(AFM Records/Soulfood Music)

Dieses Jahr erschien bereits das neue Album von Erdling, welche sich aus ehemaligen STAHLMANN Mitgliedern zusammensetzen. Nun ist es aber auch soweit und mit "Bastard" erscheint das inzwischen fünfte Album der ehemaligen Bandkollegen. Mit zehn Stücken und gut über 30 Minuten Laufzeit fällt auch die Nummer fünf, genau wie ihre Vorgänger, nicht gerade üppig aus. Aber wie immer gilt natürlich Qualität geht über Quantität, also direkt rein in das Hörvergnügen.

Direkt mit dem 'Leitwolf' gibt es erstmal ne dicke Ladung Industrial-Klänge auf die Ohren. Die Elektronik wird zuerst gezielt in den Vordergrund gestellt, bevor Instrumente und Gesang den Ton angeben. Vor allem die Riffs sind schön tief und düster, so wie es sich für eine Band dieser Zunft gehört. Der Liedtext hört sich dabei wie eine Kampfansage an die Musiklandschaft und die darin befindlichen Künstler an. Insgesamt ein sehr gelungener Einstieg und genauso kämpferisch geht es mit 'Judas' weiter. Das man sich ganz der schwarzen Szene angemessen, hier ständig bei dem bösen F-Wort bedient, stößt mir aber eher übel auf. So stumpfe Beleidigungen, als Konter gegen Leute die einen mal verraten haben, hat eigentlich niemand nötig. Der Rest ist NDH Standardkost und kaum der Rede wert. Zum Glück kommt der Titeltrack 'Bastard' deutlich ansprechender daher und der Refrain kann sich echt hören lassen. Eine ohrwurmlastige Melodie und treibende Riffs laden zum wiederholten Hören ein, bevor man das Album dann weiter laufen lässt. Rein textlich scheint man aber hier ein Thema bis zum Abwinken immer wieder neu zu behandeln. 'Nichts Spricht Wahre Liebe Frei' startet sehr orchestral und entwickelt sich dann auch passenderweise zu einer Ballade, der in meinen Augen aber ein bisschen das gewisse Etwas fehlt. 'Wächter' behandelt zwar zum Glück auch ein anderes Thema als die ersten drei Stücke, aber sowohl musikalisch als auch textlich ist es komplett einfallslos und schon in zig anderen NDH Liedern verwurstet worden.

Photo courtesy of AFM Records

'Von Glut zu Asche' ist deutlich eingängiger und auch durchdachter. Elektronik, Gitarre, Bass und Schlagzeug fassen hier besser ineinander und ergeben ein überzeugendes Gesamtkonstrukt. Auch der Einsatz eines Gitarrensolos ist in meinen Augen eine tolle Idee. Sicherlich einer der besten Songs auf dem kompletten "Bastard". Bei 'Albtraum' haben es mir vor allem die harten Riffs angetan, so knallt der Refrain äußerst druckvoll aus den Boxen und lässt die drei Minuten wie im Flug vergehen. Ein bisschen kritischer wird es mit 'Dein Gott', welches aber dann bei der angestrebten Botschaft inhaltlich deutlich zu zahm daher kommt. Und auch musikalisch bietet es selbst für drei Minuten zu wenig Abwechslung. 'Schwarz und Weiss' weiß durch den erneuten orchestralen Touch, doch wieder ein bisschen mehr zu begeistern. Auch der Zusatz einer Violine (oder Geige?) passt sehr gut ins Konzept. Zum Abschluss musste ich dann kurz staunen, die aktuelle Erdling heißt Supernova und wie heißt das letzte Stück auf der neuen STAHLMANN? Richtig 'Supernova', nur wird diese hier leider nie so richtig heiß. Vor allem für einen Abschlusstitel ist er dann doch ein bisschen schwach auf der Brust.

Wie bereits zu Anfang erwähnt ist 'Bastard' nicht besonders lang oder umfangreich. Und trotzdem weiß nur ungefähr die Hälfte der Lieder richtig zu zünden, was ich durchaus als enttäuschend empfand. Vor allem da die eine Hälfte wirklich gut und die andere eher in unterer Durchschnitt einzuordnen ist. Des weiteren wirken die Texte oft zu stumpf, aufgesetzt oder pseudotiefsinnig. Man bedient sich halt weiterhin bei den großen Namen des Genres ohne selber genügend eigene Ideen mitzubringen. Wem die neue Erdling allerdings zu metallastig war, dem sei gesagt STAHLMANN gehen hier deutlich klassicher zu Werke. Und wer nicht mehr als das erwartet, wird wohl auch gut unterhalten werden.

Anspieltipps: 'Leitwolf', 'Von Glut zu Asche'

Album-VÖ: 19.05.2017