht es nahtlos mit frischen Ideen weiter. Die fünf Tracks, welche die Leipziger Band beisteuert, wirken wie ein Spaziergang über den Rummelplatz, nach einer frischen Finanzspritze von den Großeltern. Es vermittelt einem dieses „Hier ist jetzt alles möglich!“-Gefühl. Wir hauen auf den Putz und uns kann keiner was. Die Songs 'Plastic' und 'Corgan' schütteln einem die Gehörgänge durcheinander wie das wildeste Fahrgeschäft vor Ort. Mal stürmisch, mal zurückhaltend, eine Fahrt vorwärts, die nächste rückwärts. Ein absolut wilder Ritt, der sich auch kaum vorausahnen lässt. Hinzu kommt ein Gesang, der leicht an die Arctic Monkeys erinnert und deutlich britisches Indie-Flair versprüht.

'Franka (I Almost Did)' schlägt im Anschluss dann nochmals einige Haken mehr. Der Song wartet mit mehr Wendungen als eine Daily Soap auf, weiß aber durchaus zu begeistern. Schnell, langsam, leise, laut…das ist ungefähr die Abfolge. Und die Gitarrenmelodie, welche einen zum Schluss hinausbegleitet, klingt sogar noch ein bisschen nach Hit. Auch mit 'Nonnom' und 'The Disasterist' gelingt es der Band sich nicht zu wiederholen und ihrem Sound neue Facetten hinzuzufügen.

Die letzten drei Tracks der EP gehören dann der Gruppe PAAN. Die noch eine Spur unbekannteren PAAN können diese gemeinsame EP als einen gelungenen Fingerzeig für sich verbuchen. Der deutsche und englischsprachige Mix aus Screamo, Punk und Hardcore kommt unvermittelt zum Punkt und tritt dem Hörer gewaltig in den Arsch. 'Großteig' bricht dabei immer wieder gewohnte Songstrukturen und lässt ein durchdachtes Chaos das Ruder übernehmen. Bei dem Hochgeschwindigkeitstempo, welches die Band hier anschlägt, sind die eingebauten Verschnaufpausen, welche sich auch im Track 'Yamaha' finden, eine willkommene Abwechslung. Live stelle ich mir das ganze dann noch eine Spur großartiger als auf Platte vor. 'Saurion' hingegen dreht die Songformel anschließend um. Sehr langsamer Beginn und man steigert sich ins Chaos. Der Sound ist sehr vielschichtig und man könnte vermuten, dass man sich da ein paar Kniffe von The Hirsch Effekt abgeschaut hat. Einen Höreindruck gibt es hier.

LINGUA NADA und PAAN liefern mit ihrer "Split-EP" ein eindrucksvolles, imponierendes, aber auch forderndes und teils anstrengendes Werk ab. Dass sich hier auch noch zwei Bands das VÖ-Medium teilen, macht es dem Hörer sicherlich nicht zugänglicher. Es lohnt sich dennoch sich drauf einzulassen.

VÖ-Datum: 17.03.2017