(BMG/Warner)

THE CRANBERRIES? Die gibt es noch? So war die erste Reaktion auf die Bemusterungsanfrage innerhalb der Redaktion. Doch wenn es eine Band schafft, einfach so - ohne großes Tam-Tam - das "Ausverkauft"-Schild an den Admiralspalast in Berlin zu hängen, dann hat sie nicht nur ihre Daseinsberechtigung, dann wollen die Leute auch mehr. Und mehr bekommen die CRANBERRIES Fans nun auch, denn THE CRANBERRIES, die Band rund um Frontfrau Dolores O'Riordan, bringen jetzt ihre größten Hits sowie neue Songs in "acoustic versions" und "unplugged" Besetzung. "Something Elese" nennt sich diese Compilation und ist ein eindeutiger Beweis für die Songwriter-Qualitäten von Dolores und Writing-Partner Noel.

"Something Else" kommt mit 13 Tracks daher. Zehn Bandklassiker in neuem Arrangement und drei bisher unveröffentlichte Tracks. Natürlich finden sich die Hits 'Linger', 'Ode To My Family', 'Just My Imagination' und allen voran 'Zombie' in der Hitauswahl. Auffällig ist, dass sich diese Auswahl vor allem in der Frühphase der Band bedient, was die Erkenntnis reifen lässt, dass THE CRANBERRIES vielleicht dann doch nur noch vom Nostalgie-Faktor zerren. Bedauerlicherweise werden manche Songs (u.a. 'Linger'; 'When You’re Gone') dann auch in ihrer Neuinterpretation so dermaßen mit Kitsch überzogen, dass einem die Streichersoße zu den Ohren herausquillt. Manchmal ist eben doch weniger mehr. Die Klassiker 'Zombie' und 'Ode To My Family' beweisen sich hingegen als unzerstörbar und wissen auch im akustischen Gewand zu gefallen.

Blicken wir noch schnell auf die drei neuen Stücke. Hier ist allen voran das äußerst ruhige aber sehr gelungene 'The Glory' zu nennen. Dabei entstand der Track überhaupt erst in den Proberäumen des Irish Chamber Orchestras um zu verhindern, dass "Something Else" nur eine Ansammlung wiederentdeckter Erinnerungen werden würde.

„Ich dachte darüber nach, dass es im Leben immer Hoffnung und ein Licht am Ende des Tunnels gibt, egal wie dunkel das Leben auch gerade sein mag. Manchmal ist es schwierig, doch Du musst das Licht und das Positive in den Dingen suchen.“  - Dolores über 'The Glory'

Die weiteren neuen Tracks hingegen plätschern, trotz ihrer thematischen Tragik, 'Rupture' handelt von Depressionen und 'Why?' vom Tod des Vaters, eigentlich einfach so dahin und hinterlassen keinen bleibenden Eindruck.

Photocredit BMG

Am Ende steht die Frage, wie geht es weiter mit der Band? Bedeutet der Titel "Something Else" eine respektvolle Hommage an das erste Album "Everybody Else", so verspricht er weder zukünftige Pläne, noch steckt er in der Vergangenheit fest. Dolores: „Der Albumtitel hat keine bestimmte Aussage.“, erklärt die Sängerin zum Schluss. „Es bedeutet weder, dass wieder ein Album kommen wird, noch dass dies das große Finale ist. Es bedeutet eher ‚wer weiß, was noch kommen wird?‘. Ich habe keine Ahnung, was uns noch alles bevorsteht. Wir leben nicht mehr in den 90ern und darüber bin ich sehr froh. Ich hoffe, den Fans gefällt, was wir aus den Songs gemacht haben. Manchmal fragt man sich ja, wie lange die eigene Musik von Bedeutung sein wird und ich glaube, da haben wir sehr viel Glück.“

"Somthing Else" liefert jedenfalls den passenden Soundtrack für den Sonntagnachmittag wenn mal wieder die Eltern zu Kaffee und Kuchen rumschauen.

Album-VÖ: 28.04.2017