(Universum Home Entertainment)

SNOWDEN erregte durch den Trailer meine Aufmerksamkeit. Der "kontrovers diskutierte Whistleblower Edward Joseph Snowden" bekam von Oliver Stone (Nixon, JFK – Tatort Dallas, Wall Street 1+2, Savages, World Trade Center) einen Film spendiert, dessen spannender Trailer unglaublich Lust auf diese 134 Minuten machte.

Zur Story, die jedem bekannt sein sollte: "Als Edward Snowden den Job bei der NSA annimmt, ahnt er noch nicht, in welche Geheimnisse er bald eingeweiht wird: Die US-Regierung verfügt über weltweite Überwachungsprogramme, die tief in die privatesten Bereiche eindringen. Dabei werden nicht nur vermeintliche Terroristen überwacht, sondern auch das Leben normaler Bürger: Mails, Telefonate und jegliche Form digitaler Kommunikation – alles wird gespeichert. Selbst die ausgeschalteten Webcams können von der Regierung aktiviert werden. Schockiert von dieser Entdeckung beginnt Snowden, geheime Dokumente zu sammeln, die das Ausmaß dieses enormen Machtmissbrauchs beweisen. Getrieben von seinem Gewissen, das kein Schweigen zulässt, lässt er Karriere und Leben hinter sich, um der Welt die Augen zu öffnen – und wird so zu einem der meistgesuchten Menschen der Welt und zugleich zur Zielscheibe internationaler Politiker."

Die Frage "Verräter oder Held" schwebt (natürlich) über dem Film. Der Antrieb von Edward Snowden, geheime NSA-Dokumente zu veröffentlichen, wird mir hier zu wenig angekratzt. Überhaupt wirkt vieles bruchstückhaft aneinandergeklatscht/im Zeitraffer überflogen. Klar, wahre Begebenheit, aber was sollte man stärker ausarbeiten, was könnte man auf der Strecke lassen, um den Film rund zu machen? Und was entspricht hier der Realität, was ist Blockbuster-Hollywood-Klischee?

Ist Edward Snowden ein solch unglaubliches Wunderkind, wie uns im Film verkauft wird, oder doch eher der Durchschnitts-Programmierer für den Job? Schließlich musste er aufgrund einer Verletzung aus einer Spezialeinheit ausscheiden. Wenn man sich den wirklichen Edward Snowden vor Augen führt, sieht man da keinen Superman/Supersoldaten. A propos der echte Snowden. Der Film wechselt am Ende (und damit spoilere ich meiner Meinung nach nicht) zwischen dem (unterforderten) Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt und dem realen Edward Snowden. Ein kleiner Gänsehautmoment für den Zuschauer, aber auch ein Bruch, der den Film zwischen Thriller, Biopic und Doku straucheln lässt.

Warum man hier zudem Nicolas Cage in einer Minirolle verramscht hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Auch Rhys Ifans ist aufgrund seiner häufigen Bösewicht-Besetzung eher offensichtlich und deplatziert, ja fast schon Endgegner-mäßig eingebunden (Live-Chat mit riesiger Leinwand. Hüstel).

Schön, dass dieser Film gemacht wurde, besser hätte ich es gefunden, wenn er gut gemacht worden wäre. Wenn man mehr Augenmerk auf die innere Zerissenheit gelegt hätte, bevor die Bombe geplatzt wäre, zum Beispiel im Dialog mit seiner Freundin. Aber vermutlich musste er sie schützen. So trotzdem nur Mittelmaß. Schade!

DVD, Blu-ray, VoD-VÖ: 07.04.2017