(Uncle M Music/ Crystalmeth and Heartattack)

Was ich seit einigen Jahren fast komplett eingestellt habe, weil sich nichts finden ließ: Mich auf die Suche nach Bands zu machen, die einen skandinavischen Melodycore zocken wie ihn Stoned, Adhesive oder Pridebowl Ende der 90er-Jahre groß gemacht haben. Einfach Vollgas - geschmeidige Melodien mit Wucht nach vorne transportieren, eine galoppierende Rhythmusfraktion und ein Sänger der trotz Erreichen des Erwachsenenstatus wie ein pubertierender Teenager in den Texten über Erwachsenwerden, Funsportarten und erste Liebesprobleme philosophiert.

Der Sommer und die spaßmachende Anspruchslosigkeit ist aber nun gerettet. PRIMETIME FAILURE aus der nicht existierenden Stadt Bielefeld haben sich genau das oben beschriebene Szenario zur Brust genommen und mit ihrer Debüt-EP "Home" ein Meisterwerk aus der Referenzschmiede abgeliefert.

Ohne viel Firlefanz wird man mit dem Titeltrack 'Home' auch direkt in den Uptempo-Kosmos des Quartetts hineingezogen und nach einer guten Viertelstunde völlig ausgepumpt ausgespuckt. Sehr sympathisch, dass nicht eine Sekunde nachgelassen wird und es einen runden Abschluß (textlich wie auch musikalisch) mit 'Stuck In The 90s' gibt.

Völlig unnötig, die vorliegenden 8 Tracks einzeln zu analysieren, da es PRIMETIME FAILURE schaffen, ein rundes Ding zu erschaffen, welches allen Freunden des kalifornischen/ schwedischen Melodycore/ Fast-Punk-Rock sehr gefallen dürfte. Die Songs werden nicht künstlich in die Länge gezogen, sondern perfekt auf den Punkt gebracht.

Die Hommage an die 90er steht natürlich  bei den Songs als oberstes Ziel auf der Agenda - wenn dann so schmissiges Liedgut wie 'Celebrate The Winter' oder 'Waiting' herauskommt, können mir die nicht vorhandenen Innovationen gestohlen bleiben.

'State Of Unrest', 'Let Go' oder 'Pottery Class' haben feine Gitarrenmelodien, die die Songs einläuten, um dann schnellstmöglich Richtung Refrain abzubiegen, der gerne zweistimmig geschmettert wird.

Primetime_Failure_Photo_by_Anne_Pellmann

Primetime Failure Photo by Anne Pellmann

Sehr überrascht und absolut geplättet gratuliere ich PRIMETIME FAILURE, die es geschafft haben mit ihrer EP "Home" ein starkes Tribut an das oben genannte Punkrock-Zeitalter abzuliefern ohne ihre Eigenständigkeit zu verleugnen. Ich persönlich fühle mich zuhause angekommen und feiere den Sound der 90er enorm ab. Ein Fest! Freue mich auf den ersten Longplayer.

EP-VÖ: 12.05.2017