(Spinefarm/ Universal Records)

Während der zwischenzeitlichen, mehrjährigen Pause seines Hauptarbeitgebers Atreyu wollte Drummer/Sänger Brandon Saller nicht untätig bleiben und gründete seine eigene Band. HELL OR HIGHWATER heißt diese und Herr Saller steht dem Fünfer als Frontmann vor. Da er seit jeher für die cleanen Vocals bei Atreyu zuständig ist und auch kompositorisch viel zum Erfolg der ehemaligen Metalcoreler beigetragen hat, darf man gespannt sein, inwiefern sich dies auf dem zweiten Album "Vista" bemerkbar macht.

'Colors' hat schon einmal die richtigen Voraussetzungen für einen Opener - Brandon Saller kann sein Können komplett ausschöpfen, von fein gesungenen Passagen bis zum euphorischen Chorus, der mit "whoa-whoa"-Background-Unterstützung Stadionatmosphäre atmet. Dazu gibt's den obligatorischen Heavy-Alternative-Rock, der etwas nach Bausatz klingt, aber präzise auf den Punkt kommt.

Das locker aus der Hüfte kommende 'Walk Out In The Rain' nervt gewaltig mit der Überbeanspruchung eines ekligen Synthies, der den anspruchslosen Song komplett zerstört, obwohl die Tendenz zu einem zwar unspektakulären, aber okayen Midtempo-Song vorhanden sind.

"Vista" ist definitiv auf den nordamerikanischen Markt abgestimmt, da hier der Bedarf für Alternative-Rock mit leichten Post-Grunge-Einflüssen scheinbar unersättlich ist - und wer sein CD-Regal auffüllen möchte und noch Platz zwischen Theory Of A Deadman, Saint Asonia und Hinder findet, kann sich HELL OR HIGHWATER gerne dazwischenstellen. Es gibt keine besonderen Merkmale, die HOH aus der Masse hervorstechen lassen - und wenn 'Lighter Than Air' in die Maroon 5-Ecke abdriftet, ist man auch geneigt zu sagen, dass diese Veröffentlichung überflüssig bis nichtig ist.

Das kompakte 'Don't Stop. Get Up' lässt nochmal aufhorchen. Aber es überwiegen leider die uninspirierten Songs, die mal Richtung 80er-Jahre Hardrock schielen ('Dame' oder 'Pieces'), dann völlig ohne Power vor sich hindümpeln ('Washed Away' mit seinem furchtbaren Carlos Santana-Gitarren-Sound) und der absoluten Frechheit 'Revolution', der jeden OneRepublic-Song als Meisterwerk empfinden lässt.

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Hell Or Highwater Photo courtesy of Odyssey Music

"Schuster, bleib' bei deinen Leisten" ist wohl der altehrwürdige Spruch, den man Brandon Saller und seinen Jungs auf den Weg geben sollte. "Vista" ist weder Fisch noch Fleisch - eher Tofu: Als Ersatz zu akzeptieren, aber nur mit der richtigen Würzung. HELL OR HIGHWATER enttäuschen auf ganzer Linie - und wären nicht die 2-3 okayen Songs, würde die Wertung noch bescheidener ausfallen.

Album-VÖ: 19.05.2017